Institutionen

Comic-Museen in Deutschland

Wilhelm-Busch-Museum
Copyright: Wilhelm-Busch-Museum HannoverEin Museum, das sich der Geschichte des deutschen Comics widmet, regelmäßig Sonderausstellungen mit Originalzeichnungen namhafter Comic-Zeichner zeigt und über ein umfangreiches Archiv mit Bibliothek verfügt – das gibt es in Deutschland nicht und wird es wohl auch auf absehbare Zeit nicht geben.

Deutsche Zeichner wie Wilhelm Busch und Rudolph Dirks haben vor allem in den Anfangszeiten maßgeblich die Entwicklungsgeschichte des Comics geprägt. Die NS-Ideologie und später die bildungspolitische Debatte der 1950er-Jahre stigmatisierte Comics als minderwertige „Schundliteratur“. Nur langsam konnte sich das Genre im Nachkriegsdeutschland von diesem Ruf befreien. Mittlerweile widmen sich einige Einrichtungen dem Thema Comics.

Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst – Wilhelm Busch

Das bedeutendste Museum für Comic-Liebhaber ist das Deutsche Museum für Karikatur und Zeichenkunst in Hannover. In dem 1780 erbauten Georgenpalais in den Herrenhäuser Gärten befinden sich rund 400 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Im Obergeschoss dokumentiert eine ständige Ausstellung das Leben und Werk von Wilhelm Busch (1832–1908). Der Maler und Zeichner schuf Figuren wie Max und Moritz, den Unglücksraben Hans Huckebein oder Die fromme Helene, und gilt mit seinen drastisch-komischen Bildergeschichten als Urvater des deutschen Comics.

'Schneider Böck', Wilhelm Busch, aus: Max und Moritz, 1865
Copyright: Wilhelm-Busch-Museum Hannover

Im gleichen Gebäude werden regelmäßig Sonderausstellungen mit Karikaturen und Comics präsentiert, etwa von William Hogarth, Honoré Daumier, Carl Barks, Walt Disney, Hergé, Tomi Ungerer, Manfred Deix, Gottfried Helnwein und Roland Topor. Das Museum zählt zu den wenigen Einrichtungen in Deutschland, in denen Comic-Geschichte gesammelt wird. In den vergangenen Jahren wurden Nachlässe mit Originalzeichnungen und Dokumenten von Friedrich Karl Waechter, Loriot, e. o. plauen oder Roland Kohlsaat erworben.

caricatura museum Frankfurt

'Caricatura Museum Frankfurt', gezeichnet von Greser&Lenz
Copyright: Greser&LenzIm Oktober 2008 wurde das caricatura museum – Museum für komische Kunst in Frankfurt am Main eröffnet. In dem mittelalterlichen Gebäude zwischen Dom und Main werden regelmäßig einzelne Künstler vorgestellt, so etwa das Werk des satirischen Zeichners Hans Traxler oder des Cartoonisten Bernd Pfarr. Zum Museum gehört eine Medienlounge, es gibt Lesungen, Buchpräsentationen und Kabarett-Abende, und in der gemeinsam mit der Kasseler Galerie Caricatura veranstalteten Akademie für Komische Kunst können sich junge Comiczeichner bei Kursen Tipps und Ratschläge von Profis holen. Langfristig möchte das Museum ein „Archiv der Komik und komischen Zeichnerei“ aufbauen, in dem Interessierte aus aller Welt die „Erzeugung des Lachens mit künstlerischen Mitteln“ erforschen können.

Galerie Caricatura Kassel

Caricatura Kassel„Komische Kunst“ zeigt auch die Galerie Caricatura im Kulturbahnhof Kassel. 1984 als Verein zur Förderung „medienspezifischer Kultur und Kommunikation“ gegründet, hat sich die Galerie in der ehemaligen Kleiderkammer der Bundesbahn inzwischen als Ausstellungsort etabliert. Regelmäßig werden Werkschauen einzelner Künstler gezeigt – wie unter anderem das Werk von Greser & Lenz, Ernst Kahl, Til Mette oder Friedrich Karl Waechter. Zur Galerie gehört ein Shop mit Postkarten, Druckgrafiken und Büchern, und gelegentlich werden Workshops für Comiczeichner und Cartoonisten veranstaltet.

Erika-Fuchs-Haus. Museum für Comic und Sprachkunst

Park und Geldspeicher, Ausstellung Erika-Fuchs-Haus 1865
Copyright: Erika-Fuchs-Haus
Das Museum für Comic und Sprachkunst im bayerischen Schwarzenbach an der Saale im Landkreis Hof wurde im August 2015 eröffnet. Das Museum erinnert an die Übersetzerin Erika Fuchs (1906-2005), die mehr als ein halbes Jahrhundert lang in Schwarzenbach lebte. Erika Fuchs war von 1951 bis 1988 Chefredakteurin und Übersetzerin der deutschen Micky-Maus-Ausgaben. Mit ihren kreativen Wortschöpfungen und Lautmalereien verlieh sie den Figuren der US-amerikanischen Comicserie „Duckburg“ eine ganz eigene deutsche Prägung. Der Rundgang durch das Museum führt durch „Entenhausen“ und stellt einzelne Figuren vor. Der Zeichner Simon Schwartz hat einen biografischen Comic über Erika Fuchs gezeichnet. Zum Museum gehören eine Bibliothek und eine Galerie, die zeitgenössische Comic-Künstler präsentiert. Finanziert wurde das rund fünf Millionen teure Museum von Bund, Land und Kulturstiftungen.

Olaf Gulbransson Museum Tegernsee

Olaf Gulbransson, Selbstporträt
Copyright: Olaf Gulbransson Museum, TegernseeSonderausstellungen mit Werken Comic-Zeichnern zeigt gelegentlich auch das Olaf Gulbransson Museum in Tegernsee, knapp 40 Kilometer südlich von München gelegen. Olaf Gulbransson (1873–1958) zählte zu den bedeutendsten Zeichnern und Karikaturisten der legendären Münchner Satire-Zeitschrift Simplicissimus. Das Museum präsentiert das Werk des norwegischen Künstlers und dokumentiert auch die Entstehung der Zeitschrift, für die Zeichner wie Thomas Theodor Heine, Eduard Thöny, Karl Arnold und Schriftsteller wie Frank Wedekind und Ludwig Thoma gearbeitet haben. In dem Museum befindet sich zudem eine umfangreiche Sammlung von Lithografien und Holzschnitten des französischen Künstlers Honoré Daumier (1808–1879), dessen politische und sozialkritische Karikaturen in den Zeitschriften La Caricature und Le Charivari erschienen.

Comic Museum Piccolo Schorndorf

Das Comic Museum Piccolo im baden-württembergischen Schorndorf östlich von Stuttgart wird sich ebenfalls von einem Privatsammler betrieben. In einem Fachwerkhaus präsentiert Robert Reutter seine „Piccolo-Comics“. Die handlichen Hefte wurden in den 1950er-Jahren produziert, zu den Serientiteln zählen die Heldengeschichten von Ritter Sigurd und Dschungelheld Tibor aus der Feder von Hansrudi Wäscher oder Akim und Fulgor des italienischen Zeichners Augusto Pedrazza.

Rieke C. Harmsen
ist Kunsthistorikerin und Redakteurin des Evangelischen Pressedienstes (epd) in München.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Juni 2009, ergänzt Februar 2016

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