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Großes grafisches Können – Calle Claus

Copyright: Calle ClausEs ist die Publikationsform des Comic-Heftes, die es Calle Claus angetan hat. In den USA verbindet man diese seit der ersten Superman-Ausgabe von 1938 mit den Mainstream-Helden in Strumpfhosen. Erst in den 70er Jahren wurden Comic-Hefte als Publikationsform von den unabhängigen und experimentierfreudigen Zeichnern wiederentdeckt und marginal zurückerobert, da man in ihnen Geschichten veröffentlichen kann, die nicht auf Albumlänge gestreckt werden müssen. Und so sind die Protagonisten des Hamburger Comic-Zeichners, Texters, Filmjournalisten, Zeichenlehrers und Illustrators Calle Claus ebenfalls keine Superhelden, sondern Helden des Alltags. Sie haben sowohl mit ihren persönlichen Schwächen zu kämpfen, als auch mit den alltäglichen Widrigkeiten des Lebens. Ob Liebe, Diktat der Mode oder Wunschträume, Calle Claus widmet seine Comics den Problemen der einfachen und liebenswerten, und manchmal auch etwas schrulligen Typen.

Copyright: Calle Claus
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Comics von Calle Claus
In Das Bildnis einer jungen Dame lässt er einen ehemaligen Museumswärter die kuriose Geschichte berichten, wie er sich in das von dem Renaissance-Maler Petrus Christus gemalte Portrait einer Frau verliebt . Als der Museumswärter einer Schülerin mit dem gleichen Antlitz begegnet, gelingt es ihm durch einen Trick, Kontakt mit ihr aufzunehmen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Die Schwäche der Menschen, Wunschvorstellungen und Ideale auf andere Personen zu projizieren, ist ebenfalls Thema des Heftes Zuckerkick. Um die Aufmerksamkeit ihres Popidols zu erheischen, unternimmt die jugendliche Clarissa eine abenteuerliche Typveränderung im Schnelldurchlauf und vergisst dabei ganz ihre eigene Persönlichkeit. Und in dem Mini-Comic Spring stellt sich der Schüler David im Freibad einer Mutprobe, damit seine Angebetete ihn endlich erblickt. In seinem bisher ersten Comic-Buch Findrella greift Claus dieses Thema erneut auf und inszeniert es ausgedehnt in einer bizarren Unterwasserwelt mit Meeresgetier und menschenähnlichen Unterwasserwesen. Ganz ohne Worte erzählt er die Geschichte einer unglücklich verliebten Meerjungfrau, die mit Hilfe modischer Accessoires versucht, sich für ihren Schwarm interessant zu machen. Auch sie muss feststellen, dass Liebe blind machen kann und so realisiert sie erst nach ein paar abenteuerlichen Umwegen, für wen ihr Herz in Wirklichkeit schlägt.

Calle Claus ist ein umtriebiger Akteur der Hamburger Comic-Szene, die, neben der Berliner, zu den kreativsten Deutschlands gehört. In seinen Comics lässt der Zeichner, Illustrator, freie Journalist und Lehrbeauftragter sowohl autobiografische Elemente als auch Zitate aus der Popkultur oder Fiktionales einfließen. Sein großes grafisches Können beweist er mit ausgefeilten Illustrationen, deren Stil zwischen opulenter Textur und reduziertem Strich changiert.

Matthias Schneider
ist Kulturwissenschaftler, freischaffender Kultur-Journalist und kuratiert Filmprogramme und Ausstellungen zum Thema Comic.

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April 2007
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