"Eastern" - made in Germany

Auch 16 Jahre nach der Wiedervereinigung bleibt die DDR im Film weiterhin ein Thema. Denn dem Westen blieb der Osten fremd, und das Leben im "ersten sozialistischen Staat auf deutschem Boden" wird bis heute durch Klischees beschrieben.
Filme, die Geschichten über Alltag und Lebensgefühl auf der anderen Seite des "antiimperialistischen Schutzwalls" erzählen, "Eastern", wie sie Leander Haussmann anlässlich einer Preisverleihung zu Sonnenallee nannte, haben indes Erfolg. Sein Film über eine Jugendclique im Ostberlin der 70er Jahre – zunächst aus Vorsicht nur im Osten der Republik gestartet - begeisterte 1999 überraschend auch im Westen. Good bye, Lenin!, die Geschichte über einen Sohn, der nach dem Zusammenbruch des Staates für seine kranke Mutter die Lebensrealität der DDR erhält, wurde seit 2003 in ca. 50 Ländern der Welt gezeigt und sogar für den Oscar nominiert.
Filmer aus Ost und West näherten sich dem Thema an
Doch die Geschichte des deutschen "Eastern" beginnt nicht erst mit den beiden großen Leinwanderfolgen. Auch vor 1999 entstanden Filme, die sich mit dem Leben hinter der Mauer befassten. Nach der ersten Euphorie kamen Komödien wie Go Trabi Go (1990) von Peter Timm, einst Kabarettist in der DDR, und Wir können auch anders (1993) vom norddeutschen Regisseur Detlev Buck in die Kinos. Dann nahm sich die Filmelite aus Ost und West der Themen Wiedervereinigung, ihren Folgen und der Reflexion des (eigenen) Lebens in der DDR an. So entstand 1991 Die Verfehlung von Heiner Carow, ein Jahr später Herzsprung von Helke Misselwitz. Bernd Böhlich inszenierte den Fernsehfilm Landschaft mit Dornen, ein Projekt, das noch zu DDR-Zeiten begonnen und nach dem Mauerfall zu Ende geführt wurde. Die Geschichte von Jugendlichen, die der angepassten Elterngeneration keinen Respekt entgegenbringen können und deren Aggression sich zunehmend gegen sich selbst richtet, erhielt den renommiertesten deutschen Fernsehpreis, den Grimme Preis. Im Westen entstanden Anfang der 90er Wiedervereinigungsdramen wie Apfelbäumchen von Helma Sanders-Brahms (1992) oder Das Versprechen von Margarete von Trotta (1994).Der Erfolg kam mit der Leichtigkeit
Erst zehn Jahre nach dem Mauerfall, der das Leben vieler so drastisch veränderte, kehrt in die Filmen eine leichtere und auch heitere Erzählweise zurück. Leander Haussmann wird für seinen lockeren Umgang mit dem Thema "Jugend in der DDR" in Sonnenallee - nach dem Buch von Thomas Brussig – noch als oberflächlich gescholten. Aber der Film kommt beim Publikum an. Dem Zimmerspringbrunnen, in dem Peter Timm 2002 einen Vertreter einen Brunnen erfinden lässt, aus dem die DDR mit Nationalhymne aufersteht, ist nicht ganz so viel Glück beschieden. Aber 2003 kommt Good bye, Lenin! Und die mit vielen Preisen geehrte Tragikkomödie, die Wolfgang Becker inszenierte, erobert ab dem Start im Wettbewerb der Berlinale das internationale Publikum.Für Bernd Lichtenberg, von dem Idee und Buch stammen, rührt der Erfolg vor allem daher, "dass eine Familiengeschichte erzählt wird", anhand derer Lebensrealität und Ereignisse rund um den Fall der Mauer auch für nicht Eingeweihte von Frankreich bis Korea nachvollziehbar werden. Ein anderer Aspekt für den Erfolg des "Eastern" ist seine spezielle Ästhetik, so Lothar Holler, der für Böhlich und Misselwitz, Timm, Haussmann und Becker die Szenenbilder schuf. Holler, Professor an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam Babelsberg, ließ die DDR für viele Filme wieder auferstehen. Zuletzt für das bewährte Team Haussmann/ Brussig, deren Militärgroteske über den Alltag bei der Nationalen Volksarmee, NVA – wieder von Boje/Buck produziert - im Herbst 2005 in die Kinos kam.
Den Produzenten von X-Filme, die nach dem "Lenin-Boom" noch erfolgreich mit Alles auf Zucker nachlegten, stand zur gleichen Zeit die Premiere von Der rote Kakadu ins Haus. Der Film über Jazz Fans in der DDR wurde von Dominik Graf inszeniert.
Die Reihe der "Eastern" reißt nicht ab. Und auf den hiesigen Festivals sorgen sie immer wieder für Gesprächstoff, so Lothar Holler. Zum Beispiel durch Regietalente wie Robert Thalheim. Der Babelsberger Student legte mit der Ostberliner Vater-Sohn-Geschichte Netto bereits ein gefeiertes Debüt zum Thema "Eastern" vor.
ist freie Journalistin und Autorin. Sie schreibt u.a. für Tageszeitungen und Stadtmagazine
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Mai 2005
Links zum Thema
- Offizielle Webseite zum Film Sonnenallee (mit Filmsequenzen)

- Offizielle Webseite zu Good bye, Lenin! (mit Filmsequenzen)

- Filmportal.de über Go, Trabi, go


- Über Wir können auch anders

- Filmportal.de: Über Das Versprechen

- Über Der Zimmerspringbrunnen

- Produzenten von Good bye Lenin! , Alles auf Zucker, Der rote Kakadu

- Produzenten von Wir können auch anders, Sonnenallee, NVA












