Ausgewählte Festivals und Preise in Deutschland

Max-Ophüls-Preis – seit 33 Jahren Treffpunkt für die junge deutschsprachige Filmszene

Max Ophüls Preis 2012, Plakat, © MOPMax-Ophüls-Preis 2012, Logo; © MOP



Einmal im Jahr, Ende Januar, dreht sich in Saarbrücken alles um den deutschsprachigen Filmnachwuchs. Denn dann wird dort der begehrte Max-Ophüls-Preis vergeben. Auf dem traditionsreichen Filmfestival machten schon Regiegrößen wie Dani Levy, Christian Petzold oder Andreas Dresen ihre ersten Schritte. Obwohl die größte Filmschau des Branchennachwuchses in Deutschland in diesem Jahr schon ihren 33. Geburtstag feiern konnte, verzeichnet sie alljährlich neue Besucherrekorde. Ein Gespräch mit Philipp Bräuer, der das Filmfest zusammen mit seiner Kollegin Gabriella Bandel leitet, über den Jahrgang 2012.

Herr Bräuer, mit 42.000 Festivalbesuchern gab es auch in diesem Jahr einen neuen Besucherrekord. Was macht dieses Festival für Nachwuchs, Branche und Cineasten so interessant?

Max-Ophüls-Preis 2012, Plakat, © MOPIch habe den Eindruck, dass sich der junge, deutschsprachige Film enorm entwickelt hat und sehr attraktiv geworden ist. Aber es ist auch die Tatsache, dass es für den Filmnachwuchs in Saarbrücken die Möglichkeit gibt, viele interessante Leute zu treffen. Wir haben daran gearbeitet, das Profil des Festivals noch zu schärfen und so gibt es verschiedene Branchenangebote, die ganz auf die junge Filmszene und ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Wir versuchen, möglichst viele Entscheidungsträger der Branche nach Saarbrücken zu holen, mit denen sich die junge Szene austauschen kann, und der Zuspruch ist sehr gut. Aber auch vom Publikum bekommen wir tolle Resonanz. Die Atmosphäre auf dem Fest stimmt einfach – und deshalb kommen die Teilnehmer auch wieder, ob mit oder ohne Film.

Der Nachwuchs hat also auch über das Filmfest hinaus großes Interesse daran, weiterzuverfolgen, was die Kollegen machen?

Absolut. Und natürlich daran, ins Gespräch mit Redakteuren, Verleihern und Produzenten zu kommen, um sich zu orientieren und am Puls der Branche und der Zeit zu sein. Da ist das Festival eine ganz wichtige Kontaktbörse, weil es sonst eigentlich keinen Ort gibt, an dem sich in vier, fünf Tagen so viele junge Filmemacher an einem Ort treffen und sich austauschen können.

Trailer und Interview zum Siegerfilm 2012 „Michael“ von Markus Schleinzer

Gut recherchierte Geschichten

In Saarbrücken zeigt sich immer wieder, dass jeder Jahrgang so eine Art Seismograf ist für die derzeitige Stimmungslage der jungen Filmemacher. 2011 beschäftigte viele das Thema „Heimatlosigkeit“, was trieb die junge Szene in 2012 thematisch um?

Die beiden Leiter des Festivals: Gabriella Bandel und Philipp Bräuer; © Sebastian Woithe.Insgesamt ging es stark um gesellschaftliche Themen, und nach wie vor um Familie und um die Brüchigkeit von sozialen Beziehungen. Migration ist auch noch ein starkes Thema, ebenso wie Jugendgewalt. Ein neues Thema, dem einige Spiel- und Dokumentarfilme zuzuordnen sind, befasst sich mit der Notwendigkeit des individuellen, gesellschaftlichen Engagements. Das ist eine ganz neue Facette, die in der Form in den letzten Jahren nicht präsent war. Wir hatten da unter anderem den Film Crashkurs, in dem ein Rentnerehepaar während der Weltwirtschaftskrise Geld verliert und dann auf die Barrikaden geht. Das steht so paradigmatisch für den Jahrgang oder für eine Facette dieser Thematik des persönlichen Engagements – und des Versuchs, Werte einzufordern.

Darüber hinaus haben wir bemerkt, dass die Themen insgesamt auf eine etwas reifere Art behandelt werden als sonst. Es geht nicht mehr nur um eine Generation der Anfang-30-Jährigen, die im eigenen Saft schmort und Geschichten über sich und ihre Befindlichkeit erzählt, sondern es werden Themen gewählt, die gesellschaftlich relevant sind. Es sind durchrecherchierte, sehr reflektierte Geschichten.

Publikumspreis in der Kategorie Kurzfilm: „Mädchenabend“ von Timo Becker

Dienstleister für die junge Filmszene

Das Festival versteht sich nicht nur als Filmschau, sondern auch als eine Art „Dienstleister“ für die junge Filmszene. Dazu gehören die „Branchenangebote“, die dem Austausch mit arrivierten Vertretern der Branche dienen. 2012 umfassten sie einen Veranstaltungsblock zum Thema „Debüt und dann“? Welche Hürden bestehen nach einem – selbst erfolgreichen – Debüt?

Es gibt wahnsinnig viele Debütanten, die mit dem ersten Film auf sich aufmerksam machen und die Frage ist, wie kommt es dann zum zweiten? Für den ersten gibt es viele Möglichkeiten, sich fördern zu lassen, für den zweiten gibt es schon sehr viel weniger Unterstützung. Beim Debut arbeiten Freunde und Kollegen noch gerne mal unendgeldlich, aber nach der Produktion ist es damit in der Regel vorbei. Das heißt, mit dem zweiten Film ist man auf dem Markt angekommen und muss nun die Ellenbogen ausfahren. Die Produktionen werden automatisch kostenintensiver – und plötzlich geht es darum, eine Produktion zu stemmen, die nicht mehr nur ein Budget von 50.000 Euro, sondern vielleicht von einer Million und mehr Euro hat.

Filmstill aus „Das Ding am Deich“ © die thede – www.diethede.de
Still aus dem mit dem Förderpreis der DEFA-Stiftung ausgezeichneten Film „Das Ding am Deich – Vom Widerstand gegen ein Atomkraftwerk“, Regie: Antje Hubert, © die thede – www.diethede.de

„Kino macht Schule“

Das Max-Ophüls-Festival ist nicht nur ein Forum für den aktiven Filmnachwuchs, traditionell werden in Saarbrücken auch Schulen und Schüler stark eingebunden. Wie wichtig ist Ihnen dieser Aspekt?

Das ist sehr wichtig. Denn das ist die Generation, die wir an das Kino heranführen wollen. Wir bemerken da eine zunehmende Medienkompetenz. Das war vor einigen Jahren noch anders. Wir kooperieren in dieser Hinsicht mit der Landeszentrale und der Bundeszentrale für politische Bildung, die mit Kino macht Schule ein sehr gutes Konzept entwickelt haben. In diesem Jahr sahen sich rund 1.300 Schüler Vorstellungen mit Wettbewerbsfilmen an und diskutierten sie mit Medienpädagogen. Wir sind immer wieder überrascht, wie grundlegend sich Schüler mit den Filmen auseinandersetzen. Zudem haben wir eine deutschfranzösische Schülerjury, die auch einen Preis vergibt. Auch da ist es immer wieder ganz toll zu sehen, wie reflektiert dort über Film geredet wird.

Max Ophüls; © MOPDas Filmfestival Max-Ophüls-Preis, das heute zu den wichtigsten Terminen für die junge deutschsprachige Filmszene gehört, nahm seinen Anfang mit einer Würdigung für Max Ophüls, der 1902 als Max Oppenheimer in Saarbrücken geboren wurde und zu den bedeutendsten europäischen Regisseuren des 20. Jahrhunderts zählt. 1979 präsentierte Albrecht Stuby, seinerzeit als Filmfachmann des Saarbrücker Kulturdezernats für das Programm des Kinos Camera zuständig, die umfangreichste Werkschau, die bislang von dem 1933 emigrierten Regisseur in Europa zu sehen war. 1980 wurde im Camera der erste Max-Ophüls-Preis für den Filmnachwuchs verliehen. Heute werden Preise in zwölf Kategorien vergeben. Zu den vielen bekannten Akteuren der Branche, die hier ihren Weg auf die Leinwand fanden, gehören auch die mit dem Oscar geehrten Regisseure Stefan Ruzowitzky („Die Fälscher“) und Florian Henckel von Donnersmarck („Das Leben der Anderen“). 

Sabine Pahlke-Grygier
ist freie Journalistin und Buchautorin (unter anderem „Kinohits für Kids – die schönsten Kinderfilme auf DVD“, 2009, „Handbuch Synchronisation – von der Übersetzung bis zum fertigen Film“, 2008).

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Februar 2012

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