Cartoon/Humor

Werner oder was – Brösel

Copyright: Egmont Ehapa VerlagDer Comic-Zeichner Brösel ist mit Leib und Seele Motorrad-Fan. Zu seinen Hobbys gehören mit den Kumpels an den Motorrädern schrauben und abends einen trinken gehen, um darüber zu sinnieren, wie man den TÜV und die Polizei an der Nase herumführt. Und genau dabei kommen ihm die besten Ideen für seinen Comic, in dem sich sein reales Leben und das seiner Alter-Ego-Figur Werner vermischen.

Werner trägt wie Brösel mit Vorliebe Jeanskluft und Cowboystiefel, fährt natürlich Motorrad und trinkt Werner-Bier, auch „Bölkstoff“ genannt. Brösels Wortwitz, dessen Wortspielereien sich aus dem norddeutschen Dialekt speist, sind ein weiteres wichtiges Stilmittel seiner Comics. Sie sind sogar so populär, dass sie sich im überregionalen Sprachgebrauch niederschlagen. Brösel würzt seine Comics mit Verballhornungen, die in manch alkoholschwangerer Stunde entstanden sind, und mit wahnwitzigem Klamauk – fertig ist der Werner-Comic. Die Titel der Alben wie „Freie Bahn mit Marzipan“ oder „Exgummibur!“ sprechen für sich. Bei Jugendlichen und Erwachsenen sind der hanebüchene Slapstick und eigenwillige, regionalkolorierte Biker-Humor gleichermaßen beliebt. Millionen Leser sind begeistert, decken sich mit den zahlreichen Devotionalien der Werner-Figur ein und strömen in Massen in die Kinofilme.

Derweil zeichnet Brösel seine Comics in traditioneller Cartoonmanier. Charaktere, Gegenstände und Hintergründe werden stark überzeichnet dargestellt, so auch die Werner-Figur, deren augenscheinlichstes Merkmal die langgezogene Knollennase ist, die nur noch von den überdimensional spitzen Cowboystiefeln übertroffen wird. Was als einfacher Comic-Strip für die Motorrad-Szene angefangen hat, wurde innerhalb kürzester Zeit zur absoluten Kult-Serie Deutschlands. Waren die ersten Alben noch ein Sammelsurium aus einseitigen Kalauern, persönlichen Anekdoten und kurzen Episoden aus Werners Lehrlingszeit, werden in den aktuellen Alben Urlaubsgeschichten oder Motorradrennen auf Albumlänge inszeniert. In den besten Momenten erreichen seine Comics einen surrealistischen Charakter, so z. B., wenn er eine Stammtisch-Spinnerei erst im Comic und dann in der Realität umsetzt. So geschehen, als zuerst die Werner Figur und dann sein Zeichner Brösel aus mehrere Motorradmotoren den Red Porsche Killer bastelte und sich ein Rennen mit dem Porschefahrer Holgi lieferte.

Matthias Schneider
ist Kulturwissenschaftler, freischaffender Kultur-Journalist und kuratiert Filmprogramme und Ausstellungen zum Thema Comic.

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März 2005