Das Grundgesetz als Film: „Anstiftung zur Demokratie“
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Geschichte eines Abends |
Der daraus entstehende Episodenfilm soll die Grundrechte, die 1949 den Grundstein für ein demokratisches Deutschland bildeten, wieder ins öffentliche Bewusstsein rücken.
Thüringen, März 2006, Eiseskälte. Ein Autounfall auf einer Landstraße nahe Weimar. Der junge Clemens ist schwer verletzt. Seine Freundin will ihm helfen. Aber sie muss entscheiden, bleibt sie bei ihm oder soll sie sich verstecken, um einer Kontrolle durch die Polizei zu entgehen. Auréli, die aus dem Kongo stammt, lebt illegal in Deutschland.
Am Set stehen Idealisten
Die Geschichte eines Abends ist eine Liebesgeschichte. Aber sie thematisiert den Artikel 16 des deutschen Grundgesetzes, das Recht auf Asyl. In Szene gesetzt hat den Film Nachwuchsregisseur Axel Bold, Absolvent der Filmakademie in Ludwigsburg. Für das Team, inklusive Stunt-Crew etwa 40 Leute stark, trommelte Produktionsleiter Volkmar Leweck viele Kollegen aus alten Tagen zusammen. Am Set standen Idealisten. Wie alle am GG 19 Projekt beteiligten arbeiteten sie „auf Rückstellung“, was heißt, Geld gibt es erst, wenn der Film im Kino etwas einbringt. Seit Sommer 2005 entstanden so die Episoden, die sich heute zu einem 120minütigen Kinofilm zusammenfügen
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AdrenalinFlash |
Finanzieller und personeller Kraftakt
Die Produktion war ein Kraftakt. Etwa 1500 Menschen waren daran beteiligt. Darunter viele namhafte Darsteller wie Maria Schrader (Rosenstraße), Anna Thalbach (Der Untergang), Suzanne von Borsody (Lola rennt), Michael Gwisdek (Good bye, Lenin!) oder Jürgen Vogel (Rosenstraße). Regisseur und Bundesfilmpreisträger Dani Levy (Alles auf Zucker) stand den Regisseuren als Mentor zur Verfügung. An ideeller Unterstützung mangelte es nicht – Justizministerin Brigitte Zypries übernahm sogar eine Gastrolle – aber das Geld war knapp. Etwa acht Millionen Euro wären für die Realisierung des Films nötig, summiert Produzent Harald Siebler, der das Projekt seit Jahren plante und vorantrieb. Zusammenbekommen hat er gerade mal 1,9 Millionen.
Die Filmförderer in den Bundesländern befürchteten einen zu geringen Erfolg an den Kinokassen. So wurden die Städte zu Partnern, die das Projekt je nach Möglichkeit, finanziell oder organisatorisch unterstützen. Mit 100 Euro konnten sich auch Einzelpersonen beteiligen und sich damit einen Premierenplatz sichern. Das Projekt sei „schon Wahnsinn“, sagt Regisseur Axel Bold. Er ließ sich durch die Drehbücher, die eine Jury aus über 480 Vorschlägen ausgewählt hatte, davon überzeugen, mitzumachen. Das sei „kein Lehr- und Bildungsfilm“, sagt er, „das sind Geschichten über Menschen in Deutschland.“ Letztlich habe ihn auch Produzent Harald Siebler „mitgerissen. Es gibt eben Leute, die brennen für ein Projekt.“
Wer keine Ahnung hat, hat auch keine Meinung
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Kindersicherung |
„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ (Artikel 1), „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit“ (Artikel 2), „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“ (Artikel 3) - das Grundgesetz, das am 23.Mai 1949 beschlossen wurde, liest sich für viele heute wie das Pamphlet einiger Idealisten. Aber das Werk, das Presse- und Religionsfreiheit, das Versammlungsrecht oder das Postgeheimnis garantiert, ist reales Gesetz. Der Film zum Grundgesetz soll das wieder ins Bewusstsein rufen und, so hofft der Initiator, mit seinem Kinostart eine breite Diskussion auslösen.
Warum es nur Episoden zu 19 Grundrechten gibt, wird Harald Siebler manchmal gefragt. Was ist mit Artikel 20? Den Produzenten freut die Frage, beweist sie doch, dass da noch Menschen sind, die wissen, dass es einen Artikel 20 gibt. „Alle Gewalt geht vom Volke aus“, heißt es da. „Dieser Satz steht eigentlich über dem ganzen Projekt“, sagt Siebler – und er könnte umgesetzt werden, soweit eine „Anstiftung zur Demokratie“ überhaupt durch einen Film funktionieren kann.
| GG 19: 19 Grundrechte - 19 gute Gründe für die Demokratie. Das Buch zum Film; hg. von Harald Siebler. Gerstenberg Verlag, Hildesheim, 2007, ISBN 9 783806 751505 |
ist freie Journalistin und Autorin. Sie schreibt u.a. für Tageszeitungen und Stadtmagazine
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Mai 2007












