blumenbar

blumenbar - Vom literarischen Salon zum unkonventionellen Verlag

blumenbar
Die Verlagsgründer Wolfgang Farkas und Lars Birken-Bertsch setzen inhaltliche und visuelle Akzente gegen die zunehmende Beliebigkeit im traditionellen Verlagswesen. Fragen an ihren Verlag blumenbar, beantwortet von Lars Birken-Bertsch.

Seit wann machen Sie Bücher? Und warum?

Das erste Buch erschien im Herbst 2002, der Roman Memomat des Münchner Autors und Fernsehjournalisten FX Karl. Der blumenbar Verlag entstand aus einem langjährigen literarischen Salon in der Blumenstrasse 3, um die Ecke vom Münchner Viktualienmarkt.

Memomat

Wie ist Ihr beruflicher Hintergrund; haben Sie auch Verlagskaufmann gelernt?

Wolfgang Farkas ist ausgebildeter Journalist, der Erfahrungen als Redakteur und freier Autor mitbringt. Ich selber bin gelernter Buchhändler und Verlagsfachwirt.

Haben Sie Vorbilder im Verlagswesen?

Mein persönliches Vorbild ist die Verlegerin Antje Kunstmann, die seit 30 Jahren anspruchsvolle Bücher mit Erfolg verkauft und ihre Unabhängigkeit bewahrt hat.

Wie würden Sie Ihr Spektrum bezeichnen?

Verlegerischer Schwerpunkt von blumenbar ist deutschsprachige und internationale Gegenwartsliteratur. Entscheidende Kriterien für das Programm sind sprachliches Niveau und gesellschaftliche Relevanz. blumenbar ist ein Verlag, der sich als literarische Stimme seiner Zeit versteht; der Themen nicht nur aufgreift, sondern auch setzt. Ziel des Verlags ist insbesondere, neue Autoren zu entdecken, aufzubauen und langfristig an sich zu binden.
In Abgrenzung zu traditionellen literarischen Verlagen liegt die Besonderheit von blumenbar in der Unverwechselbarkeit sowie in der Authentizität. Während sich die Neuerscheinungen vieler Verlage immer mehr gleichen, ist ein blumenbar-Buch sofort zu erkennen. Der zunehmenden Beliebigkeit im Verlagswesen begegnet blumenbar mit dem Aufbau einer inhaltlich und visuell stark wirkenden Marke.

Wie finden und wählen Sie Ihre Autorinnen und Autoren aus?

The Rum Diary

Statt etwa literarische Agenturen oder Scouts zu beauftragen, ist blumenbar als Teil einer lebendigen literarischen Szene selbst Agentur und Scout.

Sind Sie ein politischer Verlag?

Nicht in der Tradition einer Gegenöffentlichkeit wie in den 1960er- oder 1970er-Jahren. Dennoch verstehen wir unsere Arbeit durchaus auch als eine politische.

Was hat es für Vorteile, ein kleiner und unabhängiger Verlag zu sein?

Die Vorteile liegen in der Flexibilität und Schnelligkeit und in der Unabhängigkeit selbst, die es uns überhaupt erst erlaubt, zu verlegen, was wir für wichtig und gut erachten.

Rentiert sich der Verlag, bzw. seit wann rentiert er sich?

Der Verlag trägt sich inzwischen. Dennoch müssen wir eindeutig mehr Bücher verkaufen. Eine der wichtigsten mittelfristigen Aufgaben ist die Stärkung des Vertriebs.

Welches Buch war der größte Erfolg für blumenbar?

Berliner Verhältnisse

The Rum Diary von Hunter S. Thompson und Berliner Verhältnisse von Raul Zelik waren bislang unsere erfolgreichsten Titel.

In welchem Verhältnis stehen Ästhetik/Handwerk eines Buchs und sein Inhalt? Neben der inhaltlichen Dimension ist ein Buch auch nur ein Produkt unter vielen anderen. Darum muss ein Buch als Objekt auch attraktiv sein für einen Käufer. Entscheidend dafür sind Gestaltung und Ausstattung eines Buches.

Wie wichtig ist das Verlagsnetzwerk oder sind überhaupt Kontakte für Sie, gerade in der Verlagsstadt München? Oder spielt der Standort keine besondere Rolle?

Der Standort München bietet diverse Vorteile. Er ermöglicht die Vernetzung mit anderen Verlagen und Institutionen, die für einen kleinen Verlag unabdingbar ist.

Wie stehen Sie zu neuen Formen der Veröffentlichung (digitale Medien)?

Das Buch als Medium für komplexe Texte oder Inhalte wird es auch in Zukunft geben. Dennoch verfolgen wir genau, was sich in der digitalen Welt verändert, um eventuell dann auch schnell reagieren zu können.

Kerstin Fritzsche
ist Literaturredakteurin des hannoverschen Stadtmagazins STADTKIND hannovermagazin und schreibt regelmäßig über zeitgenössische Literatur für diverse Medien.
Copyright: Goethe-Institut, Online-Redaktion

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Oktober 2006

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