Autoren-Comics

Fünf Fragen an Markus Färber

Markus Färber: „Down River“ 2010Markus Färber, Jahrgang 1981, stammt aus dem oberfränkischen Selbitz und studierte zunächst Kunstpädagogik in Würzburg. 2004 zog er nach Kassel, um dort Illustration und Comic zu studieren. Nach Studienaufenthalten an den Kunsthochschulen in Lissabon und Halle (bei Professor Georg „Atak“ Barber) schloss er sein Studium Anfang 2011 mit seinem Comicprojekt Reprobus ab und wurde Meisterschüler von Professor Hendrik Dorgathen. Seine Plakatserie für das Junge Theater Göttingen wurde zu den „100 besten Plakaten 2012“ im deutschsprachigen Raum gewählt.

Wie entstand das Buch „Reprobus“?

Die Idee zu Reprobus entstand während eines Studienaufenthaltes an der Burg Giebichstein in Halle. Für ein Semesterprojekt fing ich dort an, jeden Tag ein monochromes Acrylbild zu malen. Es faszinierte mich, die Acrylfarbe lasierend zu verwenden und damit unterschiedliche Färbungen der Grautöne zu erzeugen. Das neue Comicprojekt wollte ich deshalb mit Acrylfarben verwirklichen.

Die beiden Handlungsebenen der Erzählung lassen sich visuell an ihrem unterschiedlichen Stil unterscheiden: Einen Teil habe ich im klassischen Sinne gemalt, den anderen linienbetont und teilweise mit Acrylfarbe gezeichnet. Inhaltlich ist Reprobus vor allem aus der Auseinandersetzung mit meinen christlichen Wurzeln entstanden.

Während meiner Ideenfindungsphase für den Studienabschluss hab ich mich unter anderem näher mit Heiligenlegenden befasst. Vor allem in Hinblick auf den Heiligen Christophorus haben sich für mich so viele interessante Aspekte und Gedanken aufgetan, dass ich diese Figur zum Thema meiner Arbeit gemacht habe.

Diashow Markus Farber
Diashow

Du arbeitest oft mit holzschnittartigen Motiven. Wie kam es dazu?

Ich habe früher viel mit Linoldruck gearbeitet. Vor allem in den ersten Semestern an der Hochschule in Kassel habe ich viel Zeit in der Druckwerkstatt verbracht. Ich liebe den Geruch der Druckfarbe und den Rhythmus der Arbeit an der Maschine. Als ich dann später mit Tusche und Acrylfarbe gezeichnet habe, wirkte sich die kantige Ästhetik des Linoldrucks auf diese Bilder aus. Mir gefällt das Prinzip des Hochdrucks, bei dem man mit der Schnitzarbeit das Licht ins Bild holt. Bei den Acrylbildern arbeite ich ähnlich und bewege mich vom Dunklen ins Helle.

Welche Künstler haben dich beeinflusst?

Bevor ich an die Kunsthochschule kam, haben mich vor allem die expressionistische Grafik und Maler wie Ernst Ludwig Kirchner und Max Beckmann begeistert. Später hat mich die monochrome Ästhetik der Animationsfilme von William Kentridge dazu angeregt, mehr mit Kontrasten und Schatten als mit Farbe zu arbeiten.

Erst während meines Studiums habe ich das Genre der Comics entdeckt und realisiert, dass ich meine Bilder erzählerisch einsetzen kann. Inspiration waren hier Künstler wie Peter Kuper oder Charles Burns. Vor allem aber die symbolisch extrem aufgeladenen Comics von David B. waren für mich visuell und inhaltlich eine Bereicherung. Seine grafisch meisterhaft arrangierten Geschichten sind sowohl fantastisch wie auch politisch, ohne dabei jemals dem Kitsch zu verfallen. Für Reprobus habe ich mich auch von Altarbildern und ikonografischen Darstellungen inspirieren lassen. Da ich in einem religiösen Umfeld aufgewachsen bin, ist mein grafisches Verständnis natürlich von religiösen Symbolen und Gesten beeinflusst.

Wie war deine Zeit als Meisterschüler von Hendrik Dorgathen?

Als Meisterschüler kann man sich ein Jahr lang eigenen Projekten widmen, die vielleicht durch die intensive Arbeit am Abschluss auf der Strecke geblieben sind. Außerdem unterstützt man den Professor auch bei dessen Lehrtätigkeit, wenn es in etwa um die Heranführung der Studienanfänger an das Fachgebiet geht. Diese Arbeit mit jüngeren Studenten war wichtig für mich, da ich dadurch realisiert habe, über welchen Erfahrungsschatz ich nun verfüge, und welchen Spaß es machen kann, diese Erfahrungen zu vermitteln. Wichtig waren auch die Gespräche mit Hendrik Dorgathen – über die Frage, wie es nach dem Studium weitergehen kann, bis hin zu konkreten Honorarvereinbarungen. Während des Studiums befindet man sich in einem geschützten Raum und realisiert dann plötzlich, dass man es da draußen alleine schaffen muss.

Du hast auch für das Theater gearbeitet. Wie war das?

Spannend war vor allem, wie die projizierten Bilder das Raumgefühl und die Atmosphäre der jeweiligen Szene bestimmen – und wie die Schauspieler auf diese Räume reagieren. Es war ein großes Experiment für alle Beteiligten, auch weil es für die Schauspieler neu war, mit einer teilweise animierten Projektion zu arbeiten. Ich fand es interessant, in die Entstehung eines Theaterstückes involviert und mit den Mitwirkenden konfrontiert zu sein. Als Illustrator kommuniziert man meist über Mails oder Telefon und sitzt nur selten mit den Betroffenen an einem Tisch. Die Zusammenarbeit mit dem Theater ging weiter, ich habe anschließend eine Plakatserie gestaltet.

Rieke Harmsen führte das Interview.


Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
Juni 2013

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