Universal Design: Produkte für die neue Avantgarde

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Die Deutschen werden immer älter. Aufgrund der höheren Lebenserwartung und des Geburtenrückgangs wird sich der Anteil der über 60-Jährigen bis 2050 von einem Viertel auf mehr als ein Drittel erhöhen, sagen die Statistiker. Damit werden die Senioren zur wichtigsten Verbrauchergruppe, deren Konsum- gewohnheiten den Innovationsmotor antreiben. Die individuellen Bedürfnisse und Wünsche der Silver Consumer, Best Ager oder Woopies (Well-off old people) und deren gesellschaftliches und ökonomisches Potential werden derzeit unter anderem in Bad Tölz erforscht. Dr. Ernst Pöppel, Psychologieprofessor an der TU München ist gleichzeitig Leiter des Generationenforschungsprogramms in Bad Tölz, das sich auf die „Generation Plus“ spezialisiert hat. Durch den assoziierten Projektpartner, die Münchner Agentur brodbeck design, können Forschungsergebnisse direkt in die Produktentwicklung umgesetzt werden, beispielsweise mit einem Handy für die Generation 70 + mit besonders großen Tasten. Abgesehen von der Entwicklung neuer altengerechter Produkte, sind Senioren auch Seismographen für die Verbesserung und Vereinfachung von bereits am Markt etablierten Produkten. |
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Denn wo es am Design, an der Benutzer- und Bedienungsfreundlichkeit, an der Einfachheit und Sicherheit bei Autos, Mobiltelefonen, Möbeln und Waschmaschinen hapert, merken ältere Menschen schneller als andere.
Erfolg durch Universal Design
BSH Bosch und Siemens Hausgeräte setzen schon länger darauf, möglichst viele Geräte mit allgemein verständlichen Bedienungselementen auszustatten und haben die Bosch Logixx 8 Serie mit einer Bedienungslogik entwickelt, die am Bankautomaten orientiert ist: Ein großes Display mit Klarschrift statt der verwirrenden Symbole und je 2 Tasten rechts und links davon. Das ist nicht nur seniorenfreundlich, sondern spricht auch andere Nutzer an, die einfache Bedienung bevorzugen. Eine These der Seniorenforscher lautet: Produkte, die ausschließlich auf Ältere zugeschnitten sind, werden nie erfolgreich sein. So haben sich viele Produkte, die die speziellen Anforderungen von Senioren berücksichtigen, als „Universal Design“ oder „Design for all“ am Markt etabliert, wie Einparkhilfen im Auto oder leicht zu öffnende Drehverschlüsse bei Getränkekartons.
Senioren über 70 geben nach einer Studie des Statistischen Bundesamtes rund 40 Prozent ihres Einkommens für Wohnen aus. Seniorchef Dirk-Walter Frommholz, der das gleichnamige ostwestfälische Familienunternehmen in der sechsten Generation führt, hat auch ältere Endkunden im Blick. „Aber ich würde mich hüten, Möbel als seniorengerecht anzupreisen, weil ich mir dann das Geschäft kaputt machen würde.“ Denn, und das ist eine Erfahrung die sich wie ein roter Faden durch alle Branchen zieht, Senioren sind nicht bereit Spezialprodukte für Senioren zu kaufen. So gibt es bei Frommholz qualitätvolle Möbel, die in Sitzhöhe, Sitztiefe oder in den Armlehnen verstellbar sind, sowie Sessel mit motorisierter Neigevorrichtung, in denen sowohl das Relaxen als auch das Aufstehen leichter fällt. |
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Trend zur Einfachheit
Statt immer mehr Features in die Handys zu integrieren, gibt es im Mobilfunkbereich den gegenläufigen Trend zurück zur Einfachheit. Vodafone brachte schon 2005 ein 3-Tasten-Handy mit Rund-um-die-Uhr Betreuung auf den Markt. Durch Drücken der roten Taste wird eine Verbindung zum Service-Center hergestellt, der bei allen anfallenden Problem hilft, da dort alle wichtigen Informationen über den Kunden gespeichert sind (Wohnort, Hausarzt, Krankheiten). Mit der gelben oder grünen Kurzwahltaste können, je nach Programmierung, Angehörige, Betreuer oder Nachbarn direkt angerufen werden. Das Hamburger Büro Grauwert entwickelt und gestaltet „demografiefeste Produkte und Dienstleistungen“, die für die Generation 50plus besonders attraktiv sind. Sie gestalten für Tchibo Einstiegshilfen für Badewannen oder überarbeiten die Produktpalette der Firma Stihl, damit die Motorsägen und Heckenscheren auch von älteren Schrebergärtnern genutzt werden können. Design für Alt und Jung
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt diesen Trend durch die Herausgabe der Berichte zur Lage der älteren Generation in Deutschland und Studien wie „Motoren des Seniorenmarktes“ oder der Online-Plattform „Wirtschaftsfaktor Alter“. In Kooperation mit Berliner Universität der Künste werden Wettbewerbe zum Thema „Design für Alt und Jung“ durchgeführt, die Studierende und Lehrende für die Bedürfnisse einer emanzipierten Seniorengeneration sensibilisieren.Unsere Zukunft wird durch das Angebot seniorenfreundlicher Produkte entscheidend beeinflusst, Senioren werden in vielen Bereichen Impulsgeber für ökonomisches Wachstum sein. Voraussetzung dafür ist „ein Altersbild, das Einschränkungen integriert und Kompetenzen und Potentiale älterer Menschen“ erfasst, wie Mathias Knigge und Robert Span von Grauwert betonen. Einen internationalen Wettbewerb hat 2007 die universal design GmbH in Partnerschaft mit iF International Forum Design GmbH ins Leben gerufen. Der Universal Design Award wird jährlich ausgeschrieben.
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Dr. Bettina Becker ist Kulturwissenschaftlerin.
Sie lebt und arbeitet als Dozentin und Autorin in Kassel.
Copyright: Goethe-Institut e.V., Online-Redaktion
November 2008
Haben Sie noch Fragen zu diesem Artikel?
Schreiben Sie uns!
online-redaktion@goethe.de
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