Fremde Heimat - Migration als Filmthema

Der wirtschaftliche Boom in den sechziger Jahren führte in der BRD zum Anwerben von Arbeitskräften aus den südlichen europäischen Ländern. Die Hoffnungen vieler dieser so genannten „Gastarbeiter“ auf eine Rückkehr mit nachhaltig verbesserter Lebenssituation erfüllten sich nicht; stattdessen erlebten sie häufig Ausbeutung und Entfremdung.Als sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in den siebziger Jahren verschlechterten, blieb nur die Alternative zwischen Rückkehr oder Eingliederung. In der zweiten Generation der Arbeitsmigranten folgten die Familien den Männern nach. Für viele der Frauen und Kinder wurde das Leben in der Fremde noch schwieriger als für die Männer; sie erfuhren vor allem soziale und kulturelle Isolation. Erst die dritte Generation, Kinder, die in Deutschland geboren und zur Schule gegangen sind, erlebte das „Leben in zwei Kulturen“ zugleich als Problem und Chance. Ein Prozess von Emanzipation und Selbstbestimmung konnte beginnen. Dieser Prozess ist in der vierten Generation in ein neues Stadium getreten: Die gesellschaftlichen Spannungen verlaufen nunmehr eher ökonomisch als ethnisch. Wie in anderen europäischen Ländern wachsen in den neuen „multikulturellen“ Ghettos in den Stadtrandgebieten die Gefahren: Kriminalität, Drogen, rassistische Übergriffe, mangelnde Perspektiven in Ausbildung und Beruf, fundamentalistische Rückbestimmung und Zerfall des Familienzusammenhalts.
Die erste Beschäftigung des deutschen Films mit der neuen „Minderheit“ geschah in den Siebzigern aus einem Impuls des Erschreckens über die Kälte der eigenen Gesellschaft. Noch gab es keine Filmemacher, die selbst aus den Familien von „Gastarbeitern“ kamen. Die Filme wirkten daher eher wie melodramatische Appelle an die deutsche Kultur denn als authentische Darstellung der Migration selber.Es war ein Kino der sozialen Anklage, das sich zum Anwalt einer wachsenden Bevölkerungsgruppe machte, die keine politische Stimme hatte. Weiter... |
In den achtziger Jahren begann im deutschen Film neben dem „Kino der Fremdheit“, das das Schicksal der Migranten als politische Metapher und sozialen Appell behandelte, ein authentisches „Kino der Métissage“. Filmemacher aus Migrantenfamilien schufen ein Kino „zwischen den Kulturen“. Weiter... |
ist Filmkritiker und Buchautor
online-redaktion@goethe.de
Juni 2003












