Autoren-Comics

Vertrauter und verstörender Stil – Ulf K.

Ulf K.Artikel, Besprechungen und Kommentare über und zu Ulf K.s Arbeiten bezeichnen seine Comics stets als „poetisch“. Zu Recht, denn sein reduzierter und filigraner Zeichenstil, mit dem er in einfachen Linien Sets und Charaktere skizziert, sowie seine träumerisch-romantische Erzählweise verleihen den melancholischen Geschichten eine faszinierende Aura, der man sich nur schwerlich entziehen kann.

Ulf K. war anfänglich sowohl von der klassischen Ligne Claire, der klaren, strengen Zeichenweise eines Großmeisters wie des Belgiers Hergé, als auch von aktuellen Vertretern der Nouvelle Ligne Claire wie Stanislas und Joost Swarte inspiriert. Doch längst hat Ulf K. seine Idole neu interpretiert und einen eigenständigen und unverkennbaren Stil entwickelt.

Im europäischen Ausland längst renommiert, wurde Ulf K. erst 2004 als „Bester deutschsprachiger Comic-Künstler“ auf dem Comicsalon in Erlangen mit dem Max-und-Moritz-Preis geehrt. Ulf K. entwirft und realisiert seine Comics mit viel Liebe zum Detail und legt dabei stets besonderen Wert auf Gestaltung und Druck. Seine Publikationen sind bibliophile Kleinode, deren Zeichnungen eine hohe grafische Perfektion belegen und, einzeln betrachtet, einen starken illustrativen Charakter haben. Dafür stehen z. B. sein Bilderbuch Sternennächte (2004), das er für verliebte Melancholiker schuf und das wunderbare Kinderbuch Der kleine Herr Paul (2004), das in Zusammenarbeit mit Martin Baltscheit entstand. Mit dem Autor Baltscheit verbindet Ulf K. eine langjährige intensive Zusammenarbeit, aus der Bücher wie Felline, Professor Paul und der Chemiebaukasten, Der kleine Herr Paul im Schnee, Der kleine Herr Paul macht Ferien, Leuchte Turm, leuchte, Letzte Mahnung und Kurz der Kicker hervorgegangen sind. 2008 wurde ihr gemeinsames Buch Der kleine Herr Paul stellt sich vor von der Stiftung Buchkunst, in der Rubrik Kinder- und Jugendbücher, zum schönsten Buch des Jahres 2008 gewählt. Zu Ulf K.s berührendsten Publikationen gehört der Ohne-Worte-Comic Floralia (2002). Darin verwendet Ulf K. an Stelle von Worten Piktogramme in den Sprechblasen und erzählt die tragische Liebe eines Clowns zu einer Blume.

Ulf K.s klarer Zeichen- und Erzählstil produziert beim Leser einerseits ein Gefühl von Vertrautheit, wie man es aus seiner Kindheit zu kennen glaubt, zugleich weiß er aber auch zu verstören. So zum Beispiel, wenn er sich in Tango de la Mort (2000) dem Thema Tod zuwendet oder in Der Exlibris (2000) eine fantastische und spannende Mordserie eines Bücherwurms erzählt. Der Sammelband Hieronymus B. (2007) vereint seine zahlreichen Comicstrips und Episodenerzählungen über den gleichnamigen Büroangestellten. Um seinem kafkaesken Arbeitsalltag entfliehen zu können, träumt sich Hieronymus B. in surreale Welten, in denen Bücher fliegen und Gemälde zum Leben erweckt werden. Die schwarzweißen oder nur mit einer Zusatzfarbe versehenen Bilder entsprechen allein in ihrem Erscheinungsbild dem romantischen Erzählduktus seiner melancholischen und träumerischen Geschichten, mit denen Ulf K. Jung und Alt, Kunst- und Grafik-Liebhaber, Literaturinteressierte und Comic-Fans gleichermaßen zu begeistern weiß.
Matthias Schneider
ist Kulturwissenschaftler, freischaffender Kultur-Journalist und kuratiert Filmprogramme und Ausstellungen zum Thema Comic.

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Mai 2009