Die neue Netzliteratur
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Herzfassen |
Wer Autor/in werden will, muss viel Zeit, viel Geld und einen langen Atem haben. Schließlich wird kaum jemand einfach so von einem Verlag "entdeckt", landet sofort auf einer Bestsellerliste und verdient Millionen. Nein, im Normalfall braucht es viele Manuskript-Kopien, die für teures Porto an die Verlagslektorate geschickt werden, wo sie dann in einem Riesenstapel auf einem Schreibtisch vergilben – oder ungelesen zurückgeschickt werden.
In der grauen Zone
Zu diesem Schicksal gibt es genau zwei Alternativen: Entweder man versucht, bei einer Literaturagentur unterzukommen, die dann irgendwann vielleicht mal einen Verlag für einen findet. Bis dahin ist man aber sicherlich arm geworden. Oder man wendet sich an einen von der Branche so genannten "Grauzonenverlag". Das sind die, die überall mit Kleinanzeigen wie "Wir veröffentlichen Ihr Buch!" inserieren. Dort muss man aber einen nicht unerheblichen Druckkostenzuschuss zahlen. Auch hier wird man also arm.
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Christian Heinke |
Plötzlicher Erfolg
Erfolgreich: "Wenig später integrierte Apple das Podcast-Abo in ihre iTunes-Software. Eher aus Jux habe ich da meinen Podcast eingetragen und das Ganze eigentlich schon wieder vergessen. Aber dann bekam ich plötzlich Emails von Leuten, die meinen Podcast gehört hatten und fragten, wann es denn weiterginge. Da habe ich bei iTunes nachgesehen ... und fand mich in den Top-Ten zwischen der Tagesschau und Schlaflos in München. Solche Reaktionen hatte ich bisher durch meine Leseproben nicht hervorrufen können!", erzählt Heinke seine Web 2.0-Erfolgsgeschichte.
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Tim Cortinovis |
Schnelligkeit ist ein gutes Argument
Einen Verlag für seinen Thriller hat Heinke dann doch unabhängig vom Podcast gefunden, aber "geschadet hat der sicherlich nicht", glaubt er. Cortinovis hofft noch auf einen Verlag mithilfe des Podcasts, denn "mehrere hundert oder gar tausend Hörer/innen pro Woche sind ein starkes Verkaufsargument". Verkauft man sich da aber nicht unter Wert, wenn vorher schon alles kostenfrei im Netz zu haben war? Heinke verneint das; er stellt keine kompletten Texte ins Netz. Außerdem ist er davon überzeugt, dass Verlage wenig bis keine Kapazitäten haben, im Netz nach neuen Talenten zu suchen. Cortinovis sieht den Reiz und die Herausforderung eher darin, lebendige literarische Formen wie Poetry Slams oder Clublesungen mit Podcasts zu verbinden. Verlage seien zwangsläufig immer langsamer als das Netz: "Die Mehrzahl der Impulse wird wohl von den Usern und Autoren/innen selbst ausgehen. Und der Podcast kann andererseits das gedruckte Buch nicht ersetzen."Zurzeit bemühen sich die Verlage aber, Anschluss ans "social web" zu finden. Bertelsmann, Deutschlands größtes Verlagshaus, arbeitet an einer eigenen Internet-Plattform nach dem Vorbild von MySpace, um so neue, junge Zielgruppen zu erschließen. Die, glaubt man jetzt, geben ihr Geld nicht mehr für Bravo und Popcorn-Kino aus, sondern für Internet-Angebote. Weblogs, Wikis und Podcasts waren auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse im Oktober mit acht Veranstaltungen und einem eigenen Buchmessen-Blog ein wichtiges Thema.
Der junge Dresdner Verlag Voland & Quist hat seit einem Monat einen eigenen Blog, um "seinen Lesern/innen näher sein zu können". Auf der Foto-Site flickr unterhält Voland & Quist einen eigenen Account mit Photostream. Damit hat der Verlag den Charakter von Web 2.0 offenbar verstanden: Alles für alle. It's the network, stupid! Christian Heinke jedenfalls kann dank des Internets fast schon vom Schreiben leben. Und Herzfassen lag mit 2.500 Hörern/innen im September bei iTunes immerhin auf Platz sechs der Podcast-Kulturcharts. Die Nachwuchs-Autoren/innen sollten in Zukunft also lieber in eine schnelle Internetverbindung investieren als ins Porto.
ist Literaturredakteurin des hannoverschen Stadtmagazins STADTKIND hannovermagazin und schreibt regelmäßig über zeitgenössische Literatur für diverse Medien.
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November 2006













