Kindercomics

Vier Fragen an: Lika Nüssli

Lika Nüssli

Lika Nüssli ist eine Grenzgängerin: Sie malt, zeichnet, illustriert und arbeitet als Performance-Künstlerin. Die schweizer Künstlerin wurde 1973 in Gossau, St.Gallen geboren und besuchte nach der obligatorischen Schulzeit den Vorkurs an der Schule für Gestaltung in Romanshorn, um sich anschließend in Herisau in Textildesign weiterzubilden. Von 1997 bis 2001 studierte sie an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Luzern Visuelle Kommunikation, Fachrichtung Illustration. Seit 2001 ist sie freischaffende Illustratorin und hat 2006 den 1. Preis des Schweizer Bilderbuchwettbewerbs gewonnen. Lika Nüssli lebt und arbeitet in St. Gallen.

Du hast erst Textildesign studiert und dann Illustration. Was hast Du aus dieser Zeit mitgenommen?

Lika NüssliAls Textildesignerin habe ich gelernt, mit Farben, Mustern, Formen und Schönheit umzugehen. Ich habe angefangen, mich zu entfalten. Und ich habe gelernt, wirtschaftlich zu denken. In der Fachklasse Illustration wurde mir bewusst, dass ich eine eigene Bildsprache finden muss. Meine Eigenart habe ich aber erst nach ein paar Jahren Berufserfahrung gefunden.

Mit Deiner fantastischen Geschichte „Unterm Bett ein Wunderstein" hast Du 2006 den 1. Preis des Schweizer Bilderbuchwettbewerbs gewonnen. Wie kam es zu diesem Projekt?

Lika NüssliIch hatte mich schon einmal an dem Wettbewerb beteiligt und nicht gewonnen. Beim zweiten Mal hatte ich die nötige Zeit und Ausdauer, die es braucht, um einen guten Vorschlag einzureichen. So ein Projekt muss man sich leisten können. Auch muss man den Mut aufbringen, sehr lange ins Blaue hinein zu arbeiten, ohne zu wissen, was dabei herauskommt.

Neben Kinder- und Jugendbüchern zeichnest Du auch Geschichten für Erwachsene, wie die erotische Erzählung „Der Sonntagsbraten", oder illustrierst Magazine und arbeitest für die Werbeindustrie. Wie arbeitest Du?

Lika Nüssli: SehnsuchtIch habe eine ganz eigene Technik aus dem Textildesign entwickelt, die aus vielen Schichten besteht. Diese Technik hat sich mit der Zeit immer weiter verfeinert und wurde zu einem ganz eigenen Stil. Ich fange mit Linien an, die ich dann schwarz zumale, um die Flächen und Figuren dann wieder neu zu finden und freizulegen. Diesen Untergrund aus Licht, Schatten und Struktur koloriere ich im letzten Arbeitsgang. Meist beschäftige ich mich lange mit einem Bildmotiv – ich muss richtig in es hineinwachsen.

In Deinen „Instant-Geschichten" und Performances zeichnest Du live und beziehst die Zuschauer mit in die Geschichte mit ein. Worin besteht der Reiz dieser Veranstaltungen?

Das ist Spaß pur – und absolute Freiheit. Beim Zeichnen habe ich keine Zeit zum Nachdenken. Es überrascht mich selber, was bei diesen Aktionen herauskommt.

Welches sind die drei schweizerdeutschen Worte, die jeder kennen sollte?

Gschmogä – bedeutet knapp, weil ich immer grad so knapp mit allen fertig werde. Das Gefühl kennt jeder, der Comics zeichnet...

Plägere – bedeutet Faulenzen. Danach sehne ich mich oft und komm so selten dazu, aber wenn, dann ist es paradiesisch und ich genieße es unglaublich.

Bigoscht – bedeutet wahr oder wirklich. Der Begriff bedeutet ursprünglich „Bei Gott sein". Aber damit habe ich nicht viel zu tun, abgesehen davon, dass ich im Domchor von St. Gallen singe und mich zuweilen ein wenig verwandt mit Gott fühle: dann nämlich, wenn ich meine Welten erschaffe.

Die Fragen stellte Rieke C. Harmsen.
Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
Juni 2012

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