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„Festiwelt Berlin“ – die Berlinale ist nicht das einzige Filmfestival in Berlin

Logo; © Festiwelt-BerlinLogo; © Festiwelt-BerlinNeben der Berlinale geben in der deutschen Hauptstadt jährlich rund vier Dutzend kleinere Filmfestivals Einblick in das Filmschaffen rund um den Globus. Damit Cineasten nichts verpassen, sorgt jetzt ein Netzwerk für Orientierung.

Berlin ist eine Stadt der Filmenthusiasten. Das zeigt sich den aus aller Welt anreisenden Vertretern der Filmbranche in jedem Februar, wenn traditionell die Internationalen Filmfestspiele stattfinden und sich vor den Festivalkinos dicke Menschentrauben bilden. Keines der anderen A-Festivals wie in Cannes oder Venedig ist ein derartiger Publikumsmagnet, nirgendwo sonst wird so um die begehrten Kinokarten gerungen.

Doch die Lust auf Film hört nach den zehn anstrengenden Filmtagen bei der Berlinale nicht einfach auf. Und so sind es nicht nur die Kinos mit Blockbusterangebot oder Arthousefilmen, die auch danach ihr Publikum vor die Leinwände locken. In Berlin hat sich eine rege Festivalszene etabliert, die zu unterschiedlichsten Filmreihen einlädt, die entweder spezielle Themen beleuchten und/oder intensiven Einblick in das Filmschaffen verschiedener Länder geben.

Rund 50 Filmfestivals in Berlin

Logo des Festivals des Baltischen Films; © Baltic Film Festival Etwa 50 solcher kleineren und größeren Festivals finden übers Jahr in Berlin statt. Und sie alle nehmen ihre Besucher mit auf spannende Entdeckungsreisen. So präsentiert „Britspotting“ alljährlich eine Werkschau des britischen und irischen Kinos, das „Baltic Film Festival“, Produktionen aus Estland, Lettland und Litauen und „Cinebrasil“ widmet sich dem brasilianischen Film. Weitere Filmreihen befassen sich mit dem französischen, russischen, polnischen, türkischen, jüdischen oder asiatischen Filmschaffen. In „Unknown Pleasures“ geht es um Experimentelles im unabhängigen amerikanischen Kino, bei der „Transmediale“ um zeitgenössische Kunst und digitale Kultur, beim „Festival des gescheiterten Films“ um solche, die bisher unbemerkt blieben und keinen Weg in die Öffentlichkeit fanden.

Das traditionsreiche internationale Studentenfestival „Sehsüchte“ findet 2010 schon zum 39. Mal statt. Das interkulturelle und interdisziplinäre Film- und Videofestival „Black International Cinema“ rüstet sich in diesem Jahr zu seiner 24. Auflage. Gerade mal seit sechs Jahren gibt es „Achtung Berlin“. Dennoch hat sich das Festival, das sich vor allem mit dem kreativen Filmschaffen aus der Hauptstadtregion befasst, innerhalb der kurzen Zeit seines Bestehens bereits zu einem der größten in Berlin gemausert.

Übersichtlicher Jahreskalender für Cineasten

Plakat des Studentenfilmfestivals „Sehsüchte“; © Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“Sich bei dieser Fülle von Festivalangeboten in der Stadt noch zurechtzufinden, fällt selbst begeisterten Cineasten schwer. Julien Lamy vom „Bureau du Cinéma“ der französischen Botschaft, der auch die Französische Filmwoche organisiert und Anna Leonenko, seit Jahren für die Pressearbeit der Russischen Filmwoche zuständig, ergriffen deshalb die Initiative, das inzwischen recht unübersichtliche Biotop der Berliner Filmfestivals etwas zu ordnen. Sie regten ein Netzwerk an, zu dem bereits zwanzig der Festivals beitraten.

Inhaltlich soll ihre Unabhängigkeit gewahrt bleiben, aber zum Beispiel in Hinsicht auf Werbung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit oder das Gewinnen von Sponsoren ist mehr Kooperation durchaus profitabel. Das gilt besonders für die kleineren Festivals, die in der Regel mit geringem Budget auskommen müssen und deren Organisation vor allem auf ehrenamtliches Engagement angewiesen ist. Um den Besuch von mehreren Filmreihen attraktiver zu machen, wurde bereits darüber nachgedacht, eine Art „Festivalpass“, zu entwickeln, der es Interessenten ermöglicht, zum ermäßigten Eintritt im Kinosessel Platz zu nehmen.

Auch wenn sich längst noch nicht alle Festivals dem Netzwerk angeschlossen haben, profitieren Cineasten schon jetzt von der Initiative. Denn Julien Lamy sorgte auf den Internetseiten von CineClic.de, dem Portal für französische Filme in Deutschland, bereits für einen vollständigen Jahreskalender der Berliner Filmfestivals. Neben Datum, aktuellem Plakat und kurzer Beschreibung der Inhalte und Ziele der jeweiligen Filmreihe finden sich hier auch die Adressen der Kinos, in denen die Filme zu sehen sind. Darüber hinaus offeriert das Netzwerk noch ein ganz besonderes Angebot für all jene, die Sorge haben, das nächste Festival zu verpassen: Mit dem Abonnement des „Festiwelt-Alarmservice“ kann man sich drei Tage vor Beginn per Mail an den Start erinnern lassen.

„The world is here – just watch it!“

Logo des Festivals „Contravision“; © Contravision

„The world is here – just watch it!“, lautet die Aufforderung von „Festiwelt Berlin”, „die Welt zu bereisen und zu entdecken, ohne die Stadt verlassen zu müssen“. In der Tat, in Berlin genügt die Fahrt mit dem Rad oder der U-Bahn bis zum nächsten Kinosaal. Dank Julien Lamy und seiner Übersicht, ist der Weg zu den Schauplätzen der Welt bereits sehr viel kürzer geworden.

Sabine Pahlke-Grygier
arbeitet als Journalistin und Autorin. Im August 2009 erschien nach „Kinohits für Kids – die schönsten Kinderfilme auf DVD“ (2008), im Henschel Verlag ihr „Handbuch Synchronisation – von der Übersetzung bis zum fertigen Film“.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Januar 2010

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