F.C. Gundlach – Meister der Modefotografie

|
F.C. Gundlach gilt als bedeutendster Modefotograf der frühen Bundesrepublik. Er hat
Modegeschichte geschrieben und auch heute noch großen Einfluss auf die Fotografie in Deutschland: als Ausstellungsinitiator, Sammler und Förderer.
Leidenschaft für das Medium
Die Parkallee im Hamburger Stadtteil Harvestehude ist eine Wohnstraße, in der sich schmucke Villen aneinanderreihen. Dort hat die Stiftung F.C. Gundlach ihren Sitz. Von hier aus leitet F.C. Gundlach seine zahlreichen Projekte, unterstützt von mehreren Mitarbeitern. Er ist Jahrgang 1926, der wichtigste deutsche Modefotograf der 1950er- und 1960er-Jahre, und könnte sich inzwischen entspannt zurücklehnen. Doch daran denkt er nicht. „Ich lebe immer noch nach vorne, und nicht nach hinten“, sagt er. Obwohl Gundlach seit Anfang der 1990er-Jahre nicht mehr professionell fotografiert, lässt ihn die Leidenschaft für das Medium nicht los.
|
|
|
|
|
|
Beeindruckende Werkschau Sein aktuelles Großprojekt ist die Ausstellung F.C. Gundlach. Das fotografische Werk. Sie war 2008 im Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen und wird vom 20. November 2009 bis zum 14. März 2010 im Martin-Gropius-Bau in Berlin gezeigt. Vier Kuratoren haben 350 Arbeiten so zusammengestellt, dass daraus eine beeindruckende Werkschau entstanden ist, und gleichzeitig ein Überblick über die Entwicklung der Modefotografie von den 1950er- bis zu den 1980er-Jahren. „1950/51 ging ich nach Paris, das war ganz wichtig, denn Paris war damals der kulturelle Mittelpunkt der Welt“, erzählt F.C. Gundlach enthusiastisch. Seine Ausbildung hatte er an einer privaten Fotoschule gemacht, als Assistent gearbeitet, danach als Reportagefotograf. In Paris bekam er dann schnell Kontakt zum Film, machte Starporträts, und veröffentlichte diese in der damals sehr bekannten Zeitschrift Film und Frau. „Dann sagte der Chefredakteur, er würde gerne Modefotos von mir haben. Er glaubte, dass ich Mode fotografieren könnte, und damit begann meine Karriere als Modefotograf.“ Karriere als Modefotograf Die Kollektionen unterlagen äußerster Geheimhaltung. Oft durfte nur in unmittelbarer Nähe der Modehäuser fotografiert werden. Bei Außenaufnahmen verdeckten die Models die Kleider mit weißen Leinentüchern, die nur für ein paar Minuten abgenommen wurden. Es musste schnell gehen. Keine paradiesischen Bedingungen, doch F.C. Gundlach fand seine eigene Bildsprache. Er bildet Mode nicht nur ab, sondern interpretiert sie. Seine Fotografien sind voller inszenatorischer Einfälle und haben gleichzeitig eine formale Strenge im Bildaufbau. „Ein Modefoto muss den Zeitgeist widerspiegeln“ „Ende der 1950er-Jahre habe ich gespürt, dass die Zeit sich ändert, die Gesellschaft und damit auch der Stil“, erzählt er. „Ich kaufte mir eine Kleinbildkamera, was damals unüblich war, und habe damit für Nino Stoffe eine Serie gemacht“. Er stellte das Model vor die Hafenkneipe, an die Hafentreppe, und nahm die Passanten mit aufs Bild. So entstand eine auch heute noch modern wirkende Modereportage, und F.C. Gundlach, der mit Reportagen begonnen hatte, ließ diese Impulse immer wieder in seine Modefotografie einfließen. Langjährige Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Brigitte Mehr als 5.500 Modeseiten sowie 180 Titel hat F.C. Gundlach zwischen 1963 und 1986 für die Brigitte produziert. Er reiste in ihrem Auftrag nach Afrika, Südamerika und in die USA. Neben der Reportageform inspirierte ihn immer mehr die bildende Kunst, Op-Art und Pop-Art, zwei Richtungen, die er auch als Kunstsammler damals erwarb. Eine durch die Op Art beeinflusste Serie entstand 1966 in Ägypten, wo er die runden Bademützen-Köpfe der Models in Kontrast zu der klassischen architektonischen Form der dreieckigen Pyramiden setzte. Und danach gab es ernsten Krach. „Die Redakteurin rief mich an, der Chefredakteur fände die Serie zu anspruchsvoll“, erzählt er. Dann ist unsere Zusammenarbeit beendet, habe er gesagt, und den Hörer aufgelegt, erzählt Gundlach. Die Strecke erschien dann unter dem Titel Den ganzen Tag am Strand. Doch bis auf diese Auseinandersetzung erzählt F.C. Gundlach nichts Negatives über seine Auftraggeber. Kein Streit. Keine Unzufriedenheit. Er hat sich ein Leben lang als „Dienstleister“ und als Mitglied der Redaktion gesehen, und damit ein großes Werk geschaffen. Das Phänomen F.C. Gundlach Und seine Neugier ist ungebrochen, das zeigt die Liste seiner unzähligen Zeitschriftenabonnements. Gundlach war Initiator des Hamburger Fotofestivals Triennale der Photographie und ist Gründungsdirektor des Hauses der Photographie, dem er seine eigene Sammlung als Dauerleihgabe übergeben hat: Das Bild des Menschen in der Fotografie, rund 7.000 Arbeiten. F.C. Gundlachs Engagement für die Fotografie geht weit über sein eigenes Werk hinaus. Er hat auf so vielen Gebieten so viel für die deutsche Fotografie geleistet, dass selbst junge Fotografen ehrfürchtig von „F.C.“ sprechen.
Stefanie Dörre
ist Redakteurin beim Berliner Stadtmagazin „tip“. Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion August 2008 Haben Sie noch Fragen zu diesem Artikel? Schreiben Sie uns! online-redaktion@goethe.de
|



online-redaktion@goethe.de






