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Vier Fragen an: David Füleki

In seiner Autobiografie zeichnet sich David Füleki als Indianerkind, das mit Abfällen durchgefüttert wurde und nach einer Karriere als Ladendieb zum Comiczeichner mutiert. Alternativ dazu wird er von einer Blume ausgespuckt und entdeckt im Erbrochenen einer Schildkröte ein paar Malstifte. David Füleki, Jahrgang 1985, bewegt sich jenseits der Konventionen – er verbindet blutige Horrorszenen mit Märchenkitsch und verknüpft Actionhelden mit Comedy-Elementen.

David FülekiGemeinsam mit Roy Seyfert gründete er 2008 den Verlag Delfinium Prints, für den er unter anderem als Zeichner und Redakteur tätig ist. 2005 gewann er den Comic-Wettbewerb des mittlerweile eingestellten Magazins Banzai und 2008 das Comic-Duell des Magazins Comicgate beim Comicsalon Erlangen. Im Jahr 2011 erhielt er für seine Reihe Entoman den ICOM Independent Comic-Preis.

Deine Comics sind eine bunte Mischung aus Realität und Fiktion, Klamauk und Kunst, Märchen und Splatter. Wie kommt’s?

David FülekiDieser Genre-Wirrwarr ist fast schon zu meinem Markenzeichen geworden, da es wohl sehr ungewöhnlich ist, was mich natürlich freut. Allerdings empfinde ich es beim Zeichnen nicht als unnatürlich oder irgendwie fremd. Prinzipiell sollte beim Zeichnen alles erlaubt sein – jede Emotion, jede Idee, jedes Genre. Anders gesagt: Wenn ich nach den Zutaten für meine Geschichten suche, lasse ich keine Schublade ungeöffnet, bis ich die richtige Würze gefunden habe. Und den Lesern scheint’s im Großen und Ganzen zu schmecken (was mich selbst immer noch am allermeisten wundert).

Was inspiriert dich bei der Arbeit? Gibt es Vorbilder, an denen du dich orientierst?

David FülekiVon Vorbildern versuch ich mich seit jeher zu distanzieren, da dieses Anhimmeln eines bestimmten Künstlers dazu verleitet, sich diesem stilistisch lediglich anzunähern. Dann bist du nur eine Kopie und deine Kunst hat keine echte Existenzberechtigung. Schließlich soll ja Kunst auch neue Wege begehbar machen, an die vorher noch niemand gedacht hat. Auf der anderen Seite ist es unabdinglich, sich von anderen Künstlern inspirieren zu lassen. Die Gesamtheit der Inspirationen vermischt sich – wenn man Glück hat –, legt ein Ei, aus dem dann die Idee schlüpft. Mich inspirieren auch Sinneseindrücke, wie etwa der Geschmack von gutem Essen. Böse Zungen behaupten, man erkenne in meinen Werken eine gewisse „Fressgeilheit“.

Du produzierst auch Webcomics und verbindest Ton und Bild. Was reizt dich daran?

Die Intermedialität bei Comics bietet einen großen Spielraum: Ich kann damit meine Leser mit einbeziehen und sie am Produktionsprozess teilhaben lassen. Weil von den Lesern oft mehr Ideen kommen, als ich sie mit Zeichnungen umsetzen könnte, habe ich einige Werke erweitert – mit Bewegtbild, Ton oder einem interaktiven Interface. Ich arbeite mit Filmemachern wie David Brückner oder Marcel „Hugi“ Hugenschütt zusammen. So entstanden diverse Comicfilmchen und Musikvideos, die uns auf Youtube zu vergänglichem Ruhm, Reichtum und weltlichem Tand verhelfen sollen.

Kannst du beschreiben, wie du arbeitest?

Meist beginnt alles mit jähen Geistesblitzen, vermeintlich dummen Ideen, die mit jedem Gedankengang schlauer wirken, bis ich mich dabei ertappe, dass ich daraus einen Comic bastele. Während ich zeichne, kommt der Verstand mit Ideen hinzu, die ich dann mit etwas Glück stimmig und spontan einflechten kann. Erfahrungsgemäß sind Geschichten, die nach diesem Schema entstehen, auch die, die am besten ankommen, weil sie unberechenbar, locker und eben anders sind.

Umgesetzt wird das Ganze mit allem, was ich in die Finger bekomme. Mittlerweile habe ich mit vermutlich jeder Art analoger Farbe Kontakt gehabt – auch mit nicht-abwaschbarer, wie man an einer Vielzahl meiner Klamotten erkennt, die ich leider oft als Lappen nutze. Ich habe schon mit frisch gepflückten Blumen gemalt, mit Dreck, Kaffee, Bier oder Saftschorle. Die „Apfelschorlen-Coloration“ ist zu einem Party-Gag bei meinen Signierstunden geworden. Momentan arbeite ich häufig mit Copic Markern, Aquarell- und Tempera-Farben und mit dem Computer.

Die Fragen stellte Rieke C. Harmsen.
Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
Mai 2012
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