Autoren-Comics

Fünf Fragen an Felix Mertikat

Felix Mertikat

Sein Erkennungszeichen ist ein Hut, und auch sonst mag Felix Mertikat es gerne extravagant. Mit seinem Debütalbum Jakob (2010) eroberte er die Herzen seiner Leser, kurz darauf folgte seine Detektiv-Erzählung Steam Noir - Das Kupferherz. Für seine düster-traurigen Geschichten schafft Mertikat fantastische Welten.

Diashow Felix Mertikat
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Was hast du studiert, und wie hat dich das Studium beeinflusst?

Ich habe Animation studiert an der Filmakademie in Stuttgart und habe ein halbes Jahr die École de Gobelins in Paris besuchen dürfen. Diese Erfahrungen waren überragend und haben bis heute Einfluss auf meine Arbeiten. Ich sehe mich selbst nicht in einer Tradition eines bestimmten Künstlers. Aber ich will mich stilistisch stets weiterentwickeln und ausprobieren. Derzeit befinde ich mich in einer eher realistisch-naturalistischen Phase meines Schaffens, wobei ich mehr und mehr Tendenzen zur Abstraktion und Vereinfachung entdecke.

Dein erster Comic „Jakob“ war eine Fabel über einen kleinen Jungen, dessen Mutter stirbt, in „Steam Noir“ geht es um eine fantastische Welt und Wesen mit übernatürlichen Kräften. Was war die größte Herausforderung dieser Projekte?

Copyright: Katja PfisterAkzeptanz und Vertrauen für unsere Arbeit zu bekommen. Jakob ist eine Geschichte mit einer ungewohnten Dramaturgie. Wir wollten sie anders erzählen und andere Mittel verwenden. Es hat viel Kraft gekostet, alle Beteiligten von der Seriosität unserer Arbeit zu überzeugen. Dass es in beiden Büchern - Steam Noir und Jakob - um Geister, Seelen und übernatürliche Kräfte geht, ist eher Zufall und hat mit der Schaffensgeschichte zu tun. Die Geschichten sind aus zwei völlig unterschiedlichen, älteren Projekten entstanden. Dass es um Tod geht, ist eher Zufall: Ich selbst sehe mich nicht als spirituellen Menschen, sondern würde mich eher als Atheisten bezeichnen.

Deine Comic-Projekte entstehen in Teamarbeit. Was schätzt du daran?

Teamarbeit hat viele Vorteile. Meine maximale Kreativität entsteht immer erst im Austausch mit anderen. Im Team kann man am besten „herumspinnen“ und entwerfen. Außerdem muss jeder nur die halbe Arbeit machen. Das schont die Kräfte und sorgt dafür, dass sich jeder auf das konzentrieren kann, was er am besten kann. Wenn man unbedingt nach Nachteilen suchen möchte, dann sind das hin und wieder Abstimmungsschwierigkeiten bei der Vision eines Projektes oder der Platz fürs Ego. Wenn man mit beidem umgehen kann, gibt es nichts Besseres als mit einem passenden Autor zu arbeiten - bei mir ist das Verena Klinke.

In „Steam Noir“ erschaffst du eine sehr komplexe, fantastische Welt. Wie hoch ist der Anteil der Planung und Konzeption dieses Universums, wie viel Raum bleibt für Kreativität und Chaos?

Unsere Welt ist tatsächlich sehr komplex und fein gewoben. Den Überblick kann ich behalten, weil ich mich ständig in dieser Welt bewege und einen inneren Plan vor Augen habe. Dabei geht es weniger um die korrekte Position einzelner Städte, als um das richtige Gefühl und die Verstrickungen der Welt. Kreativität bleibt dabei an etlichen Stellen. Selbst nach zehn Jahren gibt es Flecken, die nicht konkretisiert wurden.

Künstler oder Verkäufer sein: Was ist wichtiger?

Jeder muss sich seine eigene „Lücke“ schaffen und künstlerische Entschlossenheit zeigen. Ich glaube an den Mut, etwas Neues und Unbekanntes zu erschaffen: den Mut, sich durch das eigene Werk angreifbar zu machen, den Mut, einen Trend zu setzen, statt ihm zu folgen. Aber natürlich muss man auch darauf achten, dass die Arbeit verkauft werden kann. Denn am Ende wird man als Künstler dafür bezahlt, dass man etwas schafft, was anderen Menschen gefällt. Ich bin Künstler aus ganzem Herzen und möchte das auch bleiben. Das geht nur, wenn ich meine Kunst auch verkaufen kann. Ich möchte nicht an einer Ladentheke stehen müssen, um meine Kunst finanzieren zu können. Das wäre schlimm für mich.

Rieke Harmsen führte das Interview.
Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
November 2012
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