Cartoon/Humor

Strizz und mehr – Volker Reiche

Copyright: CH. Beck VerlagLiebhaber der Serie Strizz erkennt man daran, dass sie als erstes Volker Reiches Comic-Strip lesen, bevor sie sich den Artikeln der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zuwenden. Denn stets pointiert und mit spitzer Feder kommentiert Volker Reiche im Feuilleton tagesaktuelle Geschehnisse und Ereignisse aus Politik, Kultur und Wirtschaft.

Dabei hat er über die Jahre hinweg das Figureninventar um den einfältigen Büroangestellten Strizz stetig erweitert. Waren Strizzs Diskussionen anfänglich noch auf den Schlagabtausch mit seinem dickköpfigen Chef Leo reduziert, ist inzwischen der heimliche Star der Serie, der bei ihm lebende minderjährige Neffe Rafael, zu seinem enervierendsten Dialogpartner geworden. Der blitzgescheite und putzmuntere kleine Junge hat ein großes Faible für philosophische Fragen und bildet gemeinsam mit seiner Stofftier- und Figurensammlung ein „Philosophisches Sextett“. Seine kindliche Neugier bringt die Erwachsenenwelt in arge Bedrängnis, sind es doch meist Plattitüden und Redewendungen von Politikern und Intellektuellen, die er hinterfragt und gekonnt zu demaskieren weiß. Des Weiteren tauchen in dem Figurenkabinett die Strizz-Freundin Irmi sowie die tierischen Kontrahenten Kater Paul, Dackel Müller und der Nachbarshund Tassilo auf. Eine jede dieser Figuren schließt man umgehend ins Herz, sind sie doch allesamt liebenswürdig.

Ähnlich der amerikanischen Kultserie Doonesbury lässt Volker Reiche gesellschaftliche Begebenheiten in seinen Comic-Strip einfließen und verknüpft sie kongenial mit dem Leben seiner zahlreichen Figuren, die in ihrer Vielfältigkeit an den Entenhausen-Kosmos eines Carl Barks erinnern. Wahrscheinlich gründet seine elegante Verquickung von hintergründigem Sprachspiel, politischer Satire und herzallerliebsten Figuren, denen er mit wenigen Strichen ein ganzes Spektrum an ausdrucksstarker Mimik verleiht, in seiner langjährigen Erfahrung. Bis Ende 2008 erschien Strizz täglich, inzwischen nur noch Samstags in der FAZ, dafür aber halbseitig.

In seiner fast 30-jährigen Karriere zeichnete Reiche für den Disney-Verlag, für die Fernsehzeitschrift Hörzu die Mecki-Figur und als Karikaturist für die Satirezeitschriften Pardon und Hinz und Kunz. Lange Zeit war Volker Reiche im Verborgenen tätig und sein Name war nur wenigen Insidern geläufig. Mit Strizz hat er nun nicht nur die längst überfällig gewesene Popularität erhalten, sondern wurde zu Recht 2004 mit dem Preis für den Besten deutschsprachigen Comic-Strip und 2006 als Bester deutschsprachiger Comic-Künstler beim Comic-Salon in Erlangen geehrt und erhielt 2007 für sein Werk den Olaf-Gulbransson-Preis.

Matthias Schneider
ist Kulturwissenschaftler, freischaffender Kultur-Journalist und kuratiert Filmprogramme und Ausstellungen zum Thema Comic.

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Mai 2009