Manga

Ausdrucksstark – die Manga-Zeichnerin Inga Steinmetz

Inga Steinmetz; © Anton Katzer


Die Trickfilmreihe „Sailor Moon“ gab ihr den Anstoß. Heute gehört Inga Steinmetz zu den wichtigsten deutschen Botschafterinnen japanischer Zeichenkunst.

Copyright: Inga Steinmetz
Diashow

Inga Steinmetz’ Weg zur Manga-Kunst führte über die Comicsammlung ihres Vaters. Bereits zu Zeiten der DDR hatte er ein umfangreiches Archiv gezeichneter Geschichten angelegt. So kam die gebürtige Ostberlinerin, Jahrgang 1983, früh in ihrem Leben mit verschiedenen Comic-Spielarten in Berührung. Den Ausschlag für den Schritt in die Manga-Szene gab bei ihr – ähnlich wie bei vielen ihrer Mitstreiterinnen – die Fernseh-Ausstrahlung der japanischen Zeichentrick-Serie Sailor Moon in Deutschland. Auf die Comic-begeisterte junge Frau machte die Reihe großen Eindruck. Bald begann sie, sich näher mit Mangas zu beschäftigen und sie selbst zu zeichnen.

Ein eigenes Magazin für andere Fans

Als die deutschen Verlage Anfang der 2000er-Jahre erste Mangas aus eigener Produktion veröffentlichten, schickte auch Steinmetz Bewerbungen ein und nahm an Zeichenwettbewerben teil. Der Erfolg bei einem Wettbewerb der Fan-Messe Connichi brachte ihr eine erste Veröffentlichung im Szene-Magazin Shinkan ein. Bereits einige Jahre zuvor hatte sie als eine der ersten Zeichnerinnen in Deutschland ein eigenes Comicheft, ein so genanntes „Doujinshi“, an andere Interessierte verschickt. Es folgten einige kürzere Internet-Comics sowie Kurzgeschichten für unabhängige Magazine wie Paper Theatre.

Für die Nachwuchs-Anthologie Manga Fieber des Comicverlags Tokyopop, der in den USA auch Sailor Moon herausgegeben hatte, zeichnete Inga Steinmetz 2006 die Kurzgeschichte Stein, Schere, Papier. Im selben Jahr erschien der von ihr gestaltete Aufklärungs-Manga First Love – Safety First. Daraufhin erhielt sie von Tokyopop das Angebot, die erfolgreiche und in mehrere Sprachen übersetzte Jugendbuchreihe Freche Mädchen der Autorin Bianka Minte-König als Manga umzusetzen. Zwischen 2008 und 2010 erschienen drei Bände. Die Reihe kam auch bei den Fans der Buchvorlage gut an und etablierte die junge Zeichnerin weiter auf dem deutschen Manga-Markt. Auch zu einer weiteren Reihe aus dem Hause Tokyopop steuerte Steinmetz eine Kurzgeschichte bei: Grimms Manga stellt die Märchen der Brüder Grimm in Manga-Form dar. Für einen Sonderband, für den fast ausschließlich deutsche Zeichnerinnen verpflichtet wurden, setzte Steinmetz das Märchen Brüderchen und Schwesterchen um. Ihr nächstes größeres Vorhaben war die Serie Alpha Girl, ihr erstes umfangreiches Projekt nach eigener Vorlage.

Traditionelle Mittel und Techniken

Im Jahr 2013 erreichte Steinmetz eine Platzierung beim internationalen Wettbewerb Manga Audition, bei dem japanische Redakteure Bildergeschichten zum Thema Liebesbrief bewerteten. Das Arbeiten ohne Text, nur durch die Ausdruckskraft der Bilder, sieht Steinmetz als eine ihrer Stärken. Tatsächlich sind ihre Mangas bildgewaltig, ist die Mimik ihrer Figuren eindrucksvoll. Humor, Gefühl und Spannung kommen dabei gleichermaßen zur Geltung. Stilistisch lehnt Steinmetz sich an japanische Mangas für Mädchen und junge Frauen an. Für ihre Zeichnungen benutzt sie hauptsächlich traditionelle Mittel und Techniken. Illustrationen entstehen mithilfe von Aquarellfarbe und bunten Markern. Außerdem nutzt sie Feder und Tusche. Lediglich die Rasterfolien, mit denen die Schattierungen erzeugt werden, entstehen am Computer.


Video „Von Beruf Comiczeichnerin“

Inga Steinmetz arbeitet als selbstständige Illustratorin. Außerdem vertritt sie die deutsche Mangaszene bei internationalen Treffen und gibt Workshops. Regelmäßig zeigt sie Kindern und Jugendlichen in Berlin die Kunst des Comic-Zeichnens, für das Goethe-Institut leitete sie zudem Kurse in Polen, Schweden, den Niederlanden, Indonesien und Malaysia. Im Sommer 2013 reiste sie für zwei Monate nach Südkorea, um die dortige Comicszene besser kennenzulernen. Die globale Perspektive ist ihr eine wichtiges Inspiration: Während des Korea-Aufenthalts entstanden zahlreiche Arbeiten.

Michel Decomain
ist Redakteur beim Comic Culture Verlag und schreibt als freier Autor unter anderem für den „Tagesspiegel“.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
April 2014

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