Belletristik – Romane, Erzählungen, Graphic Novel

Maxim Biller: Im Kopf von Bruno Schulz © Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2013

Maxim Biller
Im Kopf von Bruno Schulz

Im Jahr 1938 taucht in der polnischen Stadt Drohobycz ein seltsamer Fremder auf: Machten ihn abgetragene Kleidung und starker Körpergeruch schon bei seinem ersten Auftreten verdächtig, trägt er später Rouge auf den Wangen, einen mit Schuhcreme aufgemalten Schnurrbart und einen blutroten persischen Mantel, den eine abgerissene Gardinenkordel zusammenhält. Der Fremde behauptet, Thomas Mann zu sein, sieht aber aus wie dessen Travestie.Mehr ...
Larissa Boehning: Nichts davon stimmt, aber alles ist wahr © Verlag Galiani, Berlin, 2014

Larissa Boehning
Nichts davon stimmt, aber alles ist wahr

Die Dame heißt Annemarie Funk und wohnt in einer Villa mit Elbblick in Blankenese. Sie hat Krebs mit einer Lebenserwartung von höchstens sechs Monaten. Matthias und Juliane schleichen sich aus unterschiedlichen Gründen bei ihr ein. Er hofft auf ein großes Erbe, die Gunst der Stunde nutzend, dass die Witwe eines Lufthansa-Piloten in ihm den Sohn sieht, den sie niemals hatte. Sie will hinter Matthias“ Fassade blicken und lässt sich schließlich von Annemarie in die Pflicht nehmen. Die nämlich möchte, dass ihre Erinnerungen nicht verloren gehen.Mehr ...
Marion Brasch: Wunderlich fährt nach Norden © S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2014

Marion Brasch
Wunderlich fährt nach Norden

Das Schlimmste, was dem Zeichenlehrer Wunderlich in der kommoden Mitte seines Lebens passieren konnte, ist ja schon passiert: Marie hat ihn verlassen. Ja, er ist unglücklich deshalb. Aber nein, er ist nicht am Ende. Er hat Lebenserfahrung, er hat ein Auskommen, eine Wohnung, etwas Erspartes. Und er hat unverhofft diesen gleißenden Sommer zur Verfügung, nun, da niemand anderes mehr über seine Zeit verfügen will.Mehr ...
Elias Canetti: Das Buch gegen den Tod © Carl Hanser Verlag, München, 2014

Elias Canetti
Das Buch gegen den Tod

Neben „Masse und Macht“ liegt endlich Canettis zweites essayistisches Opus magnum vor. (…) Es findet sich alles in diesem Buch, von dem man meint, Canetti selbst hätte es nicht besser komponieren können – Auszüge aus seinen entlegenen Lektüren wechseln mit aphoristischen Einzeilern, Kurzessays, Selbstbetrachtungen, Meditationen, jüdischen Legenden und Zeitungsfunden, alles dient seiner Vendetta gegen den Tod.Mehr ...
Ann Cotten: Der schaudernde Fächer © Suhrkamp Verlag, Berlin, 2013

Ann Cotten
Der schaudernde Fächer

Es gibt Bücher, die liest man allein schon wegen ihres Titels. „Der schaudernde Fächer“, der erste Erzählband der 1982 geborenen Lyrikerin Ann Cotten, gehört zu dieser raren Gruppe. Tatsächlich entfaltet ein schillernder, nervöser Fächer an Erzählungen seine Verführungskunst. Schliesslich geht es in diesem aussergewöhnlichen Buch um die Liebe auch wenn sie nicht allzu oft beim Namen genannt wird.Mehr ...
Ulrike Draesner: Sieben Sprünge vom Rand der Welt © Luchterhand Literaturverlag, München, 2014

Ulrike Draesner
Sieben Sprünge vom Rand der Welt

Anpassungssucht und -kunst, Aufbaudrang, Angst, Einsamkeit, innere Verstümmelung: Sehr früh in diesem Roman über die Familiengeschichte des Primatenforschers Eustachius Grolmann fallen Schlüsselbegriffe. Es geht um die Verfasstheit einer Generation, die zwischen 1939 und 1945 traumatische Erfahrungen gemacht hat. Solche von Flucht und Vertreibung im Falle der Grolmanns, die in einer eiskalten Januarnacht mit durchgeweichten Pappkoffern aus Breslau in Richtung Bayern aufbrechen, aber auch die Folgen von persönlicher Verstrickung und der faktischen Schuld, vielem zugesehen, wenig eingegriffen, eventuell selbst getötet zu haben.Mehr ...
Hans Magnus Enzensberger: Tumult © Suhrkamp Verlag, Berlin, 2014

Hans Magnus Enzensberger
Tumult

Alles, was das Hexerwerk des Schriftstellers ausmacht, steckt in dieser Schilderung der sechziger Jahre: die essayistische Beobachtungsgabe, die lyrische Virtuosität, die epische Gestaltungskraft und vor allem der sardonische Witz. Schließlich hat Enzensberger schon einmal eine „Erinnerung an die sechziger Jahre“ publiziert: als Gedichtzyklus, der bereits 1964 erschien. Diesmal könnte man glauben, er machte Ernst.Mehr ...
Sherko Fatah: Der letzte Ort © Luchterhand Literaturverlag, München, 2014

Sherko Fatah
Der letzte Ort

Eben noch war es bloß heiß. Zwei Reisende sind aus ihrem klimatisierten Geländewagen gestiegen. Sie stehen am Auto, orientieren sich blinzelnd im grellen Mittagslicht. Im nächsten Augenblick fallen andere Männer über sie her. (…) Ihnen werden Baumwollsäcke über die Köpfe gezerrt, sie werden weggeschleift und in andere Autos verfrachtet. Sie sind entführt worden. (…) „Der letzte Ort“ spielt durchaus an vage einzugrenzenden Orten, nämlich in jenen Gebieten rund um den Nordirak, die in den vergangenen Monaten schlagartig wieder auf der politischen Landkarte auftauchten. (…)Mehr ...
RMax Frisch: Aus dem Berliner Journal © Suhrkamp Verlag, Berlin, 2014

Max Frisch
Aus dem Berliner Journal

Er kam im Bewusstsein, vielleicht nur noch „drei oder vier brauchbare Jahre zu haben“ und erschrak deshalb immer wieder morgens beim Erwachen: „Darüber ist mit niemand zu sprechen.“ Er war voller Zweifel am eigenen Geschriebenen und an seiner Sprache, die ihm viel zu unkörperlich und unsinnlich erschien. Er hatte Angst vor Gedächtnisverlust und einer mit dem Alter zunehmenden Ideenlosigkeit.Mehr ...
Olga Grjasnowa: Die juristische Unschärfe einer Ehe © Carl Hanser Verlag, München, 2014

Olga Grjasnowa
Die juristische Unschärfe einer Ehe

Die aus Baku gebürtige Berlinerin Olga Grjasnowa macht den Moment, in dem ihre selbstbewusste Heldin ganz unten angekommen ist, zum Drehpunkt ihrer Geschichte, zur Stunde null, von der aus im ersten Teil die Kapitelzählung zwecks Rückblende zurückläuft, ehe im zweiten erzählt wird, was danach geschah. Das Dreieck ist dabei die bestimmende geometrische Figur: Dreieckig ist die fragile Beziehungskiste, die im Mittelpunkt des Geschehens steht, ein Dreieck bilden auch die Schauplätze Baku, Moskau und Berlin.Mehr ...
Nino Haratischwili: Das achte Leben (für Brilka) © Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main, 2014

Nino Haratischwili
Das achte Leben (für Brilka)

Mit diesem Buch zeigt die 31-jährige Haratischwili Mut zur Grösse. Die deutsche Autorin mit georgischen Wurzeln legt einen Familienroman von epochalem Zuschnitt vor, ein Buch über ein „Jahrhundert, das alle betrogen und hintergangen hat“. Gross sind nicht nur Erzählgestus und Buchumfang, sondern auch die menschlichen Dramen, die die theatererprobte Autorin inszeniert. Sie schickt die Frauen und Männer der Familie Jaschi auf die Bühne eines Jahrhunderts, das rot ist wie das Blut und wie der Sozialismus, und lässt sie kämpfen, tanzen, lieben, schwanger werden, aber auch hassen, fliehen und töten. Dabei beginnt alles so märchenhaft.Mehr ...
Heinz Helle: Der beruhigende Klang von explodierendem Kerosin © Suhrkamp Verlag, Berlin, 2014

Heinz Helle
Der beruhigende Klang von explodierendem Kerosin

Solipsisten sind in der Literatur etwas aus der Mode gekommen: Figuren, die die restliche Welt runterrechnen auf sich selbst und ihr die Anerkennung verweigern, weil das Außen sowieso nur die bloße Konstruktion des Bewusstseins ist.Mehr ...
Wolfgang Herrndorf: Bilder deiner großen Liebe © Rowohlt Berlin Verlag, Berlin, 2014

Wolfgang Herrndorf
Bilder deiner großen Liebe

Isa, die Hauptfigur in Wolfgang Herrndorfs Romanfragment „Bilder deiner großen Liebe“ hat nicht nur Sinn für Verdrängerphysik, sondern auch für alles, was irgendwo offen oder heimlich mitfährt, ob im Unterwasser oder am Straßenrand. Schließlich ist sie selbst ein Tramp, eine Landstreicherin, die aus einem Heim oder einer Klapse – das lässt sie lieber im Ungefähren – abgehauen ist, in der freien Natur schläft und Stories einsammelt wie Fallobst. Herrndorf hat seine Ich-Erzählerin nicht nur mit Wortwitz und astrophysikalischen Grundkenntnissen ausgestattet – Isa hat außerdem noch die Gabe, anderer Leute Geschichten magnetisch anzuziehen. (…)Mehr ...
Wolfgang Herrndorf: Arbeit und Struktur © Rowohlt Berlin Verlag, Berlin, 2013

Wolfgang Herrndorf
Arbeit und Struktur

Seit dem September 2010 konnte jeder nachlesen, wie es Wolfgang Herrndorf ging, der im Februar des Jahres erfahren hatte, dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb. Diagnose: Glioblastom, Hirntumor, bösartig, nicht zu heilen. Wikipedia gab „17,1 Monate ab Diagnose“.Mehr ...
Thomas Hettche: Pfaueninsel © Kiepenheuer u. Witsch Verlag, Köln, 2014

Thomas Hettche
Pfaueninsel

Augen und Blicke sind ein durchgängiges Motiv in Thomas Hettches lebensklugem, sorgfältig recherchiertem und glänzend erzähltem Roman „Pfaueninsel“, ein Buch, das den 1964 geborenen Schriftsteller als einen der besten Stilisten der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur ausweist. (…) Die Kulisse liefert das titelgebende Eiland in der Nähe von Potsdam, den zeitgeschichtlichen Hintergrund bilden die epochalen Umbrüche im Preussen des aufgeklärten Jahrhunderts. (…)Mehr ...
Ricarda Junge: Die letzten warmen Tage © S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2014

Ricarda Junge
Die letzten warmen Tage

Ricarda Junge gelingt etwas weit Erstaunlicheres: Sie entwirft aus Westperspektive ein Panorama deutscher Geschichte zwischen DDR und BRD, von den 50er Jahren bis in die Gegenwart. Ihr gelingen klar umrissene, klischeefreie Charaktere – und sie zeigt in diesen individuellen Lebensläufen doch einen gesellschaftlichen Wandel und dessen kausale Zusammenhänge auf. Anna heißt die Protagonistin, die als Tochter eines evangelischen Pfarrers und einer Ärztin in den 1990er Jahren in Wiesbaden-Sonnenberg aufwächst. Hinter der saturierten Familienfassade allerdings lauern die Brüche.Mehr ...
Navid Kermani: Große Liebe © Carl Hanser Verlag, München, 2014

Navid Kermani
Große Liebe

100 Kapitel insgesamt, in scheuer Anlehnung an den großen Mythos von „1001 Nacht“. Jedes Kapitel zählt numerisch nur eine Seite, oft umfasst ein Kapitel jedoch zwei, drei oder mehr Seiten. Die im Buch beschriebene Zeit währt knapp eine Woche „vom Anfang bis zur Trennung“. Diese wenigen Tage dauern jedoch, gemessen an der Vehemenz und Präsenz der Erinnerung im Leben des Erzählers, bis heute fort. Zeit und Erinnerung sind ein leicht zu hintergehendes Paar. (…)Mehr ...
Michael Kleeberg: Vaterjahre © Deutsche Verlagsanstalt, München, 2014

Michael Kleeberg
Vaterjahre

Charly Renn geht jetzt auf die vierzig zu, er gründet eine Familie, macht Karriere und baut ein Haus. Einen 08/15-Ideallebenslauf faltet Michael Kleeberg hier aus, ein Leben ist das, von dem man vermutet, dass viele Menschen es sich erträumen. Und Michael Kleeberg lässt es im Wesentlichen gelingen, finanziell sowieso, aber auch emotional, familiär und beruflich. Es sind die kleinen Dramen eines im Großen und Ganzen guten Lebens, die den Autor interessieren. Stellvertretend durchlebt Charly Vaterfreuden und Sorgen um den kranken Hund, trifft seine Exfrau und stellt dabei – ein Glanzpunkt untergründig gehässiger Erzählkunst – heimlich triumphierend fest, dass ihr die Trennung nicht so gut bekommen ist wie ihm (...)Mehr ...
Angelika Klüssendorf: April © Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2014

Angelika Klüssendorf
April

Die Vorgeschichte hat Klüssendorf, 55, vor zweieinhalb Jahren in ihrem Roman „Das Mädchen“ erzählt, atemlos im Präsenz, Szene für Szene ein grelles Schlaglicht auf eine Kindheit und Jugend in der DDR der sechziger und beginnenden siebziger Jahre.Mehr ...
Karen Köhler: Wir haben Raketen geangelt. Erzählungen © Carl Hanser Verlag, München, 2014

Karen Köhler
Wir haben Raketen geangelt. Erzählungen

Es ist selten, dass ein Debüt so häufig und umfangreich besprochen wird. (…) Ebenso selten ist, dass die Rezensionen so einhellig positiv bis überschwänglich ausfallen. Das mag daran liegen, dass bei Köhler Kunst und Leben auf eine Art ineinander fließen, die dem literarischen Ergebnis Kraft verleiht. Ihre Geschichten haben Außenwirkung, obwohl sie sich mit der Introspektion beschäftigen: In ihrem Buch spricht eine weibliche Ich-Erzählerin, die sich oft mit ihrer Vergangenheit beschäftigt, mitunter auch darauf zurückgeworfen wird. Die Kurzgeschichte „Cowboy und Indianer“ etwa erzählt von einem Trip mit einer Zufallsbekanntschaft durch den Westen der USA, bei dem die vielleicht 30-jährige Frau die Kämpfe ihrer Kindheit und Jugend noch mal durchlebt. (…)Mehr ...
Michael Köhlmeier: Zwei Herren am Strand © Carl Hanser Verlag, München, 2014

Michael Köhlmeier
Zwei Herren am Strand

Es ist selten, dass ein Debüt so häufig und umfangreich besprochen wird. (…) Dass der österreichische Schriftsteller jetzt ausgerechnet Charlie Chaplin und Winston Churchill zu Helden seines neuen Romans „Zwei Herren am Strand“ gemacht hat, lässt sich (…) nicht mit dem Genie dieser Ikonen des zwanzigsten Jahrhunderts erklären. Köhlmeier interessiert an den beiden Engländern etwas anderes: ihre ungewöhnliche Freundschaft. Denn so unterschiedlich sie auch waren (…), so verband sie ein dunkles Geheimnis: Beide litten an Depressionen. Als Chaplin und Churchill auf einer Party zufällig ihre Wesensverwandtschaft erkannten, schlossen sie einen Pakt:Mehr ...
Uwe Kolbe: Die Lüge © S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2014

Uwe Kolbe
Die Lüge

Hildebrand Einzweck, der Vater, der ehemalige Binnenschiffer, der seine erste Frau und den Sohn früh sitzen ließ, war ein stolzer Überläufer von West nach Ost gewesen, gleich nach dem Krieg, bevor er ein routinierter Frauenverkoster im Namen der richtigen Sache wird.Mehr ...
Martin Kordić: Wie ich mir das Glück vorstelle © Carl Hanser Verlag, München; 2014

Martin Kordić
Wie ich mir das Glück vorstelle

Der bosnische Junge, der als Krüppel zur Welt kam und mit dessen Kopf etwas nicht stimmt, „was aber nie ein Doktor herausfinden wird“, wie er selbst sagt, ist der anrührende Held im Romandebüt von Martin Kordić.Mehr ...
Brigitte Kronauer: Gewäsch und Gewimmel © Klett-Cotta Verlag, Stuttgart, 2013

Brigitte Kronauer
Gewäsch und Gewimmel

Ihre Patienten verfolgen die Krankengymnastin Elsa Gundlach in den Schlaf. Tausend Geschichten – Banales, Intimes und Schauerliches - massiert sie aus ihren Patienten heraus. (…) Eva Wilkens oder Luise Wäns, der Schriftsteller Pratz oder Frau Fendel, dazu noch eine Horde weiterer Menschen mit Haltungsschäden und Rückenleiden - eine repräsentative Auswahl munterer Zeitgenossen trifft man in Brigitte Kronauers neuem Roman „Gewäsch und Gewimmel“. Man wird als Leser förmlich angerempelt von diesen Zeitgenossen, aus denen Sprechblasen mit phrasenhaftem Gestammel herausblubbern.Mehr ...
Per Leo: Flut und Boden © Klett-Cotta Verlag, Stuttgart, 2014

Per Leo
Flut und Boden

Die Chemie von Familien ist rätselhaft. Wer steht einem nah, für wen empfindet man Antipathie? Was, wenn der Grossvater ein NS-Verbrecher ist, dessen Untaten kollektiv beschwiegen wurden? Was, wenn dessen Ideologie den eigenen Bruder wegen einer Krankheit zur Sterilisierung vorsah wie es in diesem Falle 1938 tatsächlich geschah?Mehr ...
Monika Maron: Zwischenspiel © S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2013

Monika Maron
Zwischenspiel

Der Roman dauert einen Tag, handelt von einer Frau und einem Hund und einem Leben. Er beginnt am Morgen in einer Wohnung in der Berliner Winterfeldstraße, da ist der Himmel noch gelb, und endet am Abend in einem Park, kurz nach Sonnenuntergang.Mehr ...
Mawil: Kinderland © Reprodukt Verlag, Berlin, 2014

Mawil
Kinderland

Mirco ist (…) ein unsicherer Junge, der sich an alle Erwartungen anzupassen versucht – auch das rote Halstuch seiner Pionier-Uniform trägt er mit Begeisterung und brüllt die einschlägigen Parolen mit. Und doch schafft es Mirco, dank seiner Leidenschaft für Tischtennis, sich selbst gegen grössere Halbstarke durchzusetzen und seinen Platz im Schulgefüge zu finden – während im Hintergrund, von ihm und seinen Freunden unbemerkt, die DDR ihrem Ende entgegen trudelt. (…)
Mawil erzählt diese autobiografisch grundierte Coming-of-Age-Geschichte vor der Kulisse des nahenden Mauerfalls mit der für ihn typischen unbekümmerten Erzählfreude und hinreissendem Witz.Mehr ...
Thomas Melle: 3000 Euro © Rowohlt Berlin Verlag, Berlin, 2014

Thomas Melle
3000 Euro

Thomas Melles neuer Roman ist ein brutales Buch. Eines, das von der Ungeborgenheit des modernen Individuums erzählt, von Erniedrigungen, die unsere hochgerüstete Konsumgesellschaft ihren Mitgliedern zufügt. Die sie zuweilen auf die Straße spuckt und dort liegen lässt. Wie Anton. Anton ist ein Obdachloser und Flaschensammler, ein einst hochbegabter Student, der plötzlich zur Ausschussware wurde, wie es genau dazu kam, daran kann er sich nicht mehr erinnern. (…) Anton steht auf der Sollseite des Lebens. Auf der steht auch Denise.Mehr ...
Katja Petrowskaja: Vielleicht Esther © Suhrkamp Verlag, Berlin, 2014

Katja Petrowskaja
Vielleicht Esther

„Wer konnte, floh aus Kiew“, heißt es da, und es folgt dann eine kuriose Episode, nach der es der Familie nur gelingt zu entkommen, weil ihnen im letzten Moment noch ein Platz auf einem Lastwagen freigemacht wird, an dem zuvor eine Pflanze stand: „Diesem Fikus verdanke ich mein Leben“, folgert die Erzählerin, weil ihr Vater ohne ihn womöglich nicht überlebt und es sie somit nie gegeben hätte.Mehr ...
Volker Reiche: Kiesgrubennacht © Suhrkamp Verlag, Berlin, 2013

Volker Reiche
Kiesgrubennacht (Graphic Novel)

Der Zeichner Volker Reiche, seit seinem „FAZ“-Strip „Strizz“ eine Institution in Sachen nachdenklich-unterhaltsamer Bilderzählung, hat mit knapp 70 seine Kindheitserinnerungen in Comicform aufgearbeitet.Mehr ...
Silke Scheuermann: Skizze vom Gras. Gedichte © Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main, 2014

Silke Scheuermann
Skizze vom Gras. Gedichte

In sieben Kapiteln werden, wie in einer Art negativer Genesis, Schöpfungsgeschichten erzählt; aus den Perspektiven der Evolutionsbiologie, der Epigenetik und der Kunstgeschichte. Schöpfungsberichte freilich, die fast nur noch vom Verschwinden unserer Spezies erzählen, kaum mehr von ihren Entwicklungsmöglichkeiten. Die Furie des Verschwindens hat unsere anthropologischen Fundamente aufgezehrt, und die Gedichte Silke Scheuermanns besichtigen die Folgen dieser Verwüstungen. (…)Mehr ...
Robert Seethaler: Ein ganzes Leben © Carl Hanser Berlin, Berlin, 2014

Robert Seethaler
Ein ganzes Leben

Der Schauspieler, Drehbuchautor und Schriftsteller Robert Seethaler hat sich in seinen mittlerweile drei Romanen auf Außenseiterfiguren spezialisiert. Nun ist ihm ein Buch gelungen, das (…) so ergreifend und erschütternd ist, wie man es lange nicht mehr lesen durfte. „Ein ganzes Leben“ erzählt in aller Ruhe und in aller Kürze eine Biografie, mit all ihren Wendungen und nicht wenigen Katastrophen und ohne nach Pointen zu haschen. Das Bestechende an diesem Roman ist, dass er die gängigen Muster umkehrt: Er erzählt ungeheuer viel Spektakuläres, aber er verbirgt das hinter einem komplett unaufgeregten Stil (…).Mehr ...
Lutz Seiler: Kruso © Suhrkamp Verlag, Berlin, 2014

Lutz Seiler
Kruso

Worin die große Stärke von „Kruso“ liegt, wird von Beginn an deutlich, auch wenn es eine kurze Strecke braucht, bis man in den rhythmischen Sog der Sprache Lutz Seilers, der als einer der bedeutendsten Lyriker des Landes gilt und mit „Kruso“ seinen ersten Roman geschrieben hat, hineingezogen wird: Es ist die kunstvolle Verwobenheit einer überzeitlichen, mystischen, an literarischen Anspielungen reichen oder gar überreichen Ebene mit den konkreten zeitgeschichtlichen Ereignissen. Es ist der Sommer des Jahres 1989, in dem Ed sich auf den Weg macht, und allein schon die Schwierigkeiten, die es einem Bürger der DDR bereitet haben muss, Hiddensee, den nördlichen Vorposten in der Ostsee, zu erreichen, illustrieren die Nervosität des Staatsapparates.Mehr ...
Saša Stanišić: Vor dem Fest © Luchterhand Literaturverlag, München, 2014

Saša Stanišić
Vor dem Fest

Sein erster Roman liegt nun bald acht Jahre zurück. In seinem hochgelobten Debüt „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ erzählte Saša Stanišić von einer Kriegskindheit in Bosnien, vom Zerfall der dörflichen Welt, von der Flucht der Familie nach Deutschland und der Sehnsucht zurück in ein Land, das es nicht mehr gab. Es war seine eigene Herkunftsgeschichte, die darin zum Ausdruck kam.Mehr ...
Botho Strauß: Herkunft © Carl Hanser Verlag, München, 2014

Botho Strauß
Herkunft

„Sieben Türen“ heißt ein Theaterstück von Botho Strauß. Kein Zimmer besitzt so viele Ein- und Ausgänge, sondern nur ein Flur. Und in der Tat liefern die Türen nur die verbindenden Scharniere für einen Szenenreigen, der die Boulevard-Mechanik ironisiert und zugleich ins Metaphysische überführt. Menschen treten auf einen Korridor, und sie treten dabei für einen Moment aus ihrer Biografie aus, um in einem undefinierten Zwischenreich spielerische Selbstdistanz zu gewinnen. Der Flur als Dispens vom Identitätszwang. Dass es für diese sieben Türen ein lebensgeschichtliches Vorbild gibt, ist eines der Dinge, die man aus Botho Strauß‘ neuem Buch „Herkunft“ erfahren kann (...).Mehr ...
Marlene Streeruwitz: Nachkommen © S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2014

Marlene Streeruwitz
Nachkommen

Vielleicht hat Streeruwitz’ Stakkatostil noch nie so gut funktioniert wie hier. Denn „Nachkommen“ ist ein Wortrausch, eine Erzählung, die sehr, sehr nah an ihrer Hauptfigur, der jungen Buchpreisnominierten und Halbwaisen Nelia Fehn heranrückt (...). Erzählt wird die Leidensgeschichte einer 20-jährigen Jungautorin, die vom Begräbnis ihres Großvaters und Vormunds in Wien zur Buchpreisgala nach Frankfurt am Main jettet. Wir erleben die folgenden drei, vier Tage hautnah und umfangreich mit. Geboten wird der Einblick in den Literaturbetrieb, der sich hier so schwachbrüstig wie eh feiert und in seiner Eitelkeit selbst entlarvt.Mehr ...
Feridun Zaimoglu: Isabel © Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2014

Feridun Zaimoglu
Isabel

Abgemagert bis auf die Knochen ist der neue Roman von Feridun Zaimoglu. Der Autor hat ihn dem kantigen Körper seiner Hauptfigur so passgenau nachgebildet, dass kein Quäntchen Fett mehr übrig ist.Mehr ...