Silberfuchs Verlag

Silberfuchs Verlag – klingende Kulturführer

Corinna Hesse und Antje Hinz
© Silberfuchs-VerlagDas Hören ist auf dem Medienmarkt zum Boom geworden. Heutzutage muss einem schon etwas Besonderes einfallen, wenn man als Neuling noch ankommen will. Zwei ehemalige Journalistinnen der ARD haben mit ihren klingenden Kulturführern eine Lücke gefunden.

Der Name Silberfuchs geht auf einen indianischen Schöpfungsmythos zurück: Silberfuchs erschuf mit seinen Gedanken die Welt, um sie dann erst durch seinen Gesang wachsen zu lassen. Somit wird Kultur als primäre Quelle des Daseins bewertet, und das ist für diesen 2006 in Hamburg gegründeten Verlag mehr als bezeichnend. Sein programmatisches Kernstück ist die Reihe Länder hören, in der in je einer CD von ungefähr 80 Minuten Dauer in die Kultur eines Landes eingeführt wird. Wesentliches Element ist neben dem einführenden und gesprochenen Text die Musik der jeweiligen Länder und Kulturen. Inzwischen hat Silberfuchs 9 Länder derart eingeführt, von Deutschland über Frankreich bis nach Russland, Japan, China und jüngst die Türkei. Für diese Reihe Länder hören erhielt Silberfuchs im Jahr 2008 den Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik, war dafür für den Deutschen Hörbuchpreis 2007 und zudem mit dem Titel Russland hören für den Deutschen Hörbuchpreis 2008 nominiert. 

Eine Schaltstelle in der Kulturvermittlung

Cover 'China hören'
© Silberfuchs-VerlagDie Traditionen, Geschichten und Kulturen fremder Länder in repräsentative Formate zu bringen, das sind gemeinhin fach-, ressort-  und medienübergreifende Projekte, denen große Institutionen wie Universitäten, Kulturinstitute oder öffentlich-rechtliche Rundfunksender gewachsen sind. Den Sprung in die Unternehmerschaft wagten Corinna Hesse und Antje Hinz durchaus mit Blick auf solche Institutionen. Sie wollen ein breiteres Publikum für anspruchsvolle Kulturthemen gewinnen und setzen auf institutionelles Netzwerken: „Wir sehen uns in jeder Hinsicht als Schaltstelle: zwischen Kulturveranstaltern, Wissenschaft, interkulturellen Einrichtungen, Bildungsträgern, Wirtschaft, Politik und Publikum. Wir haben mit unserem klaren Konzept eine Nische gefunden, die uns vielfältige Möglichkeiten für Kooperationen eröffnen, mit Kultur- und Bildungsträgern, Festivals, Ländervertretungen.“

Die Nische haben sie erfolgreich besetzt, das bezeugen neben dem erfolgreichen Absatz und einer guten Kritik in der Presse auch einige Preise aus dem Bereich Gründerinnenförderung. Kaufmännische Vorsicht tut das ihre dazu, denn größere Kredite für Technik wurden nicht aufgenommen. Ein eigenes Studio haben sie nicht, für die Sprecheraufnahmen (etwa mit Rolf Becker, Dietmar Mues, Ercan Durmaz) wird ein externes Studio angemietet, Schnitt und Produktion realisiert der Toningenieur Björn Kempcke im heimischen Studio, die sehr ansprechende grafische Gestaltung liegt fest in der Hand von Roswitha Rösch.

Hörbilder zum Anreizen

Cover 'Israel hören'
© Silberfuchs-VerlagRund 80 Minuten pro Thema ist eine der konzeptionellen Optionen für die Serie Länder hören. Das ist vielleicht ein wenig bedenklich, wenn man die gewaltigen Unterschiede in den Kulturen der jeweiligen Länder bedenkt. Es kann wohl kaum überraschen, dass sich das Klangmaterial manchmal etwas eingängig anhört -  das Produkt zur Türkei zum Beispiel wie eines zum Osmanischen Reich, aber die Grenzen des Unternehmens sind Antje Hinz bewusst: „Ein Hörbuch kann ein Land – anders als ein umfangreiches Fachbuch - nie erschöpfend darstellen. Das ist auch nicht unser Ziel.“  Auch ein umfangreiches Fachbuch kann ein Land nicht erschöpfend darstellen, da macht sich auch die akademische Kulturvermittlung keine Illusionen. Das Sachhörbuch im Stile Silberfuchs ist zweckdienlich komprimiert und fokussiert auf das Charakteristische einer Epoche, Nation, Kunst- oder Stilrichtung.

Darin liegt aber auch die Gefahr einer Festlegung aufs Klischee, auf das Statische einer Kultur, wie sie traditionellerweise von aussen wahrgenommen wird. Antje Hinz betont eine andere Qualität: „Ein Hörbuch vermag – anders als ein Buch - viel stärker Atmosphäre zu vermitteln, es spricht die Emotionen an, schafft leicht Zugang zum Thema bzw. zum Land mit dem gesprochenen Wort, der Stimme, mit Klängen und Musik. Wir sehen uns in der Tradition des angelsächsischen Raumes, wo die Populärwissenschaft eine weit größere Akzeptanz hat als hier in Deutschland. Hierzulande gibt es diesbezüglich noch großen Nachholbedarf, gerade im Umfeld der aktuellen Bildungsdebatte.“

Kultureller Bildungsauftrag

Cover 'Deutschland hören'
© Silberfuchs-VerlagEin kleiner medialer Grundwiderspruch zeigt sich diesbezüglich ironisch in einer der Silberfuchsproduktionen aus dem Bereich Musik. Das Hörbuch zum barocken Orgelkomponisten Dieterich Buxtehude kommt selbstverständlich nicht ohne Musik aus, aber leider ist von Buxtehudes Lübecker Abendmusiken keine einzige Note überliefert. Was erklingt, sind zwar Töne aus den Orgeln der Hansestadt Lübeck, aber eben keine Lübecker Abendmusik. Über die Hansestadt Lübeck, die Hanse selbst und die Geschichte ihrer reichen Bürger und Patrizier erfährt man einiges, aber das war ja schon immer im Sinne sowohl von Buxtehudes Mäzenen als auch ihrer Nachfahren, der Auftraggeber dieser CD. Man darf optimistisch davon ausgehen, dass für die Silberfuchs Hörbücher auch ein Auftrag vorhanden ist, ein kultureller Bildungsauftrag. Dafür sprechen die Auftragsbücher, der Produktionsplan reicht bis 2015, dafür spricht auch die audiophone und ästhetische Qualität der Produktionen.

Deutschland hören. (Sprecher Rolf Becker. CD 80 Minuten, 2008
Türkei hören. Sprecher Ercan Durmaz. CD 78:40 Minuten, 2008
China hören. Sprecher Rolf Becker. CD 79:55 Minuten, 2008
Lübeck feiert Buxtehude. Das Hörbuch: Stadtgeschichte-Lebensgeschichte.
Mozart – Leben in der Musik. CDs 90 Minuten. Sprecher Henning Westphal
Martin Zähringer
freier Journalist, Berlin

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März 2009

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