Modesammlungen, -museen und -fachbibliotheken in Deutschland

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Der traditionelle Ort, historische Mode zu präsentieren, sind Museen für Kunst und Gewerbe oder Museen für Angewandte Kunst, heute sogenannte Designmuseen. Ihr Fokus gilt sowohl der Mode als Kulturgut und Alltagsobjekt, als auch dem Kleidmodell als Designprodukt. Ihre Ausstellungen geben dem kreativen Modeschaffen die Möglichkeit, sich vom reinen Kommerz und der Massenmode entkoppelt darzustellen und sich als ästhetisches, handwerkliches und konzeptionelles Design zu präsentieren. |
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Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Die Sammlung umfasst das Bräutigamkleid von Herzog August von Sachsen von 1548, das „Spanische Kostüm“ des Kurfürsten Moritz, die Ausstattungen der Hochzeit des Herzogs Johann Georg I. von Sachsen von 1604 sowie Zoccoli (Stelzpantoffeln) vom Anfang des 17. Jahrhunderts und Pontifikalhandschuhe aus Seiden- und Goldgarnen aus dem 16. Jahrhundert. Diese prächtigen Kleidungsstücke sind allerdings nur im Rahmen von Sonderausstellungen zu bewundern.
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Anders als Modenschauen, Shop-Eröffnungen und ähnliche Medienevents bieten Ausstellungen einen demokratischen, für jedermann zugänglichen Ort der Konzentration auf das Objekt und eine weitgehend authentische und mit narrativen Qualitäten ausgestattete, „neutrale“ Vermittlung von Form, Material, Schnitt, Verarbeitung und Konzept von Haute Couture und Designermode. Allerdings haftet allen Modeausstellungen eine Problematik an: die Präsentation von Kleidung in Abwesenheit des menschlichen Körpers. Die Abwesenheit des Körpers und damit seiner Erotik lässt Kleidung als leere Hülle zurück und die gewohnte Wahrnehmung unbefriedigt. Ein weiteres Problem von Dauerausstellungen liegt in der Fragilität von Bekleidung, die eine längerfristige Montierung auf Puppen ebenso wenig aushält wie eine „normale“ Beleuchtung, Temperaturschwankungen oder Luft- verschmutzung. Daher werden die Objekte meist in Glasvitrinen präsentiert und immer wieder ausgetauscht, um sie vor einem vorzeitigen Verschleiß zu bewahren. Außerdem müssen die Körperformen der Ausstellungspuppen an die historische Kleidung angepasst werden (und nicht umgekehrt) sowie die - meist nicht mehr erhaltene - Unterwäsche, wie Korsett oder Reifrock nachgemacht werden, um der Kleidung den notwendigen Stand zu geben. Sieht man von archäologischen Museen ab, in denen Kleidung aus der Bronze- und Eisenzeit sowie dem frühen Mittelalter ausgestellt wird, liegt jedoch der Schwerpunkt vestimentärer Sammlungen in den viel späteren Epochen des 18., 19. und 20. Jahrhunderts. Nur wenige Museen bewahren Raritäten aus dem 16. und 17. Jahrhundert auf und diese sind meist nur den Fachleuten zugänglich. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden nennen einige dieser Raritäten ihr Eigen. Textile Schätze aus Renaissance und Barock (und darüber hinaus) beherbergt auch das Bayerische Nationalmuseum in München. Nach Themen geordnet präsentieren sich historische Moden höchst anschaulich in den Dauerausstellungen im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg und im Modemuseum im Schloss Ludwigsburg, Teil der Kostüm- und Textilsammlung des Württembergischen Landesmuseums. Außergewöhnliche Sonderausstellungen zum Thema Mode bieten kontinuierlich das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg, das Museum für angewandte Kunst in Köln, das Focke Museum - Bremer Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte, das Historische Museum der Stadt Frankfurt am Main, das Badische Landesmuseum Karlsruhe und das Kunstgewerbemuseum in Berlin mit der außerordentlichen Sammlung von Wolfgang Ruf und Martin Kamer sowie aus der jüngeren deutschen Modegeschichte jene von Uli Richter. Aus einer Privatsammlung von Hilda Sandtner hervorgegangen ist das Textilmuseum Mindelheim, das sich um eine pädagogische Annäherung an Textilien und Mode bemüht. Die private Textilsammlung Max Berk gehört seit Januar 2002 zur Abteilung Kunsthandwerk des Kurpfälzischen Museums in Heidelberg-Ziegelhausen. Äußerst bedauerlich sind dagegen Schließungen wie die der Modeabteilung des Stadtmuseums Berlin mit einem Bestand von 5.000 Kleidern und ebenso vielen Accessoires - durch die Fusion mit dem Märkischen Museum Ost dokumentiert es auch die Modegeschichte der DDR lückenlos - sowie das Aus des Modemuseums des Stadtmuseums München. |
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Bayerisches Nationalmuseum München
Die Sammlung beinhaltet repräsentative textile Objekte aus bayerischem Adelsbesitz, bürgerliche Gewänder, Originaltrachten (Teil der Volkskundesammlung) sowie eine Schuh- und Fächersammlung. Ein besonders rares und sehr bewundertes Sammlungsstück ist das Kostüm eines Äffchens (wie sie an Adelshöfen nicht unüblich waren), bestehend aus Rock, Weste und Hose aus besticktem Seidenbrokat. Von besonderem Interesse sind Kostüme, die sich mit bestimmten Personen verbinden und in ihrem historischen Kontext als Dauerausstellung präsentiert werden, wie Gewänder aus der Lauinger Fürstengruft aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhundert und die Nationaltrachten von König Otto von Griechenland, Sohn Ludwigs I. von Bayern, und seiner Gemahlin Amalie aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
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Germanisches Nationalmuseum in Nürnberg
Die Sammlung des Germanischen Nationalmuseums zeichnet sich durch Raritäten insbesondere im Bereich historischer Trachten, aber auch modischer Accessoires oder Sportbekleidung aus.
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Modemuseum im Schloss Ludwigsburg
Der Schwerpunkt liegt hier vom 18. Jahrhundert bis um 1970 mit Haute Couture von Worth, Fortuny, Lanvin, Chanel, Dior und mit Designermode von Courrèges, Quant, Miyake und Yamamoto. Neben den modischen Ikonen präsentiert das Museum auch selten erhaltene Kleidung aus den Weltkriegen, die, mehrfach geflickt, aus aufgetrennten Zuckersäcken oder aus Tischdecken genäht wurde und Zeugnis schwieriger Lebensumstände ist.
Hutmuseum des Städtischen Museums Bad Homburg
Das Hutmuseum des Städtischen Museums Bad Homburg veranschaulicht die gesellschaftliche Bedeutung vom Zylinder bis zur Baseballcap, einschließlich des berühmten Homburg-Hutes.
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Themenmuseen
Dem Leder und seinen weltweiten Traditionen widmet sich das Deutsche Ledermuseum und Schuhmuseum Offenbach, Hüten das Hutmuseum des Städtischen Museums Bad Homburg.
Wesentlich sparsamer im Platzanspruch können sich Knopfmuseen präsentieren wie jenes in Bärnau (Oberpfalz) oder das Knopf & Knopf - Internationales Museum der Knöpfe in Warthausen/Oberschwaben, das besonderen Wert auf interaktive Kommunikationen mit jungen Besuchern legt. Privatmuseen
Idealismus, enormem Interesse und unerschöpflichem persönlichem Einsatz von einzelnen Privatpersonen verdanken einige wenige private Modemuseen und Archive ihre Existenz. Hervorzuheben ist das Modemuseum Schloss Meyenburg. Privatmuseen haben einen großen Vorteil, den sie durchaus nutzen sollten: ihnen ist es möglich, über den Erhalt der Artefakte hinaus der Freude am Tragen und Erleben historischer Kostüme bei Festumzügen oder Studienzwecken zu dienen. Das bedeutet, z.B. Studierenden für Bühnen- und Filmkostüm sowie Modedesign oder Kostümvereinen weniger kostbare Exemplare zur Schnittabnahme etc. zur Verfügung zu stellen, ganz im Sinne von „Hands-on History“.
Textil- und Industriemuseen
Textil- und Industriemuseen widmen sich weniger der Kleidung als vielmehr der Konservierung und Restaurierung von Flachtextilien. Führend ist darin das Deutsche Textilmuseum in Krefeld, das seine Besucherpforten allerdings nur zu Wechselausstellungen öffnet. Mit Hilfe von viel Enthusiasmus und einer hervorragenden Online-Präsentation erhofft das Bayerische Textil- und Industriemuseum in Augsburg - kurz tim genannt - einen regen Besucherandrang, wenn es Anfang 2009 eröffnet wird. Die einstige Augsburger Kammgarnspinnerei sowie die ehemalige Neue Augsburger Kattunfabrik sind Zeugnisse für eine einst boomende Industrie, die nun sowohl historisch, als auch wirtschafts-, sozial- und kulturgeschichtlich aufgearbeitet und zusammen mit modischen Ergebnissen ausgestellt wird. Ein ähnliches, bereits erfolgreiches Konzept verfolgt das Rheinische Industriemuseum, das mit wechselnden Themenausstellung zu Mode, Kleiderpflege und Schönheitsidealen in ehemaligen Textilfabriken in Ratingen und Euskirchen laufend von sich reden macht.
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Deutsches Ledermuseum und Schuhmuseum Offenbach.
Neben einer ethnologischen Abteilung sind eine Sammlung von Koffern und Taschen sowie das überaus reich bestückte Schuhmuseum mit Fußbekleidungen aus vier Jahrtausenden ein Eldorado für Accessoire-Begeisterte.
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Archive
Nicht nur durch das Kleidobjekt dokumentiert sich Mode, sondern auch durch ihre Vermarktungspraktiken und ihre Akzeptanz. Modezeichnungen, Modefotos, Modejournale und Werbung werden daher auch in Museen und in Bibliotheken archiviert. Weltweit bekannt ist die Modebibliothek der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin - die sogenannte Lipperheidesche Kostümbibliothek Die Sammlung umfasst ca. 38.000 Bücher zum Thema Mode und Bekleidung und ca. 70.000 Modegrafiken. Sie geht auf das private Interesse von Frieda und Franz von Lipperheide zurück, die diese bereits 1899 den Königlichen Museen zu Berlin stifteten. |
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Literatur zum Thema
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Auch die von Parish Kostümbibliothek in München geht auf eine private Sammeltätigkeit zurück - die der Hermine von Parish (1907-1998). Ihre einzigartige Kostümbibliothek beinhaltet Druckgraphik, Handzeichnungen und Bücher aus dem 16.-20. Jahrhundert, Zeitschriften und Fotografien vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Die von Parish Kostümbibliothek in Nymphenburg ist seit 1970 eine Abteilung des Münchner Stadtmuseums.
Infolge einer Gebührenerhebung für die Recherche hält sich die Anzahl der Benutzer in Grenzen. Mode sowohl als Designobjekt, als auch als kulturelles Vermächtnis baute in den letzten Jahren ihre Präsenz jenseits des Kommerzes stark aus. Ausschlaggebend dafür sind die verstärkte Allianz von Mode, Medien und Kunst, wodurch Museen, Sammlungen und Archive eine Bereicherung erhalten.
Dr. Ingrid Loschek (1950–2010) |
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Links zum Thema
- Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg

- Germanisches Nationalmuseum Nürnberg


- Badisches Landesmuseum (Museum beim Markt), Karlsruhe



- Staatliche Kunstsammlungen Dresden



- Bayerisches Nationalmuseum, München

- Museum für angewandte Kunst Köln

- Historisches Museum der Stadt Frankfurt am Main

- Kunstgewerbemuseum Berlin

- Textilmuseum Mindelheim

- Deutsches Ledermuseum und Schuhmuseum Offenbach

- Knopf & Knopf – Internationales Museum der Knöpfe


- Modemuseum Schloss Meyenburg

- tim - Bayerisches Textil- und Industriemuseum

- Rheinisches Industriemuseum in Ratingen

- Landesmuseum Württemberg

- Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin




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