Musik

DJs - Die Kunst des Auflegens

Der Film stellt die aktuelle Entwicklung und die Bandbreite der Diskjockey-Szene in Deutschland am Beispiel von vier herausragenden DJs vor. Sie arbeiten mit so unterschiedlichen Musikstilen wie Jazz, Techno, House, Hip-Hop oder auch ganz eigenen Mischungen aus traditionellen türkischen Stücken und elektronischen Klängen.

Sie benötigen den Flashplayer , um dieses Video zu sehen

Autor: Gerhard Schick
Download SymbolFilmtext (PDF, 33 KB)

Die Szene der DJs, die in Deutschland auflegen, ist groß, lebhaft, stets in Bewegung und reicht vom hauptberuflichen Techno-DJ, der auf Großveranstaltungen vor tausenden von Menschen auftritt, bis zum Hobby-DJ, der auf Hochzeiten die Gäste zum Tanzen animiert. Viele DJs sind gleichzeitig ihre eigenen Musikproduzenten. Da das Herstellen elektronischer Musik äußerst günstig geworden ist – oft reicht ein schneller Laptop – hat sich eine enorme stilistische Vielfalt etablieren können.

Die Anzahl der zertifizierten Meister im Scratching dagegen ist überschaubar – die Kölner Formation „Noisy Stylus“ gehört dazu. Die Scratchband war bereits mehrfach deutscher Meister unterschiedlicher Verbände, im Jahr 2004 wurde sie außerdem Europameister und Vizeweltmeister der ITF (International Turntablist Federation). Bei ihrer Spielart des DJ-Daseins fungiert der Plattenspieler als Musikinstrument. Wie bei einer herkömmlichen Band werden Stücke eingeübt, geprobt und gemeinsam aufgeführt, mit dem Unterschied, dass jeder Musiker als Arbeitsgerät einen Plattenspieler vor und eine große Auswahl an Schallplatten hinter sich stehen hat. Durch das Hin- und Herbewegen der Platten auf dem Teller lässt sich die Tonhöhe beliebig variieren, mit dem Einsatz des Crossfaders, der über das Abhören von linker oder rechter Platte entscheidet, der Rhythmus des Stücks bestimmen. Auf diese Weise entsteht der ganz eigene Klang von Scratchmusik.

Der Beruf oder die Tätigkeit von Diskjockeys ist oft mit einem ausgefeilten Konzept, einer klaren Haltung und einer Philosophie verbunden. Einer der bekanntesten deutschen DJs, Hans Nieswandt, vergleicht in seinem Buch „Plus Minus Acht. DJ Tage, DJ Nächte“ den DJ mit Priestern, Schamanen und Medizinmännern, aber auch mit Piloten, Kapitänen und Lokführern. „Alle Branchen passen, in denen einer vorn im Cockpit sitzt, mit all den Knöpfen und Reglern, von denen nur er weiß, wie sie funktionieren, während alle anderen den Trip genießen. DJs (...) übernehmen die Verantwortung für die lange Reise und bringen ihre Anvertrauten mit traumwandlerischer Sicherheit ins Ziel oder auch nicht.“ DJ Ipek Ipekcioglu aus Berlin ergänzt, dass auch Einfühlungsvermögen und das Erspüren von Emotionen im Publikum eine wichtige Rolle spielen. Dennoch verfolgt Ipek, die mit dem von ihr mit dem abenteuerlichen Begriff definierten „Eklektik Arabesk-konFUSION OrAsia“-Stil überregionale Bekanntheit erlangte, beim Auflegen ein durchdachtes Konzept. In kurzer Folge spielt sie eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Musikrichtungen und erzeugt so beim Tanzpublikum ein Wechselbad der Gefühle. Die Mischung aus traditioneller türkischer, kurdischer, arabischer oder indischer Musik mit Techno, House und Pop ist das Markenzeichen von DJ Ipek geworden.

Den Turntable (Plattenteller) als Musikinstrument benutzt DJ Illvibe, der Sohn des Jazzpianisten Alexander von Schlippenbach. Dass er seine musikalische Heimat nicht verleugnet, lässt sich daran erkennen, dass er mit der Jazz- und Funkband „Lychee Lassi“ auf der Bühne steht. Der Plattenspieler und die speziellen DJ-Sounds sind dabei integraler Bestandteil des musikalischen Konzepts. DJ Illvibe ist nicht einfach ein Gast, zu dessen House-Platten die Jazzer improvisieren, sondern gleichberechtigter Musiker, der im Zusammenspiel mit seinen Bandkollegen aufgeht.

Dass elektronische Musik aus Deutschland bereits eine lange Tradition hat, die bis heute Einfluss auf die aktuellen Produktionen ausübt, beweisen unter anderem die gemeinsamen Auftritte der Elektropopband „Dyko“ und Wolfgang Flür. Flür war Schlagzeuger der Band „Kraftwerk“, deren strenge und avancierte Elektrokompositionen in den 1970er- und 1980er-Jahren weltweiten Erfolg hatten. Auch amerikanische Techno-Pioniere bezogen sich auf „Kraftwerk“, sodass auf diesem Umweg die weiterentwickelte Musik wieder auf Tanzflächen in Deutschland gelangte – und unter anderem von Wolfgang Flür selbst aufgelegt wird. Vor seinen Auftritten als DJ trommelt er im Konzert für „Dyko“, deren Sänger John Barrie Dyke sich ebenfalls bewusst am „Kraftwerk“-Sound orientiert, ihn weiterentwickelt und aktualisiert.

Der Film taucht ein in eine lebendige, kreative, nächtliche Musik- und Tanzszene und lässt die Zuschauer an den aktuellen Entwicklungen teilhaben.
Goethe-Institut e. V. 2007
Links zum Thema

Elektronische Musik aus Deutschland

Aktuelle Tendenzen und die wichtigsten Entwicklungen der letzten Jahre