Modethemen in Deutschland

F.C. Gundlach – Meister der Modefotografie

'Vor den Cheopspyramiden', Karin Mossberg und Micky Zenati in Op Art-Fashion, Gizeh/Ägypten 1966, in: Brigitte 8/1966, © Stiftung F. C. Gundlach

F.C. Gundlach gilt als bedeutendster Modefotograf der frühen Bundesrepublik. Er hat Modegeschichte geschrieben und auch heute noch großen Einfluss auf die Fotografie in Deutschland: als Ausstellungsinitiator, Sammler und Förderer.
Leidenschaft für das Medium
Die Parkallee im Hamburger Stadtteil Harvestehude ist eine Wohnstraße, in der sich schmucke Villen aneinanderreihen. Dort hat die Stiftung F.C. Gundlach ihren Sitz. Von hier aus leitet F.C. Gundlach seine zahlreichen Projekte, unterstützt von mehreren Mitarbeitern. Er ist Jahrgang 1926, der wichtigste deutsche Modefotograf der 1950er- und 1960er-Jahre, und könnte sich inzwischen entspannt zurücklehnen. Doch daran denkt er nicht. „Ich lebe immer noch nach vorne, und nicht nach hinten“, sagt er. Obwohl Gundlach seit Anfang der 1990er-Jahre nicht mehr professionell fotografiert, lässt ihn die Leidenschaft für das Medium nicht los.
'Begegnung an der Hafenstraße', Modereportage für Nino, Hamburg 1958, © Stiftung F. C. Gundlach

Susanne Erichsen, Ensemble von Christian Dior, Paris 1954, in: Deutsche Illustrierte 4.9.1954, © Stiftung F. C. Gundlach

Nadja Tiller vor dem Schillertheater, Kostüm von Horn, Berlin 1953, in: Film und Frau 24/1953, © Stiftung F. C. Gundlach

'Sommer-Mode-Theater', Gitta Schilling und Christa Vogel in Entwürfen von Guy Laroche, Paris 1958, in: Stern 9/1958, © Stiftung F. C. Gundlach

Ruth Leuwerik im Atelier von Film und Frau Hamburg 1954, © Stiftung F. C. Gundlach

Simone d¹Aillencourt, Hemdblusenkleid von Horn, Berlin 1957, in: Film und Frau Modeheft F/S 1957, © Stiftung F. C. Gundlach

Buchcover 'F.C. Gundlach – Das fotografische Werk', © Stiftung F. C. Gundlach

Pop Art-Fashion, Grace Coddington, Minirock und Bluse von Missoni, Hamburg 1967, in: Brigitte 18/1967, © Stiftung F. C. Gundlach

'Op Art-Silhouette', Jerseymantel von Lend Paris 1966, in: Brigitte 4/1966, © Stiftung F. C. Gundlach

F.C. Gundlach, © Harry Schnitger

Beeindruckende Werkschau

Sein aktuelles Großprojekt ist die Ausstellung F.C. Gundlach. Das fotografische Werk. Sie war 2008 im Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen und wird vom 20. November 2009 bis zum 14. März 2010 im Martin-Gropius-Bau in Berlin gezeigt. Vier Kuratoren haben 350 Arbeiten so zusammengestellt, dass daraus eine beeindruckende Werkschau entstanden ist, und gleichzeitig ein Überblick über die Entwicklung der Modefotografie von den 1950er- bis zu den 1980er-Jahren.

„1950/51 ging ich nach Paris, das war ganz wichtig, denn Paris war damals der kulturelle Mittelpunkt der Welt“, erzählt F.C. Gundlach enthusiastisch. Seine Ausbildung hatte er an einer privaten Fotoschule gemacht, als Assistent gearbeitet, danach als Reportagefotograf. In Paris bekam er dann schnell Kontakt zum Film, machte Starporträts, und veröffentlichte diese in der damals sehr bekannten Zeitschrift Film und Frau. „Dann sagte der Chefredakteur, er würde gerne Modefotos von mir haben. Er glaubte, dass ich Mode fotografieren könnte, und damit begann meine Karriere als Modefotograf.“

Karriere als Modefotograf
Gundlach inszenierte Mode mit Filmstars wie Ruth Leuwerik und Nadja Tiller. Der Fotograf zog, wenn in Berlin die neuen Kollektionen vorgestellt wurden, für drei Wochen in ein Atelier am Kurfürstendamm. Er besuchte die Schauen in Paris – Dior, Fath. „Die Schauen liefen fast wie sakrale Handlungen ab. Keine Choreografie, keine Musik, und es durfte weder gezeichnet noch fotografiert werden.“ Überhaupt war die Welt der Modefotografie in den 1950er-Jahren eine andere. Bei den Aufnahmen gab keine Stylisten, keine Visagisten. „Das habe ich alles selber gemacht“, sagt Gundlach. Die Models waren fast immer die Hausmannequins, auf die die Modelle geschneidert waren und die diese in den Salons vorführten.

Die Kollektionen unterlagen äußerster Geheimhaltung. Oft durfte nur in unmittelbarer Nähe der Modehäuser fotografiert werden. Bei Außenaufnahmen verdeckten die Models die Kleider mit weißen Leinentüchern, die nur für ein paar Minuten abgenommen wurden. Es musste schnell gehen. Keine paradiesischen Bedingungen, doch F.C. Gundlach fand seine eigene Bildsprache. Er bildet Mode nicht nur ab, sondern interpretiert sie. Seine Fotografien sind voller inszenatorischer Einfälle und haben gleichzeitig eine formale Strenge im Bildaufbau.

„Ein Modefoto muss den Zeitgeist widerspiegeln“
„Ein Modefoto muss eine modische Information enthalten, sonst verfehlt es seinen Zweck“, das ist noch heute seine Überzeugung. Und so entwickelte F.C. Gundlach die Fotoideen von den Kleidern her. „Ein Schnitt, ein Faltenwurf konnte ein Thema für ein Bild sein“, sagt er. Durch den Ausfallschritt des Models zeigte er den Schnitt eines Rockes. Doch das ist nur ein Aspekt. „Ein Modefoto muss den Zeitgeist widerspiegeln“. Und für diesen hatte F.C. Gundlach einen untrüglichen Instinkt.

„Ende der 1950er-Jahre habe ich gespürt, dass die Zeit sich ändert, die Gesellschaft und damit auch der Stil“, erzählt er. „Ich kaufte mir eine Kleinbildkamera, was damals unüblich war, und habe damit für Nino Stoffe eine Serie gemacht“. Er stellte das Model vor die Hafenkneipe, an die Hafentreppe, und nahm die Passanten mit aufs Bild. So entstand eine auch heute noch modern wirkende Modereportage, und F.C. Gundlach, der mit Reportagen begonnen hatte, ließ diese Impulse immer wieder in seine Modefotografie einfließen.

Langjährige Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Brigitte
Waren die 1950er-Jahre das Jahrzehnt der Madame, der mondänen Kleider und der Couture, brachten die 1960er-Jahre den Wunsch nach politischer Veränderung, die Emanzipation und die prêt-à-porter-Kollektionen. Und F.C. Gundlach hatte einen neuen Hauptauftraggeber, die auflagenstarke Frauenzeitschrift Brigitte, deren Leitbild nicht die elegante Dame war, sondern die modische junge Frau, die mit beiden Beinen im Leben stand. Zusammen mit der Redakteurin Barbara Buffa traf F.C. Gundlach den Zeitgeschmack wie damals kein zweiter.

Mehr als 5.500 Modeseiten sowie 180 Titel hat F.C. Gundlach zwischen 1963 und 1986 für die Brigitte produziert. Er reiste in ihrem Auftrag nach Afrika, Südamerika und in die USA. Neben der Reportageform inspirierte ihn immer mehr die bildende Kunst, Op-Art und Pop-Art, zwei Richtungen, die er auch als Kunstsammler damals erwarb. Eine durch die Op Art beeinflusste Serie entstand 1966 in Ägypten, wo er die runden Bademützen-Köpfe der Models in Kontrast zu der klassischen architektonischen Form der dreieckigen Pyramiden setzte.

Und danach gab es ernsten Krach. „Die Redakteurin rief mich an, der Chefredakteur fände die Serie zu anspruchsvoll“, erzählt er. Dann ist unsere Zusammenarbeit beendet, habe er gesagt, und den Hörer aufgelegt, erzählt Gundlach. Die Strecke erschien dann unter dem Titel Den ganzen Tag am Strand. Doch bis auf diese Auseinandersetzung erzählt F.C. Gundlach nichts Negatives über seine Auftraggeber. Kein Streit. Keine Unzufriedenheit. Er hat sich ein Leben lang als „Dienstleister“ und als Mitglied der Redaktion gesehen, und damit ein großes Werk geschaffen.

Das Phänomen F.C. Gundlach
Doch das Phänomen F.C. Gundlach und sein Einfluss auf die deutsche Fotografie beschränkt sich nicht auf seine Bilder. Da war zum einem 1967 die Gründung eines Dienstleistungsunternehmens für Fotografen, CC, aus dem bald PPS wurde, mit Labor, Rent-Service, Mietstudios. Gundlach wollte, nach seinen Erfahrungen in New York, in Deutschland hervorragende Bedingungen für Fotografen schaffen. 1975 gründete er die PPS. Galerie, in der er als erster in Deutschland Arbeiten von Irving Penn, Richard Avedon, Robert Mapplethorpe, Nan Goldin oder Wolfgang Tillmans ausstellte. 1988 wurde er Professor an der Hochschule der Künste Berlin.
Und seine Neugier ist ungebrochen, das zeigt die Liste seiner unzähligen Zeitschriftenabonnements.
Gundlach war Initiator des Hamburger Fotofestivals Triennale der Photographie und ist Gründungsdirektor des Hauses der Photographie, dem er seine eigene Sammlung als Dauerleihgabe übergeben hat: Das Bild des Menschen in der Fotografie, rund 7.000 Arbeiten. F.C. Gundlachs Engagement für die Fotografie geht weit über sein eigenes Werk hinaus. Er hat auf so vielen Gebieten so viel für die deutsche Fotografie geleistet, dass selbst junge Fotografen ehrfürchtig von „F.C.“ sprechen.

F.C. Gundlach. Das fotografische Werk, kuratiert von Klaus Honnef und Hans-Michael Koetzle in Zusammenarbeit mit Sebastian Lux und Ulrich Rüter,
Im Steidl-Verlag ist unter gleichem Titel das begleitende Buch erschienen.



Stefanie Dörre
ist Redakteurin beim Berliner Stadtmagazin „tip“.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
August 2008

Haben Sie noch Fragen zu diesem Artikel? Schreiben Sie uns!
online-redaktion@goethe.de
Links zum Thema

Mode aus Deutschland

Designtrends in Deutschland

Artikel zu aktuellen Entwicklungen in der deutschen Designszene, Porträts, Projekte, Links.

Junge deutsche Modefotografen

Markus Ebner, Chefredakteur des Modemagazins Achtung, stellt zehn junge Fotografen und Fotografinnen vor.