Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche

Die Erzählerin ist das, was man in bürgerlichen Kreisen unter einer entsetzlichen Person versteht. Darin liegt ein Hauptreiz von Alina Bronskys zweitem Roman nach dem erfolgreichen Debüt „Scherbenpark“: Hier wird weder daran appelliert, dass alle Menschen gleich sind – obwohl sie es am Ende sind –, noch um Verständnis für die Andersartigkeit des Fremden geworben. Stattdessen schildert die 1978 in Jekaterinburg geborene, im Südhessischen aufgewachsene Autorin einen Aufstiegs-kampf, der Prostitution und Kindesmissbrauch einschließt, der Menschen das Leben, das Glück oder auch beides kostet. Die Ich-Erzählerin Rosalinda, Meisterin selbst-
wertdienlicher Interpretation, würde diese Worte selbst nie in den Mund nehmen. (…) Rosalinda, tatarischer Abstammung und in einer weit, sehr weit von Moskau entfernten russischen Stadt zu Hause, könnte Bronskys Großmutter sein. 1978 bekommt ihre Tochter ein uneheliches Kind, in das sich Rosalinda sogleich verliebt. Mit der ihr eigenen Energie nimmt sie das Leben des Mädchens in die Hand. Wer aber glaubt, daraus würde sich eine humoristische, matriarchalisch orientierte Familiensaga entwickeln, wird sich wundern. Denn Seite um Seite verfolgt man vielmehr die Tragödie eines Scheiterns.
Judith von Sternburg: „Die Fürstin der Putzfrauen“
© Frankfurter Rundschau, 3. Oktober 2010
Alina Bronsky
Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche
Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2010
ISBN 978-3-462-04235-1
Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche
Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2010
ISBN 978-3-462-04235-1










