Comicwelt

Comic-Festivals

Angoulême, Luzern, Erlangen und Linz sind nicht gerade europäische Metropolen. Und doch sind diese Städte aus dem kulturellen Leben nicht mehr wegzudenken: Hier trifft sich regelmäßig die gesamte Comicbranche. Die Festivals in Frankreich, der Schweiz, Deutschland und Österreich sind grenzüberschreitend und eine wichtige internationale Plattform für die deutschsprachige Comic-Szene.

Internationaler Comic-Salon Erlangen


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Als der erste Comic-Salon Erlangen im Jahr 1984 ins Leben gerufen wurde, hätte kaum jemand gedacht, dass diese Veranstaltung zum bedeutendsten Comicfestival im deutschsprachigen Raum werden würde. Reisten damals knapp 40 Zeichner in die mittelfränkische Hugenottenstadt, um ihre Comics und Cartoons zu präsentieren, zählt das alle zwei Jahre im Juni stattfindende Festival inzwischen rund 200 Künstler und mehr als 20.000 Besucher. Die Veranstaltungen sind über die gesamte Stadt verteilt: Im Kongresszentrum präsentieren sich die Verlage und die Comic-Tausch-Börse, im Rathaus finden Workshops und Diskussionsforen statt, es gibt Theatervorstellungen, Filmabende und Lesungen. Prominente Gäste wie Moebius, Jacques Tardi, Art Spiegelman, Don Lawrence oder Jim Lee, aber auch deutsche Künstler wie Hansrudi Wäscher, Ralf König oder Flix haben das Festival schon besucht. Bestandteil des Programms ist auch ein Deutsch-Französisches Comiczeichner-Seminar, dessen Ergebnisse auf dem Festival präsentiert werden. Außerdem wird bei einer feierlichen Gala im Markgrafentheater der Max-und-Moritz-Preis verliehen.

Comicfestival München

Um einiges kleiner, aber nicht weniger spannend ist das Comicfestival München. Hervorgegangen aus den Vorläufern Comicfest München und Comicologischer Kongress, öffnet das Festival alle zwei Jahre – im Wechsel mit Erlangen – im Juni seine Pforten im Künstlerhaus am Lenbachplatz. Wichtig ist den Festivalveranstaltern die thematische Ausrichtung – im Jahr 2011 wurde beispielsweise das Comicland Spanien mit Ausstellungen und Workshops vorgestellt. Außerdem präsentieren sich Verlage und Künstler, es gibt eine Comic-Börse, Zeichenkurse für Kinder sowie Events wie einen Cosplay-Wettbewerb für die schönsten Manga-und Anime-Kostüme. In den vergangenen Jahren konnten zahlreiche Einrichtungen als Partner gewonnen werden, darunter das Jüdische Museum, das Bier- und Oktoberfestmuseum oder das Karl-Valentin-Musäum. Auf dem Festival werden der Peng!- Münchner Comicpreis und der ICOM Independent Comicpreis verliehen.

Comicfestival Hamburg

Logo Comicfestival Hamburg © Comicfestival Hamburg

Der Fokus des seit 2006 stattfindenden Comicfestivals Hamburg liegt auf dem europäischen Independent-Comic. Neben etablierten Comickünstlern wie Anke Feuchtenberger und Birgit Weyhe präsentieren die Organisatoren vor allem den Nachwuchs der europäischen Comic-Szene. Das nichtkommerzielle Festival wird ehrenamtlich von Künstlern organisiert, unter ihnen Arne Bellstorf und Sascha Hommer, die auch zu den Initiatoren des Festivals gehören. Neben den Hauptausstellungen werden in sogenannten „Satelliten"-Ausstellungen auch ungewöhnliche Orte bespielt: Buchläden, Fahrradwerkstätten, Restaurants und Cafés. Im Rahmen des Festivals präsentieren die Studierenden der Hochschule für Angewandte Wissenschaften im Fach Illustration jährlich ihre neuesten Arbeiten.

Regionale Comic-Veranstaltungen

Wem die Festivals von Erlangen, München und Hamburg nicht genügen, findet quer durch die Republik weitere Angebote. Fast jede größere Stadt richtet eigene Comic-Veranstaltungen aus oder beteiligt sich am bundesweiten Gratis-Comictag. In Dresden zum Beispiel veranstalten der Mosaik-Verlag, Beatcomix, der Holzhof-Verlag und der Comicladen im Mai ein Comicfestival – ein kleiner, aber feiner Szenetreff für Künstler wie Fans. Das Ostseebad Prerow wird in den Sommermonaten zum Festivalort für Cartoonair am Meer. Unabhängig davon bieten die jährlichen großen Buchmessen in Frankfurt und Leipzig stetig wachsende eigene Comicbereiche.

Schweizer Nachwuchsförderung

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Als Netzwerk für Künstler und Förderstätte für den Nachwuchs versteht sich das internationale Comix-Festival Fumetto in Luzern (Schweiz). Das Festival wurde 1992 ins Leben gerufen und zählt mit rund 50.000 Besuchern jährlich zu den führenden Comicereignissen in Europa. Neun Tage lang sind 20 Hauptausstellungen und 50 Satellitenausstellungen zu sehen – namhafte Zeichner werden ebenso präsentiert wie junge Talente. Ein Anliegen der Organisatoren ist die multimediale Vermittlung von Comics. Deshalb werden Zeichenkurse für Kinder, Veranstaltungen für Schulklassen, Workshops mit Hochschulen, Künstlervorträge und Gespräche angeboten. Ein weiterer wichtiger Programmteil ist der internationale Wettbewerb, ausgeschrieben in drei Alterskategorien. Als Preisträger für die Fumetto-Schleuder kommen nur junge Künstlerinnen und Künstler infrage, die im Rahmen der Auszeichnung mit einer Ausstellung und einer Erstpublikation gefördert werden.

Comicfestival Linz: Zwischen Pop und Kunst

Comicfestival Linz: Zwischen Pop und Kunst

Das Next Comicfestival in Linz (Österreich) ist noch jung. 2009 wurde es zum ersten Mal organisiert, damals unter der Schirmherrschaft des bekannten Linzer Karikaturisten Gerhard Haderer. Er präsentierte bei diesem Anlass nicht nur sein „kleines Schundheftl“, sondern sorgte auch dafür, dass Verlage und Comicgruppen aus Wien und Graz in die oberösterreichische Industrie- und Arbeiterstadt kamen. Das Festival findet im März statt, zählt inzwischen rund 25.000 Besucher und verbindet Pop und Subkultur mit der hohen Kunst der Zeichnung. Zum Programm gehören ein thematischer Wettbewerb sowie ein Artist in Residence Stipendium für Künstler. Wichtigste Schauplätze sind das OK Centrum für Gegenwartskunst, das Ars Electronica Center, das Architekturforum, der Kulturverein Kapu und die Galerie Maerz. Weitere Veranstaltungen gibt es in Wels, Gmunden und im Karikaturmuseum Krems.

Animation und Trickfilm


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Der künstlerische Animationsfilm steht traditionell im Mittelpunkt des 1982 gegründeten Internationalen Trickfilmfestivals in Stuttgart. Sechs Tage lang flimmern Kurz- und Langfilme über die Leinwand. Regisseure, Zeichner und Produzenten stellen sich dem Publikum im Rahmen von Workshops, Podiumsdiskussionen oder Präsentationen. Verschiedene Wettbewerbe – für Kinder, Jugendliche, Studenten, Profis – sind mit Preisgeldern in der Gesamtsumme von rund 60.000 Euro verbunden.

Manga und Anime

Schrille Kostüme, Kostümspiele und viel Musik prägen die verschiedenen mehrtägigen Manga- und Animeconventions. Tausende Menschen strömen in Messehallen, um an Wettbewerben teilzunehmen, Kleidung oder Accessoires zu kaufen und vor allem, um Gleichgesinnte zu treffen. Oft verabreden sich die Fans über Internetforen und bekunden ihren Zusammenhalt durch eine einheitliche Kleidung (Cosplay) zu einem bestimmten Thema. Die größten deutschsprachigen Conventions sind die AnimagiC in Bonn und die Connichi in Kassel mit jeweils rund 10.000 Besuchern. Die Connichi ist seit 2005 auch Austragungsort des deutschen Vorentscheids für den internationalen Cosplay-Wettbewerb World Cosplay Summit, dessen Finale im japanischen Nagoya veranstaltet wird.

Rieke C. Harmsen
ist Kunsthistorikerin und Redakteurin des Evangelischen Pressedienstes (epd) in München.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
Januar 2012

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