Avantgarde

Sechs Fragen an Schlogger

Schlogger: GehirnfürzeJohanna Schlogger Baumann arbeitet als selbständige Comiczeichnerin. Ihr Blog schlogger.de wurde 2012 für den Sondermann-Comicpreis nominiert. Ein Jahr später bekam die 1986 geborene Zeichnerin den Lebensfenster-Preis für grafisches Bloggen verliehen. Baumann macht ihren Master of Science in Medien und Kommunikation und pendelt derzeit zwischen Freiburg und Hamburg hin- und her.

Dein Comic „Danach“ entstand als Bachelorarbeit an der Hochschule für Medien- und Informationswesen in Offenburg und wurde vom Panini-Verlag veröffentlicht. In dem Buch geht es um Trennungsgeschichten. Trennen sich Frauen anders als Männer?

Schlogger: danachFrüher dachte ich, dass sich Männer direkter trennen als Frauen. Aber mittlerweile haben sich die Geschlechterrollen so vermischt, dass man das nicht mehr sagen kann. Beide können Angst vor dem Alleinsein haben und Frauen können genauso lax zwischen Partnern wechseln, wie man das vielleicht stereotypisch von Männern erwartet.

Du hast innerhalb weniger Wochen den Jahreskalender „2013, fuck yeah!” produziert – mit Werken von 26 Comiczeichnern. Wie kam es dazu?

Der Reiz an dem Projekt war erstens, dass man ein schönes Objekt hat, das man mit vielen verschiedenen Zeichnern füllen kann. Zweitens sind Kalender leichter auf den Markt zu bringen als ein Comicband, weil jeder einen Kalender „braucht“ und man ihn sich schön illustrativ hinstellen oder hinhängen kann. Ich finde den Kalender sehr gelungen und freue mich alle 15 Tage (ein Monat hat jeweils zwei Illustrationen) auf das neue Blatt. Ich werde also demnächst Anfragen für „2014, Fuck Yeah!“ an meine Kollegen schicken.

Diashow Schlogger
Diashow

Wie arbeitest Du?

Ich mache grobe Layout-Skizzen auf Papier und zeichne dann nur digital mit Grafiktablet. Ein großer Vorteil ist, dass man sehr viel schneller korrigieren kann. Das kann allerdings auch der große Nachteil sein: Wenn man immer sofort alles rückgängig machen kann, lernt man nicht, eine gerade Linie zu ziehen, weil man es einfach so lange versucht, bis es zufällig klappt.

Worauf kommt es an beim Zeichnen?

Da muss ich überlegen. Ich glaube, das kann ich pauschal nicht beantworten, da jeder seinen eigenen Stil hat oder finden kann. Für mich ist ein genauer emotionaler Ausdruck in der Figur wichtig – und dafür braucht man oft große Augen. Dafür sind meine Zeichnungen nicht sehr räumlich, realistisch oder hintergrundlastig, das können andere besser!

Worin liegt die „Kunst der Wahrnehmung“ beim Zeichnen?

Schlogger: Gehirnfürze.Ich denke, die Kunst liegt nicht unbedingt in der Wahrnehmung, sondern in der Weiterverarbeitung. Die meisten Zeichner haben spontane Gedankengänge – die ich als Gehirnfurz bezeichne – nur setzen wenige diese Gedanken zeichnerisch um. Der Reiz dieser Gedanken für die Leserinnen kommt von diesem „Ah, das kenn ich!“-Gefühl.


Du arbeitest auch an Filmen, wo eine Figur zigmal gezeichnet und verändert werden muss. Macht das Spaß?

Puh, ich muss ehrlich sagen, dass ich diese Arbeit selbst nicht besonders reizvoll finde. Dafür ist das Endprodukt umso beeindruckender: Die Figur kann reden, gehen oder ein Schnabeltier aus einem Tiefkühler hacken. Alles ist möglich!

Wie kam es zu Deinem Künstlernamen „Schlogger“?

Schlogger

Rieke Harmsen führte das Interview.


Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
August 2013

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