Avantgarde

Vier Fragen an Anna Haifisch

Sie zeichnet Füchse und Schlangen sowie allerlei seltsames Getier, und so ist es nur logisch, dass sie sich Anna Haifisch nennt. Sie wurde 1986 in Leipzig geboren, wo sie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in der Illustrationsklasse von Professor Thomas M. Müller studierte. Sie arbeitet als Siebdruckerin, gibt verschiedene selbstpublizierte Fanzines heraus und veröffentlichte in Anthologien wie Two Fast Colour oder Smoke Signal. Annas Zeichnungen erzählen von skurrilen Begegnungen und Alltagserlebnissen zwischen Punk-Konzert und Besäufnis, U-Bahn und Gosse.

Woher kommt deine Leidenschaft für Füchse – und wer sind die „Buddies“?

In Leipzig gibt es viele frei herumlaufende Füchse. Ich sah mal einen nachts aus der Nikolaikirche kommen. Der hat sicher kurz gebetet und ein bisschen im Gesangbuch gelesen. Jetzt gerade, während ich diese Frage beantworte, läuft ein kleiner Fuchs die Straße herunter. Er hat ein winzig kleines Cape an und faucht!

Die „Buddies“ sind meine verblödeten Freunde, die sich immer schlecht benehmen. Andauernd muss man sich entschuldigen. Die „Buddies“ sind faul, und eine bestimmte Haltung vertreten sie auch nicht, dafür sind sie zu dumm.

Diashow Anna Haifisch
Diashow

Du hast in Leipzig studiert und warst dann mit einem Stipendium in Brooklyn: Wovon hast du am meisten profitiert?

Das Beste waren die Leute, die ich in Brooklyn traf. Durch James Turek habe ich mich wieder den Comics gewidmet, durch meinen Boss Wolfy Part II habe ich gelernt, dass man in wenigen Stunden ein Poster zeichnen und drucken kann. Das hat einen Haufen Spaß gemacht. Eine große Inspiration war natürlich auch die Stadt. Ich habe pro Woche drei bis vier Konzerte mit mehr oder weniger guten Bands gesehen, dann die ganzen Ausstellungen – ich habe mich keine Sekunde gelangweilt.

Profitiert habe ich auch von „Four Looks“. Das ist das Getränk, das die Buddies immer trinken. Das ist eine Art „Alkohol-Limo“ mit irgendwelchem Energiezeug drin. Es ist mittlerweile in New York verboten. Die „Four Looks“ kamen in vier verschiedenen Geschmacksrichtungen auf den Markt und schmeckten absolut ekelhaft. Doch nach einer Dose benahm man sich wie einer von den „Buddies“. Nach zwei Dosen gingen den meisten dann die Lichter aus. Eine Inspiration für die „Buddies“-Comics!

Was ist der besondere Reiz an einem Risograph-Drucker, mit dem du arbeitest?

Der Risograph ist eine großartige Mischung aus Kopierer und Siebdruck. Anstatt eines Toners schiebt man eine Farbwalze seiner Wahl hinein und kann durch überdrucken mehrerer Farben ein buntes Bild entstehen lassen. Der größte Vorteil ist, dass der Risograph unheimlich schnell ist. Ich bin immer sehr ungeduldig und will möglichst schnell ein Ergebnis sehen, deshalb liebe ich diese Technik so sehr. Man kann mit dem Risographen seine eigenen Bücher in einer ordentlichen Auflage produzieren. Das ist ziemlich wunderbar und macht diese Technik für Zeichner so unglaublich attraktiv.

Du hast studiert und auch als Lehrkraft an der Kunstakademie in Leipzig gearbeitet. Wie hast du den Wechsel von einer Studentin zur Dozentin erlebt?

Ich war als Assistentin tätig. Am Anfang hatte ich schon Sorgen, ob das richtig ist, wenn man viele der Studenten noch aus dem eigenen Studium kennt. Aber ich war ja nicht als Autorität dort angestellt, sondern vielmehr war es meine Aufgabe, die Studenten zu motivieren und neue Zeichner als Inspirationsquelle vorzustellen. Es war cool zu sehen, welche Talente es unter den Studenten gibt. Sicher hat die Zeit auch meine eigene Arbeit beeinflusst. Das „Lehren“ hat großen Spaß gemacht. Es war die erste Tätigkeit, die sich nicht wie Arbeit angefühlt hat. Eigentlich optimal.

Rieke Harmsen führte das Interview.


Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
Mai 2013

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