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Fünf Fragen an Lukas Jüliger

Lukas JüligerHass und Verzweiflung, sexuelle Unterdrückung, Missbrauch und Macht: Die Themen, mit denen sich Lukas Jüliger in seinem bildnerischen Werk auseinandersetzt, sind alles andere als heiter. Die Gefühle, die in seinen Zeichnungen und Illustrationen visualisiert werden, verstören und beunruhigen. Jüliger, 1988 geboren, studiert an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Zwei Jahre hat er an seinem Debut Vakuum gearbeitet, mehr als 200 Zeichenstifte dafür benötigt.

Soeben ist Dein Erstlingswerk „Vakuum“ erschienen: Wie kam es dazu? 

Vor über zwei Jahren bin ich mit einer kürzeren Bilderzählung an den Verlag Reprodukt herangetreten. Sie haben mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, etwas Längeres für sie zu machen. Ich habe ja gesagt und angefangen zu schreiben.

Wie ging es dann weiter?

Dem Schreibprozess habe ich ein Jahr gewidmet. Der hatte keine feste Form, weil schwer zu beeinflussen ist, wann Ideen kommen. Ich erinnere mich aber an viele Stunden, in denen ich mit viel Kaffee in meinem Organismus durch mein Zimmer gewandert oder mit sehr lauter Musik auf meinem Bett liegend an die Decke gestarrt habe. Irgendwann waren dann zwei dicke Skizzenbücher mit Gedanken gefüllt, die sich dann mehr und mehr geordnet haben, bis schließlich das fertige Manuskript und das Szenenbuch dabei herauskamen. Zeichnen, Kolorieren und Texten waren im Vergleich dazu routinierte, fast industrielle Prozesse, die aber auch mit viel Frustration und Tiefpunkten verbunden waren. Hauptprobleme waren definitiv die Kombination aus dem Vergehen der Zeit und dem körperlichen Schlafbedürfnis.

Diashow Lukas Jüliger
Diashow

Was hat „Vakuum“ mit Deiner eigenen Biografie zu tun?

Manche Elemente nehmen konkreten Bezug auf mein Leben und meine Vergangenheit, andere sind so etwas wie Stellvertreter für Gefühle, die in ihrer Kombination ein Bild, ein Gefühl oder eine Stimmung ergeben, auf die ich es anlege.

Du arbeitest viel mit Schraffuren, detaillierten Zeichnungen und gedeckten Farben. Wie kam es dazu?

Der Fokus auf Details in vielen meiner Arbeiten hat seinen Ursprung wohl in einem Bedürfnis in mir, ein möglichst klares Bild von dem zu schaffen, was ich ausdrücken möchte. Das kann ein bestimmtes Gefühl, eine Stimmung oder tatsächlich einfach ein Bild, ein Ort sein, den es in meinem Kopf gibt. Ich kann da keine Anleitung geben. Ich bin für mich einfach bei diesem Stil gelandet, indem ich nach meinem Gefühl gegangen bin.

Tod, Sterben und Selbstmord sind wiederkehrende Themen und Bildmotive, so auch in der Kurzgeschichte „Manifesto“, die auf Deiner Homepage zu lesen ist. Kannst Du das erläutern?

Manifesto habe ich vor ein paar Jahren geschrieben und gezeichnet. Das war übrigens die Geschichte, mit der ich bei Reprodukt aufgetaucht bin. Sie gibt den Grundton an für das, was aus meinen Arbeiten spricht. Stilistisch ist die Geschichte so etwas wie die Mutter von Vakuum. Damals war diese Geschichte also wirklich eine Art Manifest für mich und für das, was in mir los war. Nach zwei Jahren konzentrierter Arbeit an Vakuum und eben mit diesen Themen hat sich aber natürlich einiges verändert.

Rieke Harmsen führte das Interview.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion

Januar 2013


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