Roman unserer Kindheit
Blut ist stärker als Sex. Blut ist das Zeichen des Schreckens, der krasser in die Glieder fährt als alles, was eine Kindheit in den Sechzigern sonst noch bieten könnte: erotische Vorahnungen, Fernsehflimmern oder ähnlich wässriger Pipikram. „Es blutet und blutet“, heißt der erste Satz dieser wahnwitzigen, monströs wuchernden, schwarzmagischen und fuchslochartig verzweigten - schlicht und einfach: fantastischen Geschichte, die mit dem hinterhältigen Titel „Roman unserer Kindheit" daherkommt. Hinterhältig ist das, weil bei einem Autor wie Georg Klein noch die winzigsten Dinge eine abgründige Nebenbedeutung haben. Wer bei „Kindheit" an kleine, niedliche Menschen denkt und bei „uns“ an eine Generationengeschichte, liegt daneben.Seit seinen Romanen „Libidissi“ und „Barbar Rosa“ ist Georg Klein, geboren 1953 in Augsburg, auf Abseitigkeit gewissermaßen abonniert. (…) Auch der „Roman unserer Kindheit" hat die ganze Spezies im Auge, von der Altsteinzeit bis in die Gegenwart. Weil Kinder Jäger und Sammler sind, geben sie hervorragende Untersuchungsobjekte ab. Sie leben im magischen Rausch von Wundertüten, Sammelbildalben, letzten Schwarzweißfotografien und ersten Bildröhren - womit wir wieder in den Sechzigern wären, in der „neuen Siedlung“ einer süddeutschen Kleinstadt. Die hastig hochgezogenen Wohnblöcke tun so proper, dass klar ist: Hier liegen Leichen im Keller.
Jutta Person: „Der Exorzist im Bärenfell“
© die tageszeitung, 13. März 2010
Georg Klein
Roman unserer Kindheit
Rowohlt Verlag, Hamburg, 2010
ISBN, 978-3-498-03533-4
Roman unserer Kindheit
Rowohlt Verlag, Hamburg, 2010
ISBN, 978-3-498-03533-4










