Kindercomics

Eskapistische Weltentwürfe & phantastische Abenteuergeschichten – Roland Kohlsaat

Copyright: Lappan VerlagRoland Kohlsaat schuf mit Jimmy das Gummipferd die längste und populärste Strip-Serie in der deutschen Comic-Geschichte. Von 1953 bis kurz vor seinen Tod 1977 erschienen die Abenteuer des Gauchos Julio mit seinem außergewöhnlichen Pferd Jimmy im Sternchen, der Kinderbeilage der wöchentlichen Illustriertenzeitschrift Stern.

Eskapistische Weltentwürfe, phantastische Abenteuergeschichten und ein gehörige Portion Humor machten die Serie neben Manfred Schmidts Nick Knatterton zum ersten und beliebtesten Comic-Klassiker im Nachkriegsdeutschland. Denn in punkto Originalität und Einfallsreichtum übertraf Kohlsaat mit Jimmy das Gummipferd jedweden Comic-Strip. Während sich Deutschland im Wiederaufbau befand und der Kalte Krieg über Jahrzehnte das politische Klima prägte, entwarf Kohlsaat eine Gegenwelt, die von Abenteuer und Freundschaft handelte. Nur ein einziges Mal findet sich ein politischer Kommentar: In einem Strip von 1962 beendet Julio den Kampf zwischen roten und schwarzen Affen mit den Worten: „Halt Amigos! Dieser Baum ist groß genug für alle.“

Während sich die reale Welt in wirtschaftlichen und politischen Umwälzungen befand, lieferte in dem Comic-Strip das Pferd des Gauchos die Lösung aller Probleme. Jimmy das Gummipferd hat übernatürliche Kräfte, denn es kann nicht nur galoppieren und schwimmen, nein, es kann noch viel mehr. Es ist imstande zu fliegen und zu tauchen, es hat die Fähigkeit, seine Form in Größe und Gestalt zu verändern, so dass es geknautscht oder gar als Lasso und Fallschirm verwendet werden kann. Auf Jimmy ist Verlass, er ist der Retter in der Not und hilft seinem Besitzer Julio aus jeder misslichen Lage, ob im Kampf gegen Zentauren, Geiermenschen, Roboter oder Riesenbienen.

Auch in der Gestaltung seiner Serie belegte der gelernte Lithograph, Maler und Bildhauer Kohlsaat eine äußerst vielfältige Phantasie. Da er nur eine weitere Zusatzfarbe verwenden durfte, arbeitete er mit roter und schwarzer Tusche. Durch entsprechende Verdünnung erreichte er die unterschiedlichen Farbabstufungen und schuf mit jedem Einzelbild ein malerisches Kunstwerk. Aber auch im Ablauf der Bildfolgen und in der Inszenierung der Figuren bewies Kohlsaat großes Talent und vollbrachte eine Pionierleistung in der deutschen Comic-Historie. Mit Jimmy das Gummipferd schuf Kohlsaat einen zeitlosen Klassiker, den er selbst liebevoll und umso treffender als „Pop-Odysee“ bezeichnete.

Matthias Schneider
ist Kulturwissenschaftler, freischaffender Kultur-Journalist und kuratiert Filmprogramme und Ausstellungen zum Thema Comic.

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März 2005

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