Filmnachwuchs und Ausbildung in Deutschland

Auf die Zukunft gerichtet

Filmhochschulen in Deutschland

Was die Vielfalt der Ausbildungsmöglichkeiten für Filmschaffende betrifft, liegt Deutschland an der Spitze Europas.

Was mit wenigen Filmhochschulen in den 60-er Jahren begann, entwickelte sich vor allem in den 90-ern zu einem imposanten Angebot. Auslöser war die wachsende Zahl an privaten TV-Sendern, die zunehmend nach gut ausgebildetem Nachwuchs verlangten.

In Deutschland gibt es, rechnet man die Spezialstudiengänge an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen ein, mindestens 14 Ausbildungsstätten für den Bereich Film. Das ist in Europa, vielleicht sogar in der Welt eine einzigartige Situation.“ So Susann Schimk, die sich als Absolventin der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg mit der Ausbildungslandschaft in Deutschland befasste. Durch die Vielzahl der Filmschulen, stellt die heutige Berliner Produzentin (Credo Film) fest, sei der traditionelle Ausbildungsweg, das „learning by doing nicht nur ergänzt, sondern nahezu abgelöst worden“.

Qualifikation auf die unterschiedlichste Weise

Für Susann Schimk ist diese Fülle von Ausbildungsmöglichkeiten, unter denen künftige Filmschaffende wählen können, schlicht „luxuriös“. Das sei jedoch „nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ“ der Fall, sagt Andrea Hohnen, die seit sechs Jahren die Abschlussfilme von Absolventen der Filmstudiengänge sichtet und die Verleihung des von den Produzenten Bernd Eichinger (Constantin Film) und Nico Hofmann (teamWorx) initiierten Nachwuchspreis First Steps organisiert. Durch das breit gefächerte Angebot haben junge Leute die Wahl, sich auf die unterschiedlichste Weise für den Film zu qualifizieren. Ob sie individuell arbeiten wollen wie z.B. in Berlin, einen Schwerpunkt auf das Handwerk legen wie in Hamburg oder während ihres Studiums die Durchlässigkeit zu anderen Künsten sucht, wie das in Köln zu finden ist - alles sei möglich. „Jede Schule hat ihr eigenes Profil“.

Sechs Filmhochschulen

Sechs Filmhochschulen gibt es zurzeit in Deutschland. Darüber hinaus haben sich spezielle Studiengänge an Universitäten Kunst- und Fachhochschulen in Fachbereichen wie Gestaltung, Visuelle Kommunikation oder Medien-Design im ganzen Land etabliert.

Die älteste und bis heute größte Filmschule ist die 1954 als „Deutsche Hochschule für Filmkunst“ gegründete Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf (HFFB) in Potsdam-Babelsberg. Bis zum Fall der Mauer deckte sie den Bedarf an Filmnachwuchs in der gesamten DDR. Heute hat sie ihren Standort inmitten der Medienlandschaft auf dem Gelände der legendären Studios Babelsberg, in denen schon Fritz Murnau drehte, und bildet ca. 580 Studierende aus dem In- und Ausland in zwölf Fachbereichen aus.

1966 wurde in West-Berlin die Deutsche Film- und Fernsehakademie (dffb) gegründet. Die Schmiede des Autorenfilms, an der u.v.a. auch Regisseur Wolfgang Petersen (Das Boot) studierte, legt ihren Schwerpunkt auf die Bereiche Regie, Kamera und Produktion. Mit ihren rund 120 Studenten aus 30 Ländern residiert die dffb mitten im jährlichen Berlinale-Campus am Potsdamer Platz.

1967 nahm die Hochschule für Fernsehen und Film München (HFFM) ihren Studienbetrieb auf. Sie bietet ihren derzeit ca. 200 Studenten die Studiengänge Film und Fernsehspiel, Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik sowie Produktion und Medienwirtschaft an. Daneben gibt es Schwerpunkte zu Kamera und Drehbuch.

Erst Ende der 80-er Jahre entstand auf Initiative des Regisseurs Hark Bohm der zweijährige Filmstudiengang, mittlerweile an der Hamburg Media School, dessen Konzept sich u.a. an Vorbildern in Frankreich, Großbritannien und den USA orientiert. Seit Oktober 2005 leitet die Hamburger Produzentin Katharina Trebitsch das Filmstudium. Das Filmstudium umfasst vier Schwerpunktbereiche: Drehbuch/Dramaturgie, Kamera/ Bildgestaltung, Regie und Produktion. Pro Fach gibt es sechs Studienplätze.

1990 nahm die Kunsthochschule für Medien in Köln ihre Arbeit auf, an der die zurzeit 200 Studenten im Hinblick auf ihre spätere Spezialisierung Fächergruppen wählen und kombinieren können. Zwei Jahre später folgte die Filmakademie Baden-Württemberg (FA) in Ludwigsburg, die besonderen Wert auf Praxisnähe legt.

Studienanforderungen

Die Studiendauer an den Filmhochschulen beträgt – außer in Hamburg - acht Semester, die zumeist ein gemeinsames Grundstudium und eine spätere Spezialisierung auf einzelne Bereiche wie u.v.a. Kamera, Regie, Produktion, Dramaturgie oder Drehbuch beinhalten. Doch so vielfältig wie die Angebote auch sind, die Hürden für die Aufnahme eines Studiums liegen hoch. In der Regel ist eine Aufnahmeprüfung zu absolvieren. Aber weit schwerer wiegt die große Anzahl der Interessenten. „Auf ca. 20 Studienplätze kommen nicht selten bis zu 700 Bewerber“, so Andrea Hohnen, „und dieses Verhältnis ist auf viele Schulen übertragbar."

„Filmausbildung prägt die Kultur eines Landes“

Etliche Ausbildungsplätze im Filmbereich entstanden in Folge des Booms, den die Zunahme von privaten TV Sendern und die Platzierung neuer Medienstandorte wie in Nordrhein-Westfalen oder Baden-Württemberg in den 90er Jahren auslöste. Auch wenn die Medienbranche zurzeit eine Krise beklagt, sollte man „dankbar sein“ für die Fülle der heutigen Ausbildungsmöglichkeiten, sagt Andrea Hohnen. Das lasse Entscheidungen zu, welchen Weg man als künftiger Filmschaffender beschreiten will. „Ob die jungen Leute nun individuell oder kommerziell arbeiten, Kino-, TV- oder Werbefilm machen wollen, alles ist gerechtfertigt“, erklärt sie. Grundsätzlich habe „die Filmausbildung auch die Funktion, die Kultur eines Landes zu prägen. Und damit ist Filmausbildung etwas, was in die Zukunft gerichtet ist.“
Sabine Pahlke-Grygier
ist freie Journalistin und Autorin. Sie schreibt u.a. für Tageszeitungen und Stadtmagazine

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aktualisiert Februar 2007

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