Annette Pehnt

Man kann sich auch wortlos aneinander gewöhnen,
das muss gar nicht lange dauern

© Piper Verlag, München, 2009 Annette Pehnt: Man kann sich auch wortlos aneinander gewöhnen, das muss gar nicht lange dauern © Piper Verlag, München, 2009„Man kann sich auch wortlos aneinander gewöhnen, das muss gar nicht lange dauern”, heißt es in der im Zug spielenden Titelerzählung des Bandes, den Annette Pehnt, die 2001 mit „Ich muss los” debütierte und mittlerweile drei weitere hoch gelobte Romane geschrieben hat, nun als ihren ersten Erzählungsband vorlegt.
Die 1967 in Köln geborene Autorin, die nach Auslandsaufenthalten in Irland, Schottland, Australien und den USA heute in Freiburg lebt, hat sich einen Stil erarbeitet, der beinahe kunstlos wirkt und doch sehr geschickt sprachliches Understatement mit nüchterner Empathie verbindet. Dabei steckt der eigentliche Kunstgriff oft in der Wahl der Erzählperspektive. So wie sie in ihrem Roman „Mobbing” die Erfahrungen eines Mannes in der Arbeitswelt durch die Wahrnehmung seiner Ehefrau filtert, die dem Leser nur das erzählen kann, was der Gatte zuhause berichtet, so schildert sie in der ersten Erzählung des Bandes die Atmosphäre einer Bahnfahrt ganz aus der Perspektive einer Zugbegleiterin. Damit bündelt sie nicht nur das episodenhafte Geschehen, sondern gibt ihm auch einen Dreh, der für ihr Schreiben typisch ist. Man könnte das mit Lakonie verwechseln, also mit einer besonders kurzen, aber treffenden Ausdrucksweise. Tatsächlich aber ist eine leichte Verschiebung ins Unangemessene das eigentliche Geheimnis ihres Stils.

Meike Fessmann: „Ohne Gott, aber nicht ohne Engel“
© Süddeutsche Zeitung, 8. März 2010

Annette Pehnt
Man kann sich auch wortlos aneinander gewöhnen, das muss gar nicht lange dauern
Piper Verlag, München, 2009
ISBN 978-3-492-05374-7
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