Festivals und Preise

Einmal im Jahr Hoffen und Bangen am
Potsdamer Platz. Wenige Monate, bevor hier die Internationalen Berliner
Filmfestspiele beginnen, bildet der Berlinale Palast den festlichen Rahmen für
den Nachwuchs in der Filmwirtschaft.
Dann fiebern hier die Absolventen der Filmstudiengänge aus der ganzen Bundesrepublik dem First Steps Award entgegen. Die Auszeichnung für Abschlussfilme ist mit insgesamt 72.000 Euro dotiert und wird von drei prominent besetzten Jurys in fünf Kategorien, darunter abendfüllender Spielfilm, Dokumentar-, Kurz-, und Werbefilm vergeben. Auf der anschließenden Party feiern Preisträger und Nominierte mit bekannten Größen aus allen Bereichen des deutschen Filmgeschäfts und haben die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen.
Seit sechs Jahren gibt es diesen Preis. Initiiert haben ihn die Produzenten Bernd Eichinger (Constantin Film) und Nico Hofmann (teamWorxs). Zusammen mit Stefan Aust (Spiegel TV), dem Privatsender Sat 1 und der Firma Mercedes Benz schufen sie damit eine öffentlichkeitswirksame Plattform für den Nachwuchs, die sich, so Eichinger, als ein Highlight im Filmkalender etabliert hat. “Wir versuchen, die 1000 entscheidenden Leute aus der Branche und die besten deutschsprachigen Nachwuchsfilmer zusammenbringen”, so Nico Hofmann zur Süddeutschen Zeitung. “In den Tagen nach First Steps haben wir bei teamWorx regelmäßig zwischen 300 und 400 Anrufe, weil sich Redakteure und Produzenten bundesweit Kassetten der Preisträger, der Nominierten und auch sämtlicher Hochschulabschlussfilme zuschicken lassen.”
Eine Initiative mit Erfolg. Denn viele Preisträger wie Nominierte haben sich gut etablieren können. Stefan Krohmer z.B., dessen erstes abendfüllendes Fernsehspiel Ende der Saison vier Grimme Preise in Gold erhielt. Mehr als 20 Festivaleinsätze und fast ebenso viele Preise gab es für Sven Taddikens Mein Bruder der Vampir. Neco Celics Debütfilm Alltag wurde von der New York Times als die Entdeckung eines der aufregendsten deutschen Regietalente gefeiert, Achim von Borries und Hendrik Handloegten arbeiteten u.a. am Drehbuch von Good Bye, Lenin! mit. Der Hauptdarsteller des Films, Daniel Brühl, wurde durch den im Jahr 2000 prämierten Spielfilm von Hans Weingartner, Das weiße Rauschen, entdeckt.
Während der First Steps Award das ganze Spektrum der Abschlussproduktionen berücksichtigt und die Preise projektungebunden vergeben werden, widmen sich andere speziellen Kategorien und Berufsbereichen oder sind mit Auflagen verbunden. So wird der Studio Hamburg Nachwuchspreis für Spielfilme in den Kategorien Regie, verfilmtes Drehbuch und Produktion im Rahmen des Filmfestes in Hamburg vergeben. Den Förderpreis bester Absolventenfilm verleiht die Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Babelsberg zusammen mit der Gesellschaft zur Wahrnehmung von Film- und Fernsehrechten und dem TV-Sender Radio Berlin Brandenburg für Spiel- und Dokumentarfilme. Künstlerische Einzelleistungen, auch des Nachwuchses, werden beim Bayerischen Filmpreis berücksichtigt. Weitere Preise wenden sich an spezielle Berufsgruppen. So wird der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Kurzfilmpreis an angehende Produzenten und Regisseure für kinogeeignete Kurzfilme verliehen. Junge Kamerafrauen werden durch den femme totale - Kamerapreis unterstützt, das beste unverfilmte Drehbuch eines Absolventen durch den Boje Buck Drehbuchpreis ausgezeichnet und das Gerd Ruge Projektstipendium an Nachwuchs-Dokumentarfilmer vergeben - um nur einige zu nennen.
Neben den Preisverleihungen bieten eine Fülle von Festivals Gelegenheit, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Das reicht von der Duisburger Filmwoche für Dokumentarfilme über das Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm bis hin zu den weltweit renommierten Internationalen Kurzfilmtagen in Oberhausen.
Die wichtigsten Schauen für deutschsprachige Nachwuchsfilme sind allerdings das Filmfestival Max Ophüls in Saarbrücken und die Internationalen Hofer Filmtage. Während in Saarbrücken erste und zweite Spiel- und Kurzfilme sowie seit 2004 auch Dokumentationen im Wettbewerb laufen, werden beim ältesten Forum für neue deutsche Spiel- und Kurzfilme nur Uraufführungen gezeigt. Daneben präsentieren die SehSüchte der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam Babelsberg den internationalen Studentenfilm aller Genres und Längen. Und auch das traditionsreiche Internationale Festival der Filmhochschulen in München blüht wieder auf, nachdem es nicht mehr gemeinsam mit den Münchener Filmwochen stattfindet.
Selbst auf der Berlinale hat der Nachwuchs seinen Platz. Vor allem in der vor sechs Jahren eingerichteten und vom Publikum begeistert aufgenommenen Sektion Perspektive deutsches Kino. Der Förderung des Nachwuchses hat sich das deutsche A-Festival aber auch auf internationaler Ebene verschrieben. Mit dem Talent Campus, der - 2003 mit großem Erfolg eingerichtet - zur Berlinale künftige Filmschaffende aus aller Welt zusammenbringt.
ist freie Journalistin und Autorin. Sie schreibt u.a. für Tageszeitungen und Stadtmagazine
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aktualisiert Februar 2007








