Cartoon/Humor

Vier Fragen an Annette Köhn

Copyright: Annette KöhnSie mag es einfach und schlicht. Papier und Farbe. Zeichnen und Malen. Kreativ sein und Feiern. Annette Köhn nennt sich Grafiktube, arbeitet in der Ateliergemeinschaft Musenstube und verkauft „kleine, feine illustrierte Machwerke“ über ihren Verlag Jaja in Berlin. Wie das alles zusammenpasst, erklärt die diplomierte Kommunikationsdesignerin und Freiberuflerin im Interview.

Diashow Annette Köhn
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Von der Kommunikationsdesignerin zur Verlegerin - wie geht das?

Die Schnittstellen sind meine Leidenschaft fürs Zeichnen und meine Liebe zu den Büchern. Die waren schon vor dem Studium da! Meine praktische Diplomarbeit war ein Comicbuch. Nach Abschluss meines Studiums wollte ich mich nicht entscheiden müssen, auf welches Arbeitsfeld in der Joblandschaft für Kommunikationsdesign ich mich konzentriere. Und ich wollte absolut keine Anstellung in einer Werbeagentur. So begann meine Selbständigkeit als Kommunikationsdesignerin und Illustratorin.

Letztlich war es immer das Zeichnen, das die Ausübung meines Berufes und meine Freizeit würzte und das mich mit vielen anderen leidenschaftlichen Zeichnern, Comiczeichnern und Illustratoren zusammenbrachte. Auf dem Skizzenfestival in Stralsund treffen sich seit nun schon sechs Jahren jährlich viele Gleichgesinnte.

Du arbeitest in der Ateliergemeinschaft Musenstube in Berlin als „Obermuse" für den Galeriebetrieb.

Die Ateliergemeinschaft gibt es nun schon seit sechs Jahren. Sie ist für alle Beteiligten eine Inspirationsquelle und ein Knotenpunkt im Netzwerk der gestaltenden Freunde und Kollegen. Wir sind immer fünf bis neun sogenannte Musen, die alle jeweils freiberuflich in den Bereichen Design und Illustration arbeiten. Es gibt aber auch Autoren oder Musiker, die hier zu Gange sind.



Und wie läuft die Zusammenarbeit?

Wir unterstützen uns teilweise bei unseren Projekten, tauschen Know-How aus, vermitteln uns gegenseitig Aufträge oder trinken Kaffee zusammen. Wir teilen die Freude an der Arbeit, die nicht einsam im Home-Office getan werden muss. Wir realisieren gemeinsame Projekte, wie die Gestaltung und Druck illustrierter Produkte – wie den Musen&Drachen Geburtstagskalender. Mit diesen Musenprodukten gehen wir auf Design- oder Weihnachtsmärkte und bestücken unseren Internetshop. In der Musenstube selbst haben wir natürlich auch einen Verkaufsbereich und sind die Geschenke-Kaufstation für die Nachbarschaft.

Außerdem verwandeln wir regelmäßig die Bürolandschaft in eine Galerie und machen Ausstellungen oder stellen andere meist zeichnenden Künstler aus. Dazu gibt es Musik und wieder ein Forum für munteres Kennenlernen und Netzwerken.

Wie kam es zur Gründung des Verlags?

Das ergab sich. Ich lernte immer mehr tolle Zeichner kennen, hielt mich mit meinen Grafik- und Illustrationsaufträgen gut über Wasser und irgendwann war die Zeit einfach reif, den Jugendtraum aus der Schublade zu ziehen. Jaja, wir brauchen jetzt einen Verlag! Um schöne und gute Bücher zu machen und die mit Herzblut geschaffenen Zeichnungen und Geschichten zu veröffentlichen. Das mache ich nun als Verlegerin – und es ist ein Traumjob. Suchen, Finden, Auswählen... immer mit den Autoren zusammenarbeiten, um das Buch auch ganz nach ihren Vorstellungen werden zu lassen. Momentan finanziere ich den Verlag hauptsächlich noch mit meinen anderen Jobs, aber die Verkaufszahlen steigen langsam. Aber es bleibt ein Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und künstlerischem Anspruch.

Rieke Harmsen führte das Interview.


Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
März 2013

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