Autobiografische Comics

Vier Fragen an Sebastian Lörscher

Sebastian Lörscher: „Ziegenmilch und Zeichenstift“, Kunstanstifter Verlag, 2011Sebastian Lörscher kam 1985 in Paris zur Welt und ist in Bayern aufgewachsen. Er studierte Kommunikationsdesign an der Fachhochschule in Würzburg, arbeitete dann einige Jahre bei einer Agentur und studierte anschließend visuelle Kommunikation an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Für sein Buch Ziegenmilch & Zeichenstift, das er gemeinsam mit seinem 93-jährigen Großvater gezeichnet hat, bekam er den Nachwuchs-Designpreis Output-Award 2011 verliehen.

Geboren in Paris, in Deutschland aufgewachsen, in Indien und Haiti gelebt – hat dieses Leben deinen Zeichenstil geprägt?

Ich würde sagen, dass mein Zeichenstil europäisch geprägt ist und beeinflusst wurde durch die französischen, belgischen und deutschen Zeichner, die mich seit meiner Kindheit inspiriert haben. Indien und Haiti haben den Grundstil meiner Zeichnungen und die Bildsprache wenig beeinflusst. Dazu waren die paar Monate, die ich in diesen Ländern verbracht habe, dann doch zu kurz.

Die Aufenthalte haben mich aber dazu gebracht, neue Dinge auszuprobieren, insbesondere, was Zeichenmaterial oder Farbgebung angeht. Aber auch meine Herangehensweise an eine Zeichnung und der Umgang mit dem Motiv ist von Land zu Land verschieden und passt sich den Gegebenheiten und Menschen vor Ort an, zumal ich häufig im öffentlichen Raum zeichne.

Diashow Sebastian Lörscher
Diashow

Deine Comicprojekte haben viele autobiografische Elemente. Gibt es etwas, was du nicht oder nur ungern erzählen möchtest?

Mit der autobiografischen Erzählweise kann man sehr gut eigene Erfahrungen, Empfindungen und Gedanken in die Handlung mit einbringen. Das macht das Ganze spannend für den Leser. Als Zeichner stellt man sich natürlich die Frage, wie viel man von sich preisgeben möchte. Ich habe kein Problem damit, mich wie in meinem Comic Muskulöse Zeiten über mich selbst lustig zu machen oder wie in meinem Buch Ziegenmilch & Zeichenstift aus meiner Lebensgeschichte zu erzählen. Aber alles muss der Leser nicht wissen! Neunzig Prozent in meinen autobiographischen Werken entsprechen der Wahrheit, die restlichen zehn Prozent sind erfunden. Wie diese Anteile verteilt sind, darf der Leser entscheiden. Das gibt mir einen gewissen Schutz.

Zeichnest du viel – und was ist schwer zu Zeichnen?

Ich habe immer mein Skizzenbuch dabei und zeichne, wann immer es geht. Das ist die beste Übung und hilft mir, auf neue Ideen zu kommen. Schwer fällt es mir, jemanden zu skizzieren, den ich gerne mag. Noch schlimmer: eine hübsche Frau, die ich gerne mag. Da wird man immer nervös und hat Bammel, dass das Resultat hässlich wird. Wenn’s dann aber doch hinhaut, ist’s umso schöner.

Dein Tipp für Nachwuchs-Zeichner?

Kauft euch ein Skizzenbuch, zeichnet immer und überall und so oft wie nur möglich. Und habt keine Angst, einen Fehler zu machen. Denn beim Zeichnen kann man keinen Fehler machen. Ausnahme: Man zeichnet eine hübsche Frau hässlich.

Rieke Harmsen führte das Interview.


Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
Mai 2013

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