Designherbst: die Illustrative in Berlin und Designers’ Open in Leipzig

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Es sind zwei Festivals, die den deutschen Designherbst einläuten – beide auf ihre Art trendsetzend und -suchend. Auf der Illustrative verlässt die Illustration ihren angestammten Platz und in Leipzig soll junges Design an alte handwerkliche Traditionen dieser mitteldeutschen Region anknüpfen. Die Illustrative in Berlin versteht sich als sehr international ausgerichtete Plattform für die kleine Schwester der Malerei, die Illustration. Sie stellt zum dritten Mal die frischesten Arbeiten dieser aufstrebenden Kunstform vor. Für die Illustrative 2009 sind die Initiatoren Pascal Johanssen und Katja Kleiss nach Stationen in Zürich und Paris in die gediegenen Räume der Villa Elisabeth in Berlins Mitte zurückgekehrt. |
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500 Künstler, die meisten Illustratoren, haben sie über das Jahr beobachtet und unterstützt und dann eine Auswahl von 30 getroffen. Die Hälfte der ausstellenden Künstler sind den beiden schon aus vergangenen Ausstellungen und Zusammenarbeiten bekannt – darunter der deutsche Star der Szene Olaf Hajek mit seinen fein gemalten Miniaturen, oder Erik Mark Sandberg aus L.A., dessen „Hairy Children“-Serie immer für Irritation und Aufmerksamkeit bei den Besuchern gut ist.
Die Grenzen zwischen den Medien ausloten
Andere wie die Berlinerin Sonja Danowski oder der Finne Santtu Mustonen sind ganz neu dabei. Gerade Mustonen zeigt etwas, was Johanssen für die nächste Stufe in der Entwicklung der Illustration hält – das Verlassen des reinen Mediums Bild hin zu Dreidimensionalität oder Bewegung. Er sieht Illustratoren immer mehr die Grenzen ausloten zwischen den Medien, so wie Mustonen, der eine Art „Bewegtbild“ kreiert und animiert – ähnlich einem Perpetuum mobile, oder auch Hajek, der zwischenzeitlich Papier als Grundlage seiner Zeichnungen verlassen hat und zum Beispiel Teppiche „bezeichnet“. Und dazu gehört auch sicher der Franzose Sébastien Preschoux, der mit Schnurinstallationen ganze Räume bespielt und dadurch den Lichteinfall auf Waldböden farblich und räumlich nachbilden will.
Eine neue Verknüpfung der Künste
Handwerklich traditionelle Illustratorinnen wie Sonja Danowski haben einen anderen Dreh gefunden um sich zu präsentieren: Danowski hat ihre wunderbaren Berliner Alltagsbeobachtungen nicht einfach an die Wand gehängt, sondern eine Installation aus ihren Serien angefertigt: „Auch wenn es ganz traditionelle Handarbeit ist, so ist die Präsentation auf jeden Fall wieder der Bruch, den wir in der Ausstellung suchen“, erklärt Johanssen.„Eine neue Verknüpfung der Künste“ nennt er diese Entwicklung, die für ihn auch erst 2006 seinen Lauf nahm, als er als „traditioneller“ Galerist gefragt wurde, ob er nicht auch Illustratoren ausstellen wolle. Zunächst lehnten er und Katja Kleiss ab, gingen dann aber nochmal in sich, beschäftigten sich mit dem Thema und den Arbeiten und stellten fest, „dass es eigentlich im Moment die innovativste Kunstform mit den interessantesten und frischesten Künstlern ist“, wie Johanssen sagt. |
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Außerdem von einer Internationalität, von der andere Kunstformen nur träumen könnten. Das hat sich für die beiden in den letzten drei Jahren nur weiter bestätigt. Von Anfang an wurde die Illustrative von Besuchern gestürmt und mit Anfragen von Künstlern überrollt. Mittlerweile organisieren Johanssen und Kleist das ganze Jahr rund um dieses Event, betreuen die Künstler und geben das Branchenblatt Objects heraus.
Zusammenwachsen der Szene
In dieser Position erleben sie gerade ein Zusammenwachsen der Szene, eine Verknüpfung der Techniken in den angewandten Künsten, die Johanssen an das Bauhaus erinnert: „Allerdings findet das nicht als Gruppe statt, sondern spielt sich zwischen einzelnen Personen ab.“ Die Neuen Medien und das Netz machten ja auch für ihn Betreuen und Beobachten von Künstlern möglich, und so gehe es den Künstlern auch selbst: „Man ist so viel informierter als früher, was die Leute machen und was es an neuen Entwicklungen gibt.“ Und man merke leider auch, wer da noch nicht so eingebunden ist in das weltweite Netzwerk: „Was uns wieder fehlt, sind Künstler aus Afrika und teilweise aus Osteuropa. Aber die wollen wir holen, da geht unsere Anstrengung für die nächste Illustrative hin.“ Die wird dann in New York stattfinden, darauf haben sich Macher und Künstler verständigt. New York und Berlin im Wechsel, so sollen die nächsten Jahre der Illustrative aussehen.
Das kreative Potenzial Mitteldeutschlands
Einen geradezu fest zementierten Standort haben dagegen die Designers’ Open, die zum fünften Mal in Leipzig stattfanden und sich zur Aufgabe gemacht haben, „das kreative Potenzial Mitteldeutschlands zu zeigen“, wie Initiator und Produktdesigner Jan Hartmann sagt. Dabei sind die Schwerpunkte für das dreitätige Festival im Oktober zunächst ganz traditionell – Produktdesign, Mode, Kommunikations- und Interiordesign – die Verknüpfung mit neuester Technik ist es nicht. In diesem Jahr fand die Hauptausstellung zum ersten Mal im Merkurhaus, einem ehemaligen Kaufhaus im Stil der neuen Sachlichkeit, auf vier Etagen mit 150 ausstellenden Designern statt. Hartmann und sein Kollege Andreas Neubert, ebenfalls Designer, wollten vor fünf Jahren eigentlich nur die lokale Designszene besser vernetzen, jetzt sind sie das ganze Jahr damit beschäftigt Bewerbungen für die Designers’ Open zu sichten, um gute, innovative Produkte für ihr Festival zu finden. „Da wir selbst Gestalter sind, wissen wir auch, wie schwierig es ist erstmals mit seinen Produkten wahrgenommen zu werden“, so Hartmann. Gerade wenn es sich um neue Konzepte für Gestaltung oder Kommunikation handele, die sich gerade auf dem Weg zur Marktreife befinden. Weiterentwicklung von Altbekanntem
Exemplarisch steht dafür das Dresdner Designbüro Neongrau, das einen interaktiven Messestand mithilfe von Produktkatalogen zeigte, die sich vor dem Besucher beim Öffnen in dreidimensionale Installationen verwandeln – „intolight“ heißt das Projekt, mit dem man die in die Jahre gekommenen „normalen“ Messestände virtuell erlebbar machen will. Ebenfalls mit einer technisch anspruchsvollen Weiterentwicklung von Altbekanntem haben sich die jungen Magdeburger Gestalter Schindelhauer-Bikes dem Fahrrad angenommen. Um einen wartungsfreien und nahezu unzerstörbaren Kohlefaser-Zahnriemen als Ersatz für die alte Kette haben sie technisch und ästhetisch hochwertige Räder gebaut, die trotz allem designten Purismus absolut alltagstauglich sein sollen. Neben diesen beiden jungen Design-Kollektiven aus Mitteldeutschland finden sich bei den Designers’ Open aber auch einige andere Design-Landsleute, die Hartmanns Vorstellung von Innovation, Präsentation und gestalterischem Können entsprechen. Und neben Nord- und Süddeutschen sind auch Österreicher und Schweizer bei den Bewerbungen für die Designers’ Open 2010 wieder sehr willkommen. |
Iris Braun
ist freie Journalistin und Autorin in Berlin.
ist freie Journalistin und Autorin in Berlin.
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Oktober 2009
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