Klassiker

Simplifizierte Zeichnungen und unaufdringlicher Humor – e. o. plauen

e. o. plauen. Copyright: Südverlage. o. plauen. Copyright: SüdverlagUnter dem Namen e. o. plauen schuf Erich Ohser mit Vater und Sohn einen der populärsten deutschen Comic-Strips und bis heute unvergesslichen Klassiker für Jung und Alt. Das Pseudonym setzt sich aus den Anfangsbuchstaben seines Vor- und Nachnamens und aus seinem Geburtsort Plauen zusammen. Auslöser dafür waren seine politischen Karikaturen, die er ab 1929 regelmäßig für die sozialdemokratische Zeitung Vorwärts zeichnete. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde ihm dies zum Verhängnis, denn Cartoons wie „Dienst am Volk“, bei dem ein Mann des Nachts ein Hakenkreuz in den Schnee pinkelt, wurden von den neuen Machthabern nicht toleriert. So wurde Ohser die Aufnahme in den Reichsverband der deutschen Presse verwehrt, was einem Arbeitsverbot gleichkam.

Durch die Fürsprache und Vermittlung seines langjährigen Freundes Erich Kästner bekam er die Möglichkeit, für die Tageszeitung Berliner Illustrierte zu arbeiten. Im September 1934 erschien die erste „Vater und Sohn“ Folge mit dem Signet e. o. plauen. Das Duo Vater und Sohn sind reizende Antihelden, die in ihrem Umgang anarchisch und liebevoll zugleich sind und die sich stets über ihre eigenen Fehler amüsieren. Die simplifizierten Zeichnungen und der unaufdringliche Humor bescherten der Serie großen Erfolg, zumal sie eine gelungene Alternative zu der Rigidität des Nationalsozialismus boten. Nach nur einem Jahr erschien der erste Sammelband des Duos und verkaufte sich innerhalb kürzester Zeit 90.000mal.

Als Ohser Anfang 1936 erneut mit einem Berufsverbot belegt wurde, traf der Berliner Ullstein Verlag ein Arrangement mit dem Reichsverband. Dem Angebot des Verlags, mit den Vater und Sohn Figuren für das Winterhilfswerk der Nationalsozialisten zu werben, konnte das Propagandaministerium aufgrund der großen Popularität des Strips nicht widerstehen. Und obwohl Ohser darum wusste, dass ihm dieser Handel das Überleben sicherte, mäßigte er sich nicht, seinen Unmut darüber kundzutun. Als seinen Zeichnungen eines Tages ein antisemitischer Text zudiktiert werden sollte, zog er sie zurück und verhinderte eine Veröffentlichung.

Aufgrund einer angeblichen Diffamierung von Himmler und Goebbels wurde Ohser 1944 von der Gestapo verhaftet. Um die gnadenlose Aburteilung des Volksgerichtshofs wissend, nahm sich Ohser am Morgen vor der Verhandlung am 6. April 1944 in seiner Zelle das Leben. Ohsers wortlose Skizzen und sein dezenter Humor prägen das Erscheinungsbild des Comic-Strips. Er lädt den Leser nicht nur zum Schmunzeln und leisen Lachen ein, sondern regt ihn vor allem zum Nachdenken an, so, dass das Gelesene sich nicht in Kurzweiligkeit auflöst, sondern noch lange nachklingt.

Matthias Schneider
ist Kulturwissenschaftler, freischaffender Kultur-Journalist und kuratiert Filmprogramme und Ausstellungen zum Thema Comic.

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März 2005