Bildende Kunst

Öffentliche Kunst auf den Straßen Deutschlands  

Die tradierten Aufgaben der Kunst im öffentlichen Raum werden durch den urbanen Wandel und die Entwicklung hin zu einer mobilen, weitreichend vernetzten Gesellschaft in Frage gestellt. Der Film beschreibt, wie sich bildende Künstler mit der wachsenden Bedeutung der Mobilität für das öffentliche Leben auseinandersetzen.

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Autoren: M+M (Marc Weis und Martin De Mattia)
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Bei künstlerischen Aufträgen beziehungsweise Interventionen im öffentlichen Raum handelt es sich heute nicht mehr unbedingt um mehr oder minder statische Installationen an prominenten Plätzen im urbanen Gefüge. Vielmehr wird der Begriff der Kunst im öffentlichen Raum in zunehmendem Maße auch auf mobile Aktionen, die zum Beispiel an wichtigen Verkehrsknotenpunkten realisiert werden, ausgedehnt.

Während einer Fahrt im „Dienstwagen“ der beiden Künstler und Regisseure M+M (Marc Weis und Martin De Mattia) werden in Münster, Köln, Frankfurt und München verschiedene künstlerische Arbeiten gezeigt, die sich in die Öffentlichkeit einmischen. Auf dem Rücksitz des Wagens wechseln während der Reise die mitfahrenden Kuratoren und Künstler und berichten über Projekte und Erfahrungen im Straßenverkehr. Der Ausstellungsmacher Kasper König verweist auf Arbeiten von Michael Asher, Roman Signer und Ayse Erkmen, die zum Teil im Rahmen der Skulptur-Projekte Münster realisiert wurden. Auch Fahrzeuge dienten als bewegliche Skulpturen. Der Künstler Tobias Rehberger erinnert in diesem Zusammenhang an seinen Vorschlag Custom Car, ein fahrbares Auto, das er bis zum Absurden hin „übertunen“ wollte. Das Vorhaben konnte aus Gründen der Verkehrssicherheit nicht umgesetzt werden.

Der Kurator und Kunsthistoriker Florian Matzner lenkt den Blick auf künstlerische Positionen, die den Begriff der Öffentlichkeit im Feld der Mobilität gesellschaftskritisch auf den Prüfstand stellen. Arbeiten von Rudolf Herz, Pia Lanzinger, schleuser.net und der Empfangshalle kreuzen dabei den Weg. Die Künstlerin Silke Wagner berichtet über ihre Zusammenarbeit mit aktionistischen Gruppen, für die ein Kleinbus als mobile Plattform diente. Söke Dinkla, Medientheoretikerin und Kuratorin, beschreibt Phänomene heutiger Netzwerkkultur mit Verweis auf deren physische Manifestation im Straßennetz. Eine Aktion des Künstlerduos Nina Fischer/Maroan El Sani, welches das GPS-System nutzt, um im Verlauf einer mehrstündigen Autofahrt ein Logo in den römischen Stadtplan zu zeichnen, wirkt hier geradezu programmatisch.

Zum Abschluss der Erkundungsfahrt steigt der Künstler Stefan Huber zu und leitet durch den Tunnel unter dem Petuelpark, einem von ihm kuratierten Skulpturenpark. Hier zeigt er das Geheimnis des „Periskops“ von Bogomir Ecker. Dieser hat ein bewegliches optisches Instrument entwickelt, mit dessen Hilfe man vom künstlich-idyllischen Park aus in den Tunnel spähen und so das Perpetuum Mobile des Stadtverkehrs observieren kann.

Im Verlauf des motorisierten Streifzugs auf Deutschlands Fahrwegen wird klar: Der Begriff der Öffentlichkeit hat sich in den letzen zwei Jahrzehnten deutlich erweitert. Die Orte der Stadt, die ehemals für Öffentlichkeit standen, wie öffentliche Plätze, Fußgängerzonen und ähnliches, werden durch neue Aktionsfelder ergänzt. Man verweilt nicht unbedingt, sondern bleibt in ständiger Bewegung. Dadurch verändern sich auch die thematischen Schwerpunkte und formalen Lösungen für künstlerische Arbeiten im öffentlichen Raum. Der „schnelle Blick“, der „interaktive Mechanismus“, der „prozessuale Charakter“ sind Schlagworte, die diese neuen Tendenzen beschreiben. Die Verbindung zum eigenen Körper und zum Körper des Gegenübers geht im ständigen Straßenverkehr verloren. Stattdessen wird der Bezug zum Fahrzeug immer enger. Das Auto wird zur Behausung, zur zweiten Haut.

Goethe-Institut e. V. 2007
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