Grunewaldsee
Das Berlin der Vorwendezeit und das uncoole, nicht schicke Kreuzberg im Schatten der Mauer sind heimliche Helden von „Grunewaldsee“. Als der Eiserne Vorhang fällt, ist für Paul der Zauber der Stadt verflogen. Da kann man auch zurück nach Braunschweig gehen. Von dort kommt Paul, aus streng sozialdemokratischen, kleinbürgerlichen Verhältnissen. Der Vater bewahrt in einem eigenen Zimmer sämtliche je erhaltenen Quittungen und Belege auf, weil man sie irgendwann ja noch einmal brauchen könnte; die Mutter stopft das Haus mit Nippes voll – „idyllenkrank“, so nennt das ein Bekannter. In der Beschreibung seiner Milieus, sei es Pauls Braunschweiger Heimat oder sei es der Kreuzberger Kiez, ist Treichel ein Meister wie eh und je. In ihnen spiegelt sich das Deutschland der Bonner Republik in all seinen Facetten, in all seiner Beengtheit und Beschränktheit einerseits, aber auch in all seinem Charme und seiner wenig selbstbewussten Genügsamkeit.Christoph Schröder: „Die Welt ist ein Schrebergarten“
© Frankfurter Rundschau, 15. März 2010
Hans-Ulrich Treichel
Grunewaldsee
Suhrkamp Verlag, Berlin, 2010
ISBN 978-3-518-42136-9
Grunewaldsee
Suhrkamp Verlag, Berlin, 2010
ISBN 978-3-518-42136-9










