Illustratoren

Der Vater des Grüffelo – Kinderbuchillustrator Axel Scheffler im Gespräch

Axel Scheffler; © Thomas DufféAxel Scheffler; © Thomas Duffé„Ich bin kein Geschichtenerzähler“, sagt Axel Scheffler, einer der erfolgreichsten deutschen Kinderbuchillustratoren. Er macht Bilder, aber nicht gerne allzu viele Worte. Das zeigte sich auch im Interview mit Goethe.de.

Herr Scheffler, welche Ihrer Figuren zeichnen Sie am liebsten?

Ich habe keine Lieblingsfigur. Ich zeichne generell lieber Tiere als Menschen, lieber Eichhörnchen als Kühe.

Warum zeichnen Sie lieber Tiere als Menschen?

Das weiß ich selbst nicht genau. Vielleicht, weil ich mal Tierforscher werden wollte.

Wie entstehen Ihre Figuren?

Der Text kommt ja immer zuerst. Wenn ich ihn gelesen habe, fange ich an zu skizzieren. Wie genau die Bilder aus dem Kopf aufs Papier kommen, weiß ich selber nicht.

Bilder mit Humor und Wärme

Der Grüffelo; © Axel SchefflerWelche Bücher haben Sie als Kind besonders gemocht?

Die Petzi-Bücher von Carla und Vilhelm Hansen, Jim Knopf von Michael Ende – wohl auch wegen der Augsburger Puppenkiste im Fernsehen – und Micky-Maus-Hefte.

Haben Sie Vorbilder unter den Kinderbuchillustratoren?

Es gibt viele, viele Zeichner, die ich bewundere: zum Beispiel William Steig, Tomi Ungerer, Sempé, Edward Gorey. Ich mag es, wenn Illustrationen gut gezeichnet sind, wenn sie Humor und Wärme haben.

Finden Sie Ihre eigenen Bilder gut?

Meistens nicht so besonders ...

Wie entscheiden Sie, wann ein Bild fertig ist?

Für Bücher gibt es ja Abgabe-, Druck- und Auslieferungstermine. Die entscheiden das.

Studium ohne Folgen

Warum leben Sie in England?

Das kam irgendwie eher zufällig. Mit Mitte 20 wollte ich ins Ausland gehen. Mein Englisch war nicht sehr gut, aber immerhin besser als mein Französisch. Eine Freundin studierte damals an einer englischen Kunstschule. Ich besuchte sie und kam auf die Idee, mich auch dort zu bewerben. Man nahm mich und ich blieb in England.

Vor ihrem Grafik-Studium in Corsham bei Bath in den Achtzigerjahren haben Sie in Hamburg Kunstgeschichte studiert. Davon sei nichts hängen geblieben, sagen Sie. Und von Ihrem Grafik-Studium?

Eigentlich auch nicht viel. Es gab aber auch nicht viel, was hätte hängen bleiben können. Es war aber gut, einfach drei Jahre lang zu zeichnen.

Unterscheidet sich die britische Kinderbuchtradition von der deutschen?

Ich kenne mich da nicht so gut aus, aber sie ist wohl reicher und auch witziger als die deutsche – natürlich mit Ausnahmen.

Früher war der Grüffelo furchterregender

Cover von ‚Vater Eichhorn fällt vom Baum’; © Carlsen VerlagDie Grüffelo-Bücher haben sich weltweit über zwei Millionen Mal verkauft. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg

Der Grüffelo ist in 40 Sprachen erschienen. Ich glaube, dass die Geschichte universell verstanden und geliebt wird.

Sah der Grüffelo von Anfang an so aus wie jetzt?

Es gibt ein paar Skizzen, auf denen er noch etwas furchterregender aussieht als im Buch.

Mit der Autorin Julia Donaldson haben Sie schon mehr als zehn Bücher gemeinsam gemacht. Wie funktioniert Ihre Zusammenarbeit konkret?

Wir haben keinen Kontakt bei der Zusammenarbeit. Julia schreibt den Text und schickt ihn an den Verlag. Da wird er manchmal ein bisschen lektoriert und dann bekomme ich ihn geschickt. Ich habe keinen Einfluss auf den Text.

Sie sind zusammen mit Julia Donaldson auf Lesereise gegangen. Welche Rolle hatten Sie dabei?

Meine Rollen waren schon: Elefant, Hund, Affen, Vater und Fuchs. Außerdem zeichne ich auf Flipcharts und signiere natürlich Bücher.

Hat Sie etwas an den Reaktionen der Kinder erstaunt?

Eigentlich nicht. Man muss bei Kindern auf alles gefasst sein.

Gab es ein besonders schönes Erlebnis mit Ihren kleinen Fans?

Da fällt mir jetzt spontan keines ein. Aber es ist immer schön, wenn die Kinder kleine Parts in den Stücken übernehmen. Zu jedem Bilderbuch gibt es ja eine kleine Bühnenfassung.

Illustrieren, was schon da ist

Cover von ‚Stockmann’; © Beltz und Gelberg VerlagSchreiben Sie auch selbst Texte?

Ich habe einmal einen Pixi-Buch-Text geschrieben …

Sie meinen „Vater Eichhorn fällt vom Baum“ …

Ja, aber ich bin einfach kein Geschichtenerzähler.

Bedauern Sie das?

Inzwischen nicht mehr. Julia Donaldson macht das ja sehr gut.

Ihr neuestes gemeinsames Buch „Herr Stockmann“ (2008) hat einen Helden, der zu seinem großen Unglück immer für einen Ast gehalten wird. Gibt es eine Eigenschaft, die man Ihnen fälschlicherweise, zu Ihrem Unglück, nachsagt?

Ich könnte jetzt sagen: gut zeichnen zu können. Aber das ist vielleicht zu blöd.

Dagmar Giersberg
führte das Gespräch. Sie arbeitet als freie Publizistin in Bonn.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Juni 2009

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