Festivals

Deutschland verfügt über eine gut ausgebaute Festival-Landschaft. Die tradierten Festivals in Berlin, Mannheim und Oberhausen wurden in den 50er Jahren gegründet. Sie entsprachen dem Bedürfnis, nach Jahren einer kulturellen Provinzialität und Isolation (während des Dritten Reichs) die "Welt" in die junge Republik zu bringen und den Anschluss an internationale Entwicklungen nicht zu verpassen.

Eine zweite Welle von Festival-Gründungen fiel in das Ende der 70er und den Beginn der 80er Jahre. Immer weniger anspruchsvolle Filme internationalen Zuschnitts erreichten immer weniger Kinos, die immer mehr von kurzlebigen Bestsellern hollywoodschen Zuschnitts verstopft wurden.

An diesem Defizit an Filmkultur hat sich bis heute nicht viel geändert, jedenfalls nicht in den regulären Filmtheatern. Doch hat ein interessiertes Publikum in vielen größeren, mittleren und inzwischen auch kleineren Städten die Möglichkeit, bei Festivals und Filmwochen ein breites Angebot an Filmen zu sehen. Die Zahl der deutschen Städte, die sich heute ein eigenes Festival leisten, geht in die Hunderte und hat in den letzten Jahren sprunghaft zugenommen. Festivals und Filmwochen sind Teil einer alternativen Film-Szene geworden. Das haben auch die meisten Verleiher erkannt, im Inland wie international: sie fordern von Festivals Leihgebühren, sozusagen als Ersatz für die Einnahmen aus dem Kino-Verleih, der für viele Filme nicht mehr funktioniert.

Festivals gibt es für alle Genres: für Kurzfilme, Spielfilme, Dokumentarfilme, Kinderfilme, Animation. Einige Festivals und Filmwochen sind Länder-orientiert: Ost-Europa, Nord-Europa, Frankreich, Italien, Türkei... Einige internationale Festivals bieten Nebenreihen mit deutschen Filmen.

Auch in den neuen Bundesländern ist die Festival-Landschaft vielfältig. Bereits zu DDR-Zeiten bestehende Festivals wurden mit veränderten Konzepten weitergeführt, neue kamen dazu.

Fast alle Festivals veröffentlichen Kataloge. Zu einzelnen Reihen/Retrospektiven/Schwerpunkten werden außerdem nicht selten Bücher publiziert, im Eigenverlag der Festivals oder in Kooperation mit Buch-Verlagen. Oft sind Festival-Veröffentlichungen zweisprachig, deutsch und englisch.

Berlinale Talent Press