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Aus- und Fortbildung für Comic-Zeichner

Wondergirlie“, Szene aus dem Magazin „Triebwerk“ der Kunsthochschule Kassel © Kunsthochschule Kassel„Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“, meinte einst der berühmte deutsche Komiker Karl Valentin (1882–1948). Diese Aussage gilt ganz besonders für die Comic-Branche in Deutschland, denn es gibt weder eine spezielle Ausbildung zum Comic-Zeichner, noch lässt sich mit dieser Kunst viel Geld verdienen.

Der Berufsalltag eines Comic-Zeichners ist vor allem anstrengend. Viele Zeichner verdienen ihren Lebensunterhalt als Grafiker oder Illustrator. Ihre Comic-Geschichten zeichnen sie in der Freizeit. Oft arbeiten Comic-Zeichner deshalb zehn bis zwölf Stunden täglich, Wochenenden inklusive. Als Selbstständige müssen sich Zeichner selbst versichern und gehen ein hohes finanzielles Risiko ein. Und die Suche nach einem Verlag ist mühsam, auch wenn in den letzten Jahren eine Reihe von Verlagen gegründet wurde, die sich an ungewöhnliche Projekte oder unbekannte Autoren wagen.

Ausbildung über Umwege

Der Weg zum Comic-Zeichner verläuft oft über Umwege. Hilfreich ist in jedem Fall ein Studium der Grafik oder Illustration an einer Fachhochschule, Kunsthochschule oder Universität. Die meisten Kunsthochschulen haben strenge Zulassungsvoraussetzungen: Dort muss eine Bewerbungsmappe mit 30 bis 40 Arbeitsproben eingereicht werden, außerdem gibt es eine praktische Eignungsprüfung. Oft müssen für diese Studiengänge Studiengebühren entrichtet werden. Die meisten Hochschulen haben sich auf bestimmte Fachbereiche spezialisiert.

Comic-Zeichner bei der Arbeit © Colourbox

Kunsthochschule Kassel

Die Kunsthochschule Kassel setzt im Fachbereich Visuelle Kommunikation besonders stark auf Illustration und die Kunst des Comics. Der Comic-Zeichner Hendrik Dorgathen, der dort unterrichtet, hält Comics für ein ideales Medium, um auf die multimediale Gegenwart mit Internet, Film, Animation und Computerspielen vorzubereiten. Indem Studierende sich mit Comic-Elementen wie Typografie, Layout, Timing, Licht, Zeichnung und Charakterentwicklung beschäftigen, lernen sie auch, mit diesen Medien umzugehen.

Hamburger Technische Kunstschule – Akademie für Gestaltung

„Two Fast Colour“, Magazin der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg © HAW HamburgDie Hamburger Technische Kunstschule – Akademie für Gestaltung bietet im Fachbereich Design ebenfalls den Studiengang Illustration an. In sechs Semestern lernen die Studierenden hier, Storyboards für Werbeclips, Film-Animationen oder Illustrationen für die Werbebranche zu entwickeln. Comics und Bilderbücher zeichnen steht ebenfalls auf dem Lehrplan. Die Studierenden sollen dabei vor allem eine „eigene künstlerische Position“ entwickeln.

Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg

Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg bietet im Department Design das Fach Illustration als eigenständigen Bachelor-Studiengang an. Im Master-Studiengang Design können die Studierenden Illustration als Schwerpunkt wählen. Unter Anleitung der Professorin und Comic-Zeichnerin Anke Feuchtenberger vertiefen die Studierenden Theorie und Praxis der Illustration und lernen auch Techniken wie Siebdruck, Lithographie und digitale Animation.

Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main

An der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main bekommen die Studierenden im Fachbereich Visuelle Kommunikation ein praktisches und theoretisches Lehrangebot vermittelt. Zum Studium gehören Malen und Zeichnen, Film, Foto und Internet sowie Bühnenbild und Kostümentwurf. In den Theorie-Fächern werden Grundlagen von Mediensoziologie und Wahrnehmungstheorie, Typografie oder Konzeption vermittelt. In den Werkstätten wird mit Papier gearbeitet und die Kunst des Buchdrucks gelehrt.

Hochschule für Angewandte Wissenschaften Augsburg

Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Augsburg bietet Studierenden an der Fakultät für Gestaltung den Bachelorstudiengang „Kommunikationsdesign“ an. Das Studium wendet sich der Uni zufolge an Studierende, die später in der Werbe- oder Medienbranche arbeiten möchten, aber auch an künftige Comic-Zeichner, zumal hier unter anderem der Zeichner Mike Loos unterrichtet. Vermittelt werden theoretische Grundlagen in Designgeschichte und Recht ebenso wie handwerkliche und technische Kenntnisse in Layout- oder Animationssoftware. Zum Studium gehört auch ein Praxissemester.

Szene aus „Strichnin“, Magazin der FH Augsburg © FH Augsburg

Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg

In der Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg gibt es einen Bachelor-Studiengang Design. Die Studierenden sollen sich zunächst in einer Orientierungsstufe mit verschiedenen Modulen beschäftigen, darunter die Bereiche „Film & Animation“, „Grafik Design“, „Typografie“ oder „Illustration“. Im Hauptstudium können sie sich dann spezialisieren und mit eigenen Design-Projekten praktische Kenntnisse gewinnen.

Internationaler Comic-Salon Erlangen

Eine Weiterbildung für Comic-Zeichner bietet der Internationale Comic-Salon Erlangen. Rund zwanzig Personen können an dem Seminar teilnehmen, das einmal im Jahr stattfindet und sich an Comic-Zeichner mit erster Berufserfahrung wendet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiten an Bildgeschichten zu einem gemeinsamen Thema und werden dabei von professionellen Comic-Zeichnern aus aller Welt unterstützt, im Jahr 2014 etwa durch Barbara Yelin und Mawil. Die besten Arbeiten des Seminars werden anschließend auf dem Salon in Erlangen präsentiert.
Rieke C. Harmsen
ist Kunsthistorikerin und Redakteurin des Evangelischen Pressedienstes (epd) in München.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Oktober 2009
(aktualisiert: September 2014)
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