„Poesie als Lebensform“ – der Kleinverlag kookbooks

kookbooks, ein von Literaturexperten hoch gelobter kleiner Verlag, überrascht mit außergewöhnlichen und kunstvoll gestalteten Büchern. Seine Macher nennen sich „Agenten der Schönheit“. Ihr kühnes Motto lautet „Poesie als Lebensform“. Doch Independent-Verlage haben es schwer, in den Regalen der großen Buchhandlungen platziert zu werden.Schon der Name ist Programm: „Kook“ ist ein englischer Slangausdruck und bedeutet „Spinner“. Und etwas verrückt ist auch „kookbooks“, jener Independent-Verlag, den die 36-jährige Daniela Seel 2003 in Berlin gegründet hat. Seitdem ist der Überlebenskampf für kleine Verlage nicht leichter geworden, auch wenn sie im Moment noch überraschend gut der Krise trotzen. Das aber liegt weniger an guten Umsätzen, sondern vielmehr an alternativen Marktstrategien und an dem Umstand, dass die jungen Büchermacher fast schon daran gewöhnt sind, am Rande des Bankrotts zu jonglieren.
So steht der Name kookbooks in gewisser Weise auch stellvertretend für all die anderen konzernunabhängigen Kleinverlage mit innovativem Programm, die Achtungserfolge verbuchen, aber meistens rote Zahlen schreiben. Viel Lob, wenig Lohn. Denn die Bücher der Independent Labels finden nur schwer einen Platz in den Regalen der großen Buchfilialisten, wie beispielsweise Hugendubel und Thalia, die zunehmend den Einzelbuchhandel verdrängen. Langer Atem und Einfallsreichtum sind da gefragt um sich neben den Branchenriesen behaupten zu können. Kookbooks scheint beides zu besitzen.
Cover als Kunst und Werbeträger
Tatsächlich hat der Verlag offenbar begriffen, dass das Cover in der Flut der Neuerscheinungen oft die einzige Werbefläche ist: Hier bleibt der Blick zuerst hängen, hier muss in Sekundenschnelle Aufmerksamkeit erzeugt werden. „Eine Art Kultstatus“ bescheinigte die Berliner Tageszeitung taz kookbooks „dieser glamourösen Diva unter den Kleinverlagen“, die mit qualitativ hochwertigem Programm und wunderschöner Umschlaggestaltung aus der Verlagsszene heraussteche. Nach einer Befragung von zwanzig Literaturexperten kürte das Magazin Cicero kookbooks 2008 gar zum viertwichtigsten deutschsprachigen Verlag.
Hervorgegangen ist kookbooks aus dem Künstlernetzwerk „Kook“. Das Hauptprogramm besteht aus Lyrik, moderner Prosa und Kinderliteratur. Autorentreue wird großgeschrieben. In der Regel erscheinen nicht viel mehr als eine Handvoll Bücher pro Jahr. Ihre Herstellung ist teuer und aufwendig, sie sind kunstvoll und oft auch originell gestaltet. Das unverwechselbare Design ist dem Künstler und Grafik-Designer Andreas Töpfer zu verdanken, der bei kookbooks für den gesamten Bereich der visuellen Kommunikation zuständig ist. Mit ihm gemeinsam stemmt die eigenwillige Daniela Seel, die selbst Lyrik und Prosa schreibt, die gesamte Verlagsarbeit.
Mittlerweile hat sich kookbooks zu einer der wichtigsten Adressen für Lyrik im deutschsprachigen Raum entwickelt. Geplant ist nun, die Übersetzungen weiter auszubauen. Die Internationale Reihe soll mit mindestens einem Buch pro Jahr fortgesetzt werden.
Viele schönste Bücher
Das Engagement zahlt sich aus. So hat die Stiftung Buchkunst den Essay Ah, das Love-Ding der Lyrikerin Monika Rinck 2006 als eines der „schönsten Bücher“ des Jahres prämiert. 2008 wurde diese Ehrung dem Kinderbuch Ein Waldwicht fliegt in den Oman von Melanie Laibl und Dorothee Schwab zuteil, dem auch der Österreichische Kinder- und Jugendbuchpreis verliehen wurde. Der Gedichtband kochanie ich habe brot gekauft von Uljana Wolf hat sich ohne große Werbetrommel zum Bestseller entwickelt und erscheint jetzt in der vierten Auflage.
„Wir hatten 2009 das umsatzstärkste Jahr des Verlages“ sagt Daniela Seel. Wirtschaftlich trage sich kookbooks im Moment selbst, aber leben könne sie nicht davon. Nebenher arbeitet sie noch als Literaturkritikerin und Lektorin, hält Vorträge und moderiert Lesungen. Eine Zusammenarbeit mit großen Verlagen kommt für Seel nicht infrage: zu groß wäre die Gefahr einer Einschränkung ihrer Unabhängigkeit und verlegerischen Freiheit.
Versteigerung als Existenzsicherung
Als logische Konsequenz erscheint da die Aktion „Kunst braucht Mäzene“, die die findige Verlegerin im vergangenen Jahr ins Leben rief. Das Logo zeigt das Sterntaler-Mädchen vor einem roten Kreuz. Befreundete Künstler und Autoren haben für die „Notoperation“ eigene Werke zugunsten des Verlags versteigern lassen. „Das hat einige Einnahmen gebracht und Aufmerksamkeit auf den Verlag, aber natürlich auch auf die Problematik gelenkt“, sagt Seel. „Uns war wichtig, nicht nur einfach eine Geldsammelaktion zu machen, sondern dem Thema auch in breiterem Rahmen Öffentlichkeit zu verschaffen, weil es ja nicht nur uns alleine betrifft.“
arbeitet als freie Journalistin in Frankfurt am Main.
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März 2010
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