Den Publikumsgeschmack prägen – Der Verlag Antje Kunstmann
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Antje Kunstmann |
Ein typischer Frauenbuchverlag ist der Verlag Antje Kunstmann nicht mehr. Die Programmpalette bietet einen speziellen Zuschnitt von deutscher und internationaler Roman- und Prosaliteratur, Gesellschaft, Politik und Ökologie im Sachbuch, höherer Komik der Art Neue Frankfurter Schule und zeitgeistiger Unterhaltung für das größere Publikum. Es ist das gemischte Programm des Publikumsverlags, allerdings mit der ganz persönlichen und unverkennbaren Kunstmann-Note. Auf der Backlist finden sich 260 Titel von 180 Autorinnen und Autoren. Von der Zeitschrift BuchMarkt wurde Antje Kunstmann zur Verlegerin des Jahres 2006 gekürt. Auf die Frage nach ihrer speziellen Verlagsstrategie antwortet Antje Kunstmann: "Eine Strategie würde ich das nicht nennen, eher vielleicht eine Haltung. Das Anliegen des Verlages ist, wie es Kurt Wolff so schön formuliert hat, den Publikumsgeschmack zu prägen, nicht ihm dienerisch hinterherzulaufen".
Satire sorgt für Umsatz
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Greser & Lenz |
Das beruhigt die finanzielle Lage, man kann auch einmal unbekannte Autorinnen und Autoren quer subventionieren, Rücklagen bilden und kürzere Durststrecken überbrücken. Komische Literatur ist eine wichtige Sparte im Programm. Man kann sich auf CD über die unfreiwillige Sprachkomik des einstigen Bundespräsidenten Heinrich Lübke wundern und amüsieren, in Funny van Dannens satirischen Geschichten über Neues von Gott, in Bernsteins Superfusseldüse über eine Anverwandlung des germanistischen Weltwissens der komischen Art. Die höhere Komik der Neuen Frankfurter Schule vertreten auch Robert Gernhard, F.K. Waechter und Chlodwig Poth mit einzelnen Titeln, und der angriffslustige Satiriker Wiglaf Droste erscheint ebenfalls mit CDs und Büchern bei Antje Kunstmann.
Über die Jahre ein internationales Netzwerk
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Véronique Ovalde |
Ein integriertes Programm
Wenn man bei Verlagen die Einteilung in Belletristik und Sachbuchprogramm findet, hängt das oft mit kurzfristigen Trends in den jeweiligen Sparten zusammen. Die Literatur hat ihre Tendenzen, das Sachbuch seine aktuellen Themen. Bei Antje Kunstmann findet man eine etwas andere Struktur: wenn der Ökopolitiker Hermann Scheer sachlich über Grüne Energiepolitik schreibt, Noam Chomsky in einem der wichtigsten Sachbücher des Jahres politisch über den "gescheiterten Staat" und Barbara Ehrenreich investigativ über die Entwertung der Arbeit, dann spiegeln sich solche Problemfelder auch in Barbara Gowdys Elefantenroman, Véronique Olmis Novelle über die Mutter aus den Banlieus oder in Francois Emmanuels Erzählung über den Arbeitspsychologen, der sich plötzlich mit den Denkweisen der Nazivernichtungspolitik konfrontiert sieht. Die integrierte Perspektive des Verlags Antje Kunstmann erreicht globale Dimensionen bis in die Arktis, wo Véronique Ovaldé ein Inuit-Frauenschicksal im Zeichen einer Giftgaskatastrophe imaginiert. Das Konzept des Verlages hat sich über die Jahre bewährt, man leistet sich ein eigenes Lektorat, kontinuierliche Zusammenarbeit mit bewährten Übersetzern und wird auch in Zukunft um die 20 Titel pro Jahr in Kunstmann-Qualität produzieren.
| Literatur
Noam Chomsky: Der gescheiterte Staat. Aus dem Englischen Kollektiv Druckreif-Gockel/Jendricke/Wollermann. 2006, 399 S. Véronique Ovaldé: Alles glitzert. Roman. Aus dem Frz. C Kallscheuer. 2006, 191 S. Barbara Ehrenreich: qualifiziert & arbeitslos. Eine Irrfahrt durch die Bewerbungsindustrie. Aus dem Englischen Kollektiv Druckreif-Gockel/Schuhmacher. 2006, 255 S. Francois Emmanuel: Der Wert des Menschen. Roman. Aus dem Frz. L. Federmair. 2006, 93 S. F. W. Bernstein: Die Superfusseldüse. 19 Dramen in unordentlichem Zustand. 2006, 200 S. Greser&Lenz: Deutschland im Glück. Cartoons. 2006, 285 Seiten Hermann Scheer: Energieautonomie. Eine neue Politik für erneuerbare Energien. 2005, 316 S. Veronique Olmi: Meeresrand. Roman. Aus dem Frz. von R. Nentwig. 2002, 118 S. Lothar Baier: Was wird Literatur? 4 Essays. 2001, 192 S. |
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Februar 2007












