Cartoon/Humor

Bissig und teilweise makaber – ©Tom

Copyright: Achterbahn VerlagTouché heißt der tägliche Comic-Strip mit Kultstatus von Thomas Körner alias ©Tom. Seit Dezember 1991 liefert er täglich drei Bilder bei der Berliner die tageszeitung (taz) ab. Wer den Tag mit Humor beginnen will, dem sei Touché ans Herz gelegt. Über die Jahre hinweg hat ©Tom ein ganzes Figuren-Arsenal an schrägen Vögeln und bezaubernden Originalen entwickelt, ob es die wartende Oma am Postschalter oder der Tod und der Teufel sind. ©Toms Humor zielt auf die Beamten und ihre langatmige Bürokratie, auf die spießbürgerlichen Menschen von nebenan, den Punker um die Ecke oder auf den einfachen Mann auf der Straße.

Die Einfälle zu seinen Charakteren und Geschichten kommen ihm im täglichen Leben, im Supermarkt, in Kneipen, bei den Ämtern oder in der U-Bahn. Das ein oder andere Mal ist es für ©Tom eine Möglichkeit, seinem Ärger freien Lauf zu lassen, wenn er zum Beispiel mal wieder in Hundescheiße getreten ist oder sich vom Mobiltelefonwahn gepeinigt fühlt. Dann folgt postwendend ein Cartoon zu diesem Thema.

©Tom hat eine hohe Begabung, die aberwitzigen alltäglichen Situationen des öffentlichen Lebens mit trockenem und schwarzem Humor frappant wiederzugeben. Daher auch der französische Titel Touché („getroffen“) seiner Realsatire. In seinen mit spitzer Feder karikierten Lebenssituationen entdeckt man nicht nur Erlebtes wieder, sondern auch mal seine eigenen, die ungeliebten Seiten.

Mit vier Jahren hat der gebürtige Badener angefangen zu zeichnen und später in der Schule die Bücher vollgekritzelt. Aber erst 1989, nachdem er sein Politikstudium hingeschmissen hat, fing er intensiv damit an, Comics zu zeichnen. Seine ersten Strips wurden in Zeitungen und Stadtmagazinen veröffentlicht, aber erst der Einstieg bei der taz machte ihn in ganz Deutschland bekannt. So bekannt, dass er 2000 für seinen bissigen und teilweise makaberen Humor mit dem „Max und Moritz“-Preis für den Besten deutschsprachigen Strip geehrt wurde. ©Toms ziegelsteindicken Touché-Sammelbänder genießen längst Kultstatus und werden regelmäßig um Neuausgaben erweitert, so dass man mit ihnen alsbald eine Wand errichten kann.

Matthias Schneider
ist Kulturwissenschaftler, freischaffender Kultur-Journalist und kuratiert Filmprogramme und Ausstellungen zum Thema Comic.

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Mai 2009