Autoren-Comics

Vier Fragen an: Aisha Franz

Aisha Franz kam 1984 im fränkischen Fürth zur Welt. Sie studierte an der Kunsthochschule Kassel und lebt in Berlin als Comiczeichnerin. Ihr Debütalbum Alien erschien 2011 im Reprodukt-Verlag und erzählt von einem zehnjährigen Mädchen, das ein außerirdisches Wesen bei sich aufnimmt. Im Jahr 2012 erscheint – ebenfalls bei Reprodukt – ein Sammelband zu Brigitte.

In deiner Fortsetzungsgeschichte „Brigitte“ geht ein Hund als Agentin auf Suche nach einer schwarzlippigen Perlenauster. Es wirkt, als ob du die Geschichte aus einer spontanen Idee entwickelt hast. Stimmt das?

Das stimmt, ich habe sehr spontan damit angefangen – ich hatte sogar als allerstes Bild das Cover und fand Brigitte einfach sympathisch und ansprechend. Ich hatte sofort Lust, ihre Geschichte zu erzählen. Während des Zeichnens komme ich dann oft in eine Art „Erzähl-Flow“, die Charaktere beginnen die Story selbst zu bestimmen. So war das auch bei Brigitte. Aber vor allem war es der Spaß an der Sache. Es hat gut getan, sich nach einem so intensiven Projekt wie Alien einfach gehen zu lassen und ohne viel Anspruch an sich selbst drauflos zu zeichnen und es einfach zu genießen.

„Brigitte“ ist zunächst im Selbstverlag erschienen, warum?

Was mich an Minicomics, Fanzines und Selbstverlegen reizt, ist, dass man relativ spontane Projekte ebenso spontan umsetzen und veröffentlichen kann. Genau dieses „Unperfekte“, Rohe und auch Experimentelle macht den Charme selbstverlegter Hefte aus. Ich mag beides: größere Projekte, die mich herausfordern, und eher unambitionierte Projekte, die ich im Copyshop drucke und tackere und auf Festivals verkaufen und verschenken kann.

Mit dem Selbstverlag und dem Kollektiv The Treasure Fleet, das ich mit sechs anderen Berliner Zeichnern gegründet habe, kann ich meine Arbeit auf Festivals und Messen verbreiten und Kontakte zu knüpfen. Und ich habe einen ständigen Austausch mit anderen Zeichnern, ohne den ich die ganze Zeit alleine an meinem Zeichentisch sitzen würde.

Welche Erfahrungen, welche Inspiration hast du von dem Studium bei Hendrik Dorgathen in Kassel mitgenommen?

Ich bin erst über das Studium und über Hendrik Dorgathen zum Comic-Zeichnen gekommen. Hendrik hat uns an das Medium herangeführt, viele Zeichner vorgestellt und mein Interesse dafür geweckt. Für mich erwies sich Comic schnell als interessanteste Möglichkeit, Geschichten zu erzählen. Die Kunsthochschule in Kassel gab mir den nötigen Raum, mich auszuprobieren. Das Studium dort ist sehr frei, man ist an keine Strukturen oder Seminare gebunden. Das war mir persönlich sehr wichtig. Mitgenommen habe ich viel Eigeninitiative und gute Zeichnerkollegen und Freunde, mit denen man auch später zusammenarbeiten kann.

Kannst du dir mit dem Comic-Zeichnen den Lebensunterhalt verdienen?

Von Comics leben kann ich noch nicht. Ich verdiene unregelmäßig Geld über Illustrations-Aufträge oder Lesungen und habe außerdem einen Nebenjob. Momentan versuche ich, mir über diese Jobs genug Raum und Zeit zu verschaffen, um meine Projekte realisieren zu können. Damit bin ich mehr als zufrieden. Mal schauen, was die Zukunft so bringt.

  • Aisha Franz: Alien, Reprodukt-Verlag Berlin 2011 
  • Aisha Franz: Brigitte, Reprodukt-Verlag Berlin 2012
Rieke Harmsen
Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
Februar 2012
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