Modethemen in Deutschland

Facettenreich: Modestadt München

Kollektion  Rena Lange, © Rena Lange

Kollektion  Rena Lange, © Rena Lange

Mode hat in München einen hohen Stellenwert. Unzählige Läden bieten in gepflegtem Ambiente ein breites Spektrum von international gefragten Luxusmarken bis zu individueller ArtCouture. Designateliers, Messen, Modeschulen und Moderedaktionen mit Sitz vor Ort tragen zum Ruf als Modestadt bei.

Die Maximilianstraße mit ihren historischen Bauten und die Umgebung der von den Schweizer Stararchitekten Herzog&de Meuron entworfenen Fünf Höfe haben sich als wahre Luxusmeile etabliert. Einkaufen hat hier den Mehrwert von sehen und gesehen werden. Hier flanieren sowohl internationale Gäste, als auch das Publikum, das als Münchner Schickeria durch die einstige TV-Kultserien Monaco Franze (1982) und Kir Royal (1986) zu einem Begriff geworden ist.

Die Schickeria (von italienisch „sciccheria“ für Schick und Eleganz) ist eine ironische Bezeichnung für das Szenepublikum, das sich durch die Anwesenheit bei Insider Partys and Events definiert und Gegenstand des Boulevardjournalismus ist.

Rund um das Bayerische Nationaltheater ist die gesamte Bandbreite internationaler Luxusmarken von A wie Armani, über Chanel, Dior, Hermès, Prada und Vuitton bis zu Z wie Zegna zu finden. Auch die deutschen Global Players wie Bogner, Boss, Escada, Oska, Jil Sander und Strenesse sind mit repräsentativen Geschäften vertreten. Dagegen bieten Geschäfte wie Maendler, Theresa, Pool, Klamotte oder Serie A betont Modisches für all jene, die Gewagtes suchen und nicht Label fixiert sind.

Die betuchte Münchner Oberschicht, konservativ und dennoch der Mode verpflichtet, kauft bei Loden-Frey. Das Haus weist eine über hundertjährige Tradition als Lodenhersteller und Tuchmacher auf. Das Angebot des einen ganzen Gebäudekomplex umfassenden, mehrstöckigen Modehauses verbindet das Klassische und Gediegene mit betont modischen Labels wie Etro, Kenzo und Moschino. Vor allem aber findet man hier das größte Angebot an edler Trachtenmode.
Kollektion Susanne Wiebe, © Susanne Wiebe/Foto: Uli Mayer

Kollektion Susanne Wiebe, © Susanne Wiebe/Foto: Uli Mayer

Kleiderrausch am 11. März 2004 im Salon Erna (München), © Kleiderrausch/Foto: Thorsten Jochim

Maffeihof in München. In der bayerischen Landeshauptstadt wurden fünf Höfe als Einkaufstempel eröffnet. Der Komplex im italienischen Baustil beherbergt Restaurants, Geschäfte und Büros, © picture-alliance / dpa/Foto: Jens Wolf

Individiuelles Design und Flair
Die Münchner Innenstadt bietet die in deutschen Großstädten üblichen Kaufhäuser, Sportgeschäfte, Modeketten und Billigläden, die sich auf die Fußgängerzone der Neuhauser- und Kaufingerstraße konzentrieren. Das Nebeneinander von Luxusgeschäften und Billigläden ist für eine europäische Großstadt nicht ungewöhnlich. Zudem hat sich in München ein neues Bewusstsein für Individualität entwickelt. Zahlreiche Geschäfte bieten eine Mischung aus Designermode, ausgesuchten Interieur- und Lifestyle-Produkten sowie Mode- und Kunstbüchern. Hinzu kommen Boutiquen mit eigenen Labels. Sie liegen großteils in den Stadtteilen Lehel und Schwabing sowie im so genannten Gärtnerplatzviertel. Besonders im Viertel rund um das Gärtnerplatztheater, das als „italienisches Dorf“ bezeichnet wird, tut sich in punkto Mode viel. Hier führen Läden wie Lebensart R. Wittgenstein, Ostertag + Rogy, Wandelbar und Slips Modelle japanischer und belgischer Avantgarde-Designer, Wickelkleider der wieder entdeckten Diane von Fürstenberg ebenso wie Kollektionen der deutschen Newcomer Michael Michalsky und LaLaBerlin. Susanne Bommer, deren Stil zwischen Edel-Grunge und Dekonstruktivismus angesiedelt ist, hat hier ihr zweites Geschäft eröffnet. In Schwabing entwickeln sich immer wieder neue Geschäfte zu Insider-Tips wie Off & Co mit Designerwear von Dries van Noten, Stella McCartney, D’squared2, Nina Ricci und Lanvin. In der Belgradstraße gegenüber findet man Hanf & Schokolade (spezialisiert auf Kleidung aus schadstofffreien Hanf Made in Germany).

Obwohl sich München nicht in erster Linie über die Mode in ihrer gestalterischen und kulturellen Dimension definiert, wie etwa Paris oder Antwerpen, sind doch individuelles Design und hochwertiges Kunsthandwerk gefragt. Modische Unikate, Accessoires und Schmuck bieten unter anderem das stilvolle Geschäft des Bayerischen Kunstgewerbe-Verein und die Galerie Artefakt, außergewöhnliche Hutkreationen Eisenblätter und Triska oder Ina Böckler, Maßschuhe Eduard Meier, Designerbrillen Freudenhaus Optik oder internationale Modemagazine Soda. Dank ihrer Klientel – darunter deutsche Filmstars und prominente Damen - haben sich Gabriele Blachnik und Natascha Müllerschön einen Namen gemacht. Die Anzahl freischaffender Designer von internationalem Rang ist allerdings mit Talbot Runhof, Rena Lange und Susanne Wiebe eher bescheiden. Das Label Rena Lange steht für zurückhaltende, elegante Tageskleidung, während Event Couture für den Abend die Stärke von Talbot Runhof und Susanne Wiebe sind.
Kollektion ‚croisière’ 2008, © Talbot Runhof

Kollektion ‚croisière’ 2008, © Talbot Runhof

Kollektion  Rena Lange, © Rena Lange

ispo sport&style 07, © Messe München

Maximilianstraße in München, © picture-alliance/ dpa/Foto: Andreas Gebert

Literatur zum Thema
Letz, Sabine; Staltmaier, Gregor; Bullinger, Christian: Trends und Liefestyle in München und Umgebung. Besonderheiten einer Großstadt. Neuer Umschau buchverlag, Neustadt an der Weinstraße, 2007
Messen und mehr
Neben Modegeschäften und Designateliers prägen auch Messen und Orderzentren den Ruf von München als Modestadt. Im August 2007 eröffnete die Fashion Mall Munich ihr Angebot gepflegter Showrooms, neben dem Fashion Atrium, Lodenfrey-Park und der Sturm Plaza.

Das M,O,C mit Messen, wie Premium, munichfashion.men, sowie die der Avantgarde gewidmete Infashion und die gut etablierte Bekleidungsstoffmesse munich fabric start, aber vor allem die ISPO (Internationale Fachmesse für Sportartikel und Sportmode) sind Fixpunkte all jener, deren Profession die Mode ist. Allerdings trauert man immer noch der renommierten Münchner Modewoche nach, die 1996 abgeschafft wurde.
Mode beschränkt sich in München nicht auf Marketing und Konsum. Auch in den Bereichen Ausbildung und Printmedien ist die Stadt stark. Drei namhafte Ausbildungsstätten – die Deutsche Meisterschule für Mode, ESMOD und die AMD Akademie Modedesign - bilden junge Interessierte vieler Nationen aus.
Darüber hinaus ist München Sitz der Redaktionen so bekannter Modezeitschriften wie Vogue Deutschland, GQ, Madame, Burda Modemagazin, Freundin und Elle.

Und München wäre nicht München, gäbe es hier nicht auch Kurioses: Anton Kammerl organisiert regelmäßig die sehr beliebte Veranstaltung KleiderRausch im Salon Erna in der Friedenstraße. Hier kann man gegen Voranmeldung seine eigene Mode auf dem Laufsteg vorführen, tauschen oder gegen ein Höchstgebot versteigern.

Gleichzeitig werden auch Modelle junger Designer vorgeführt, wie die Bikini Kollektion des Münchner Labels Isarstrand oder eine dem Ripsband gewidmete Modenschau der jungen Textildesigner Prisca Homburger und Esther Amuser.

In seinem Facettenreichtum ist München ein außergewöhnlicher Standort für Mode. Metropolis, eine International Fashion Night Munich, organisiert von Susanne Wiebe und Hans M. Bachmayer, unterstreicht dies höchst medienwirksam.
Dr. Ingrid Loschek (1950–2010)
Wahlmünchnerin und Professorin für Modegeschichte und Modetheorie an der Hochschule für Gestaltung in Pforzheim und Autorin zahlreicher Modefachbücher.
www.loschek.de
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September 2007

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