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Comics als Spielart der Illustration – Titus Ackermann

Titus: Was vom Leben übrigbleibt, Erinnerungen an meinen Großvater, Work-in-prgress, Skizze Seite 9
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Titus (bürgerliche Name: Titus Ackermann) zeichnet vor allem eines aus: Vielseitigkeit. Er scribbelt kleine schwarz-weiße Cartoons, modelliert Kunststoff-Figuren oder pinselt großformatige Acryl-Porträts. Er kritzelt Kinderzeichnungen und produziert an seinem Rechner glatte Werbebildchen und krakelige Schriftzüge. Titus, 1970 in Basel geboren, begreift Comics als Spielart der Illustration. Jeder Zeichenstil besitzt für ihn eine eigene Rechtfertigung.

Comic als Leidenschaft von Kindesbeinen an

Diese inhaltliche und formale Vielfalt ist Ausdruck der Leidenschaft, mit der sich Titus seit früher Kindheit mit Comics beschäftigt hat. „Meine Eltern erzählen, dass es bei mir in der ersten Klasse einfach nicht mit dem Lesen klappen wollte. Dann kam mein Vater auf die Idee, mir Mickey-Maus-Hefte zu geben. Binnen zwei Wochen konnte ich die Texte in den Sprechblasen entziffern“, erinnert sich Titus.

Die ersten Cartoons zeichnete Titus für die Schülerzeitung. Seine Karikatur des Rektors sorgte dafür, dass die Zeitung auf dem Schulhof verboten wurde. „Ich erfuhr, welche Macht Zeichnungen haben können“, sagt Titus. Das Geld, das er in einem Comicladen verdiente, investierte er sofort wieder in Comics. Erster künstlerischer Mentor wurde ein Freund der Familie, der luxemburgische Karikaturist François Didier: „Er gab mir Tipps und empfahl mir, mich mit vielen Spielarten der Zeichnung auseinander zu setzen“, so Titus. Zu den wichtigen Künstlern, die das eigene Werk beeinflussten, zählt er Hugo Pratt, Gianni Pacinotti (Gipi), David Hockney und Tomi Ungerer.

Sein Berufswunsch „Comiczeichner“ stand bald fest. Bis er den ersehnten Studienplatz an der Kunstakademie Stuttgart bei dem Illustrator Heinz Edelmann bekam, vergingen allerdings knapp drei Jahre. Anschließend folgte ein Aufbaustudiengang an der Glasgower Macintosh School of Art zu Kinderbuch-Illustration und Reportage-Zeichnung.

Gründer des Comic-Magazins Moga Mobo

Seit Studienende lebt Titus in Berlin. Er mag das „Gewusel“ der Millionenstadt: „Hier vermischen sich Ost und West zu etwas Neuem“. Zusammen mit Thomas Gronle und Jonas Greulich gründete er die Künstlergruppe Moga Mobo. Seit 1994 produziert das Trio ein gleichnamiges Comic-Heft, das kostenlos in Kneipen, Kinos und Comicläden verteilt wird. Mit seinen skurrilen Ideen bekam das Heft bald Kultstatus: Mal wurde ein „Sommerloch“-Heft mit Loch in der Mitte produziert, mal gab es ein Adventskalender mit 24 Weihnachtsgeschichten.

Für ein Heft zum Thema Glauben illustrierte Titus einen Text von Terry Reilly. Mit sparsamen bildnerischen Mitteln erzählt der Comic auf fünf Panels von einem Mann, der Depression und Tod entrinnt. Für die Gestaltung bediente sich Titus ungewöhnlicher Perspektiven: Ein Blick aus der Vogelperspektive auf ein kleines Kind lässt dieses noch unschuldiger aussehen, der Zoom in ein Gesicht fokussiert auf ein leises Lächeln. Ein Comic wie ein schöner Song – durchkomponiert, poetisch und harmonisch zugleich.

Internationale Erfolge mit dem deutsch-japanischen Comicprojekt Kugelblitz

Regelmäßig sucht Titus den Kontakt zu anderen Künstlern. 2005 verbrachte er mehrere Monate in Tokio mit der japanischen Künstlergruppe Nou Nou Hau. Gemeinsam entwickelten sie eine Geschichte um einen Kugelblitz und sorgten mit Ausstellungen in Japan und Berlin für Furore. Seither gibt er regelmäßig Zeichenkurse für Amateur- und Profizeichner in Kuba, Algerien oder im Libanon.

Derzeit arbeitet Titus an einem Comic über die Lebensgeschichte seines Großvaters, der die französische Besetzung des Ruhrgebiets, die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus und die Nachkriegszeit erlebt hat: „Eine spannende Reise in die Geschichte der eigenen Familie“.
Rieke C. Harmsen
ist Kunsthistorikerin und arbeitet als Redakteurin für den „Evangelischen Pressedienst“ (epd).

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Juni 2010
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