Elke R. Steiner

Elke R. Steiners Arbeiten entsprechen weder darstellerisch noch inhaltlich dem gängigen Erscheinungsbild von Comics. Mit ihrem ausdrucksstarken und illustrativen Zeichenstil und ihrer differenzierten Auseinandersetzung mit dem Judentum, bewegt sie sich abseits tradierter Comic-Produktionen.
Ihr Wunsch, Comics zu zeichnen kristallisierte sich erst während ihres Studiums der freien Kunst an der Kunstakademie in Münster heraus. Sie wechselte von der Bildhauerei zum Grafikdesign mit Schwerpunkt Illustration und absolvierte ihr Diplom mit dem Comic Die Giftmischerin. Ihren zweiten Comic mit dem Titel Rendsburg Prinzessinstrasse – die Geschichte einer jüdischen Kleinstadtgemeinde (2001) ermöglichte 1999 ein Stipendium des Jüdischen Museums Rendsburg. Für das Comic-Album recherchierte die Künstlerin die tief mit der Stadtgeschichte verbundene Chronik der Juden die im 17. Jahrhundert begann und ihr jähes Ende mit der Herrschaft der Nationalsozialisten fand.

Comics von Elke R. Steiner
Die inzwischen in Berlin lebende Grafikerin arbeitete daraufhin mit Etgar Keret von der israelischen Comic-Gruppe Actus Tragicus an dem Comic-Strip Der Busfahrer, der Gott sein wollte für die Jüdische Allgemeine Wochenzeitung. Für das deutsche Ärzteblatt entwickelte sie zuerst die Serie Doc und Doctrix, dann die Ärztebiografie Herbert Lewin und Käte Frankenthal - zwei jüdische Ärzte aus Deutschland. Mit Die anderen Mendelssohns (2004) widmet sie sich in zwei Bänden der großbürgerlichen jüdischen Dynastie der Bankiers, Künstler und Gelehrten, die über fünf Generationen deutsche Kultur- und Wirtschaftsgeschichte geprägt hat. Die Zeichnerin befasst sich in diesem Werk mit den sogenannten „schwarzen Schafen“ der Familie, die aufgrund ihres kontroversen sozialen und politischen Kampfes für Gerechtigkeit, Modernisierung und Toleranz in gesellschaftlichen und künstlerischen Bereichen größtenteils in Vergessenheit geraten sind. In flächigen und malerischen Zeichnungen ruft Elke R. Steiner die Ideale und Ziele der frühromantischen Literatin Dorothea Schlegel, ihres sozialistischen Bruders und Arztes Arnold Mendelssohn, des Völkerrechtlers Carl Mendelssohn Bartholdy und der exzentrischen Künstler-Geschwister Eleonora und Francesco von Mendelssohn wieder in das Gedächtnis der Gegenwart.
Für den internationalen Markt hat Elke Steiner die beiden englischsprachigen Kinderbücher Bella’s Brazilian Football (2007) und Bella’s Chocolate Surprise (2007) illustriert. Die Protagonistin Bella Ballistica ist eine außergewöhnliche Jugendliche, die durch die Welt reist, um Fußball in Brasilien zu lernen, oder die sich in Ghana Westafrika auf die Suche nach den Ursprüngen der Schokolade macht.Matthias Schneider
ist Kulturwissenschaftler, freischaffender Kultur-Journalist und kuratiert Filmprogramme und Ausstellungen zum Thema Comic
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Mai 2009














