Bajazzo Verlag

Bajazzo-Verlag – Kindgerechtes kunstvoll in Wort und Bild

Logo des Bajazzo-Verlags © Bajazzo-VerlagDer Schweizer Bajazzo-Verlag schafft seit seiner Gründung vor zwölf Jahren den Spagat, Künstlerisches in Wort und Bild auf hohem Niveau in kindgerechter Form zu präsentieren.

Von Anfang an hat der Verlag seinen Schwerpunkt auf das illustrierte Kinderbuch gesetzt und wird heute als Bilderbuchverlag wahrgenommen, dessen Bücher nicht nur Werte vermitteln und Spaß machen, sondern auch das Kunstverständnis fördern. „Wir wollen nicht moralisch und pädagogisch sein. Unser Blick ist auch nicht ausschließlich auf die Verkäuflichkeit gerichtet. An erster Stelle steht die Qualität und bezüglich der Illustration auch die Originalität“, sagt Verlegerin Ingrid Rösli. Das ist auch der Grund, warum sich der Verlag gegenüber jungen Illustratoren und Erstlingswerken offen zeigt.

Welche Herausforderung das Programm mit sich bringt, erfahren die beiden Verleger Ingrid Rösli (Presse, Vertrieb, Herstellung, Lizenzen) und Thomas Minssen (Programmleitung, Lektorat) bei jedem Buch. Aber der Erfolg gibt ihnen Recht. Sie sind ein Zwei-Personen-Team und treffen alle inhaltlichen Entscheidungen gemeinsam: „Wir müssen beide mit dem jeweiligen Vorschlag einverstanden sein“, erklärt Rösli.

Im Oktober 1998 sind die ersten fünf Bücher erschienen – unter anderem Die Geschichte von Gina und Herrn Seeger, der Erstling von Andreas Schendel und Lola Renn (Illustration). Seitdem wurden 120 Titel veröffentlicht, 80 davon sind noch lieferbar. Einige befinden sich in der 4. oder 5., andere sogar in der 15. Auflage. Viele Titel sind ins Ausland verkauft und erscheinen als Lizenzausgaben in Belgien, Holland, Italien, Frankreich, Griechenland, Dänemark, Spanien, Israel, Mexiko, England, Nord- und Südamerika, aber auch in Korea, China, Taiwan und Japan.

Ausgezeichnetes Programm

Neun Bajazzo-Bücher wurden bisher für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Im Jahr 2007 erhielt Schwester von dem norwegischen Autor Jon Fosse und dem deutsch-russischen Illustrator Aljoscha Blau den renommierten Preis. In der Jurybegründung hieß es: „Durch seine sprachlich außergewöhnliche Darstellung erobert Fosse im Kinderbuch neue und faszinierende Ausdrucksformen (…). Dem Illustrator Aljoscha Blau gelingt es, den Zauber dieser Kindheitsgeschichte in kühle Landschaftszeichnungen und atmosphärische Szenen zu fassen (…).“

Im Mai 2010 ging der Österreichische Kinder- und Jugendbuchpreis an Heinz Janisch und Søren Jessen (Illustration) für das Bilderbuch Jumbojet. Neben internationalen Autoren und Illustratoren wie Heinz Janisch, Hannes Binder und Claudine Desmarteau sind vor allem deutsche Künstler bei Bajazzo vertreten. So Isabel Pin (Die Geschichte vom kleinen Loch und Ein Regentag im Zoo) und Aljoscha Blau (Schwester), Martin Baltscheit (Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte), Christian Duda und Julia Friese (Alle seine Entlein), Dieter Böge und Bernd Mölck-Tassel (Was tun?), Manuela Olten (Echte Kerle) und Verena Ballhaus (Der Tag, an dem Marie ein Ungeheuer war).

Oft bleiben Text und Illustration in einer Hand – aber nicht zwingend. Im Gegenteil, der Programmleiter Thomas Minssen sucht ebenso gern einen Illustrator für einen eingereichten Text. Das ist kreative Verlegerarbeit.

Mit Tiefgang – auch für Erwachsene

Im Herbst 2003 startete der Verlag mit einer Reihe altersübergreifender Bücher. Der erste Text war das Goethe-Gedicht Gefunden mit Bildern von Verena Ballhaus. Auch der wiederentdeckte Klassiker Das schiefe Buch von Peter Newell ist neu übersetzt von Roger Willemsen erschienen – und zuletzt das beeindruckende Bilderbuch Um Mitternacht nach einem Gedicht von Eduard Mörike mit Schwarz-Weiß-Bildern in Schabkartontechnik von Hannes Binder. Ein Gedichtbuch mit Schwarz-Weiß-Bildern zu verlegen, bedeutet Mut zur Kunst. Rösli: „Ich war pessimistisch, was die Verkaufszahlen angeht, aber durch die Nominierung zum Deutschen Jugendliteraturpreis und durch gute Rezensionen konnten wir nachdrucken und haben nun doppelt so viel verkauft wie erwartet.“ Woher nimmt die Verlegerin den Mut? „Das ist schon mehr Übermut! Ich bremse in letzter Zeit öfter, Thomas Minssen will so weitermachen. Aber was das Finanzielle betrifft, ist es ein Vabanquespiel.“

Reihen oder Serielles kennt der Verlag nicht, aber Gedichte zu bebildern wollen die Verleger als Idee beibehalten. Ein finanzielles Risiko birgt das Verlegen solch anspruchsvoller Bücher immer. Ingrid Rösli bekennt sich zu einer Mäzenin, die dem Bajazzo-Verlag finanzielle Rückendeckung gibt, sich inhaltlich jedoch nicht einmischt: „Aber wenn ein Defizit auftaucht, wird das Loch gestopft. Deshalb können wir uns diese Art Bücher leisten und mutiger sein. Unsere Zahlen sind im Laufe der Jahre aber schon viel besser geworden.“

Seit 2006 bietet der Verlag auch hochwertige Pappbilderbücher für Kinder ab drei Jahren an. Isabel Pins Die Geschichte vom kleinen Loch wurde unter anderem durch sehr gute Rezensionen ein Publikumserfolg, ist mittlerweile in der 5. Auflage erschienen und wurde in acht Sprachen übersetzt.

„Auf intelligente Weise Spaß bereiten“

„Wir wollen“, so Rösli, „auf intelligente Weise Spaß bereiten und auch mal provozieren.“ Provokant war das Verlegen des Bilderbuches Notizen vom Käptn’s Dinner von Marei Schweitzer, das gänzlich ohne Worte auskommt und nur mit Kugelschreiber gezeichnet ist. Provokant ist es auch immer noch in der Kinderbuchszene, wenn man Bilderbücher macht, die über das Kinderbuch hinausgehen und gleichermaßen Erwachsene ansprechen. „Als Mama noch ein braves Mädchen war ist so ein Buch, das für die Vertreter im Buchhandel schwer vermittelbar war. Jetzt hat es die 15. Auflage erreicht. Es ist schön, wenn die Bücher auch für Erwachsene spannend sind.“

Anderssein (Alle seine Entlein), Toleranz (Schnurzpiepegal), Arbeitslosigkeit (Suche Arbeit für Papa), Tod, Ehrlichkeit und Heldentum (Echte Kerle) sind einige der Themen im Bajazzo-Verlag, die auf kindgerechte Weise in kindgerechten Geschichten und Bildern, aber nie belehrend vermittelt werden.

Ute Wegmann
arbeitet als Autorin, Regisseurin und Journalistin in Köln, unter anderem für den Deutschlandfunk (Buchredaktion: „Die Besten 7“) mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendliteratur.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
August 2010

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